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Fluglinie in der Krise - Air Berlin: Was Passagiere jetzt wissen müssen

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Die Insolvenz von Air Berlin verunsichert Millionen Fluggäste. Wer bald fliegt, muss zwar keine Panik haben. Doch wer bereits für den Winter oder sogar das nächste Jahr gebucht hat, sollte reagieren. Welche Optionen Passagiere haben.

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft fliegt seit Jahren Defizite ein, nun hat Air Berlin einen Insolvenzantrag gestellt. Der Flugbetrieb aber soll mit Hilfe eines Überbrückungskredits der Bundesregierung in Höhe von 150 Millionen Euro weitergehen.

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Alles hängt davon ab, wieweit und wie lange die Ankündigung, der Flugbetrieb wird fortgeführt, tatsächlich Bestand hat. Angesichts der Summe von 150 Millionen Euro sicher eine spekulative Frage. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries spricht von etwa einem Vierteljahr. Solange also der Betrieb weiterläuft, ändert sich für die Kunden nichts.

Joachim Pohl
ZDF-Rechtsexperte Joachim Pohl Quelle: ZDF, Rico Rossival

Reisende die bereits unterwegs sind und demnächst zurückfliegen werden, müssen sich dann wohl keine akuten Sorgen machen. Auch nicht diejenigen, die "heute oder morgen" gebucht haben.

Pauschalreisende sicher, Individualbucher müssen bangen

Aber was ist mit Reisenden, die für den Spätherbst, Winter oder gar schon das kommende Frühjahr gebucht haben? Hier muss sich zeigen, was Air Berlin und der vorläufige Insolvenzverwalter als Prognosen für die Dauer des Betriebs in Aussicht stellen. Je weiter ein Flug zeitlich entfernt ist, desto größer wird natürlich das Risiko. Keiner weiß heute, wann eventuell ein Insolvenzverwalter doch den "Stecker zieht".

Individualbucher, die kündigen wollen, haben allenfalls Anspruch auf Erstattung als Anmeldung ihrer Forderung zur Insolvenzmasse. Sie würden eines Tages allenfalls einen Bruchteil zurückerhalten. Oder sie vertrauen darauf, dass ihre Buchung noch von Air Berlin durchgeführt werden wird.

Pauschalreisende sind auf der sicheren Seite. Sie genießen Schutz. Hier werden die Reiseveranstalter die Flüge entweder - soweit möglich - noch mit Air Berlin weiterführen oder kostenfrei umbuchen auf andere Airlines. Die Reisenden sind über die so genannten Sicherungsscheine abgesichert.

Noch offen, ob andere Airlines betroffen sind

Der vor einigen Jahren gesetzlich eingeführte Schutz von Pauschalreisenden erstreckt sich nicht auf Individualbucher. Auch die Gerichte haben hier keinen Grund gesehen, die Vorauskasse der Fluggesellschaften zu kippen, was Experten heftig kritisieren. Es sei immer von geringen Risiken ausgegangen worden, weil man allenfalls kleine Airlines im Risiko sah. Hier aber betrifft es mit Air Berlin einen sogenannten "Big Player".

Fluggäste, die eine Flugversicherung abgeschlossen haben, sollten sich umgehend mit ihrem Versicherer in Verbindung setzen und sich erkundigen wie sie sich verhalten sollen.

Inwieweit andere Luftlinien betroffen sind, die bei Air Berlin Flugzeuge geleast haben (zum Beispiel Lufthansa für eurowings usw.) muss sich zeigen. Hier wäre Vertragspartner der Kunden aber nicht Air Berlin, die tatsächlichen Anbieter müssten das regeln und für geeigneten Transport sorgen.

Politische Gedankenspiele

Ob der Bund aus Subventionsgedanken zu dem Kredit berechtigt ist, ist eine andere Frage, die hinter dem Ganzen schlummert. Jedenfalls sagt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), dass man den Überbrückungskredit bei der EU angemeldet habe, die offizielle Genehmigung brauche aber einige Tage.

Möglicherweise geht die Politik auch davon aus, dass Air Berlin trotz Insolvenz ein Betrieb ist, der zumindest in Teilen noch lukrativ ist und im Hinblick auf laufende Verhandlungen zum Beispiel mit Lufthansa erst einmal am Leben gehalten werden und nicht gleich von der Bildfläche verschwinden soll. Ob es kartellrechtliche Hürden gibt, hängt vom Umfang einer Betriebsübernahme ab.

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