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Insolvente Fluggesellschaft - Air Berlin: Betrieb normalisiert sich - Kritik an Airline

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Nach vielen Flugausfällen wegen rund 200 Krankmeldungen erwartet Air Berlin heute einen normalen Flugbetrieb - es gebe aber noch "leichte Nachwirkungen". Die Piloten-Gewerkschaft Cockpit wehrte sich gegen Vorwürfe des "kollektiven Krankfeierns" und warf Air Berlin vor, Ängste der Mitarbeiter zu schüren.

Von einem kollektiven Krankfeiern der Air Berlin-Piloten könne keine Rede sein, so Robert Spürk, Vorstandsmitglied der Vereinigung Cockpit e. V. Air Berlin würde mit seiner fehlenden Kommunikation und den Mitarbeitern gemachten Ängsten spielen.

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Nach zahlreichen Flugausfällen stabilisiert sich der Flugbetrieb bei Air Berlin. "Der Krankenstand bei unseren Piloten sinkt deutlich", sagte eine Sprecherin der insolventen Fluggesellschaft. "Insgesamt erwarten wir für heute einen normalen Flugbetrieb bei
Air Berlin."

Allerdings spüre der Konzern noch leichte Nachwirkungen der vergangenen Tage und des Hurrikans "Irma" in den USA. Deshalb könne man derzeit nicht alle Verbindungen von und nach Florida planmäßig fliegen. Betroffen davon sei etwa Fort Myers. "Aufgrund der Stromausfälle und Sturmschäden vor Ort können wir diesen Flughafen noch nicht wieder anfliegen." Der Flugbetrieb ab Miami und Orlando jedoch laufe wieder an.

Cockpit wirft Air Berlin "Spiel mit dem Feuer" vor

Am Dienstag und Mittwoch hatten zum Teil sehr kurzfristige Krankmeldungen von rund 200 Piloten zum Ausfall zahlreicher Flüge geführt. Das Management von Air Berlin hatte an die Flugkapitäne appelliert, ins Cockpit zurückzukehren. Auch Mitglieder der Bundesregierung machten Druck und kritisierten das Verhalten der Piloten.

Robert Spürk, Vorstandsmitglied der Vereinigung Cockpit, wehrte sich im ZDF gegen Vorwürfe, wonach sich die Piloten zu einem "kollektives Krankfeiern" verabredet hätten.  Davon könne keine Rede sein. Dem Unternehmen warf Spürk ein Spiel mit dem Feuer vor, durch mangelnde Kommunikation und durch Ängste, die den Mitarbeitern gemacht würden.

In einer aktuellen Pressemitteilung erklärte die Vereinigung Cockpit, es seien am Mittwoch auch Flüge gestrichen worden, für die sowohl Maschinen als auch die komplette Crew bereit gestanden hätten. "Es stellt sich die Frage, ob z.B. die ebenfalls unter Personalknappheit leidende Einsatzzentrale den Flugbetrieb gar nicht so schnell wieder in die Normalität überführen konnte, letztlich jedoch die Piloten dafür öffentlich verantwortlich gemacht werden sollen", so Ilja Schulz, Präsident der Vereinigung Cockpit.

Piloten fürchten bei Übernahme Gehaltseinbußen

Air Berlin ist seit Mitte August pleite und kann nur dank eines Staatskredits über 150 Millionen Euro weiterfliegen. Interessenten können bis diesen Freitag ein Kaufangebot für den Konzern oder Teile davon einreichen.

Viele Piloten fürchten bei einer Übernahme durch Konkurrenten wie die Lufthansa oder Easyjet erhebliche Gehaltseinbußen. Sie fordern deshalb Verhandlungen mit Air Berlin darüber, nach welchen Maßstäben sie übernommen werden könnten. Dies ist auch für die Interessenten ein Knackpunkt. "Der Betriebsübergang von Personal ist die giftige Pille, die Condor, Lufthansa und Easyjet nicht schlucken wollen", sagte ein Insider aus dem Umfeld der Verhandlungen.

Lauda will mit Thomas Cook bieten

Unterdessen hat der Ex-Rennfahrer und Unternehmer Niki Lauda angekündigt, zusammen mit Thomas Cook und dessen Tochter Condor etwa 100 Millionen Euro für Teile von Air Berlin bieten zu wollen. Genaueres hänge von den Details ab, sagte Lauda im ORF.

Er will an dem Konsortium 51 Prozent der Anteile halten, hatte er zuvor dem "Kurier" aus Österreich gesagt. Demnach wollen Lauda und seine Partner neben der von dem Ex-Rennfahrer selbst gegründeten Air-Berlin-Tochter Niki zusätzlich 17 Maschinen von Air Berlin übernehmen. Geplant ist demnach, ausschließlich touristische Ziele auf der Kurz- und Mittelstrecke anzufliegen.

Die Lufthansa hat offiziell ihr Interesse an Air Berlin erklärt. Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl will nach eigenen Angaben bis zu eine halbe Milliarde Euro bieten. Als möglicher Käufer gilt ebenso die Billigairline Easyjet. Insidern zufolge erwägt auch die chinesische Betreiber-Gesellschaft des Flughafens Parchim in Mecklenburg- Vorpommern, Link Global Logistics, eine Offerte.

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