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Biologische Vielfalt - Agrar-Report: Sofortige Trendwende gefordert

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Das Bundesamt für Naturschutz schlägt Alarm: Der erstmals veröffentlichte Agrar-Report zur biologischen Vielfalt auf Deutschlands Äckern mahnt eine sofortige Kehrtwende in der Landwirtschaftspolitik an. In allen Bereichen der Agrarlandschaft müsse gehandelt werden, so die Analyse.

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Die deutsche Landwirtschaft ist mit einem Anteil von über 50 Prozent die größte Flächennutzerin in Deutschland. Folglich hat sie damit einen großen Einfluss auf den Zustand sowie die Entwicklung der biologischen Vielfalt. Monokulturen, intensive Düngung und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sollen Erträge und Gewinne steigern. Doch sie haben auch negative Auswirkungen auf das ökologische System von Äckern und Wiesen.

Wie stark die Folgen der industrialisierten Landwirtschaft sind, dokumentiert das Bundesamt für Naturschutz (BfN) jetzt in seinem Agrar-Report. Auf knapp 60 Seiten werden Fakten aufgezählt, die aus Sicht des Naturschutzes beunruhigend sind: "Praktisch alle Tier- und Pflanzengruppen in der Agrarlandschaft sind von einem eklatanten Schwund betroffen. Besonders deutlich wird dies bspw. bei den Vögeln und Insekten", erklärt BfN-Präsidentin Beate Jessel.

Moderne Produktionsmethoden mit Nachteilen

Christine Elsner
Christine Elsner

Raps, Mais und Getreide werden heute meist in Monokulturen angebaut. Um immer effektiver arbeiten zu können, sind große Maschinen mit modernster Technik im Einsatz. Ihr oftmals hohes Gewicht verdichtet dabei allerdings den Boden.

Zudem werden der Krume keine Ruhephasen mehr zugestanden. Ist sie ausgelaugt, wird der Boden durch intensive Düngung - Gülle und Kunstdünger - wieder fit gemacht. Herbizide bekämpfen Wildkräuter, von denen allerdings auch die Insekten leben. So wird die Nahrungskette nachhaltig gestört. Die Folge: Aus einem natürlichen wird ein künstlicher Boden. Mikroorganismen und Kleinlebewesen verlieren dann ihren Lebensraum. Prominentestes Beispiel ist der Feldhamster. Hightech-Maschinen vertreiben den Nager seit Jahren vom Acker. Inzwischen steht er auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten.

Immer weniger Wildkräuter

Auch die biologische Situation auf Wiesen und Weiden hat sich negativ entwickelt. "Zwar scheint der Flächenverlust gestoppt, aber wir müssen eine weiter anhaltende, deutliche qualitative Verschlechterung des Gründlands feststellen. Alarmierend ist, dass blütenreiche Mähwiesen durch Bewirtschaftungsdruck massiv unter Druck geraten", sagt BfN-Chefin Jessel. Laut Agrar-Report sind im Inneren von Ackerflächen bestimmte Wildkräuter in ihrer Anzahl um mehr als 70 Prozent zurückgegangen.

Die Reduktion der biologischen Vielfalt auf deutschen Äckern hat nicht zuletzt auch Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit. Denn bestimmte Tier- und Pflanzenarten haben eine wichtige Funktion in der Nahrungskette. Fehlen zum Beispiel Insekten, werden Blüten nicht mehr ausreichend bestäubt.

Agrarpolitische Kehrtwende gefordert

Mit dem Agrar-Report belegt das BfN deutlich, dass sowohl die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union - kurz GAP - als auch die nationale Umsetzung hinsichtlich der Erhaltung der biologischen Vielfalt versagt haben. So kritisiert das BfN etwa die Vorschriften für die Einrichtung von ökologischen Vorrangflächen. Auf ihnen darf nicht gespritzt werden, Blühstreifen und Brachen müssen vorhanden sein. Für diese "Greening-Maßnahme" erhalten die deutschen Landwirte jährlich etwa 1,5 Milliarden Euro. Eine konsequente Umsetzung findet derzeit aber nicht statt. Und so übt der Agrar-Report massive Kritik an der teuren EU-Finanzhilfe.

Der Agrar-Report benennt letztlich Anforderungen an eine zukunftsfähige Landwirtschaftspolitik. Dazu zählt die Schaffung von Anreizen für eine naturverträgliche, standortangepasste und nachhaltige Bewirtschaftung. Zudem sollen strengere Kontrollregelungen für Greening-Maßnahmen eingeführt werden. Und schließlich muss auf intensiv genutzten Äckern ein Mindestmaß an Biodiversität vorgegeben werden.

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