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Lufthansa macht Rückzieher - Niki-Deal platzt - Regierung erwartet Pleite

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Niki droht das Aus: Weil die EU-Kommission Wettbewerbsbedenken hat, will die Lufthansa die Air-Berlin-Tochter doch nicht kaufen. Die Regierung rechnet nun mit der Insolvenz.

Die Lufthansa zieht ihr Angebot für Niki zurück. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann über die Hintergründe.

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Der Lufthansa-Konzern hat sein Übernahmeangebot für die Air-Berlin-Tochter Niki zurückgezogen. Grund sei, so die Fluggesellschaft, dass eine schnelle Freigabe des Deals durch die EU-Kommission nicht zu erwarten sei. Der im Oktober geschlossene Kaufvertrag könne nicht vollzogen werden. Air Berlin sucht nun nach einem neuen Käufer. Allerdings hielt sich die österreichische Gesellschaft zuletzt nur noch mit Finanzspritzen der Lufthansa in der Luft.

Die Bundesregierung äußerte sich enttäuscht: "Die Entscheidung der EU-Kommission in punkto Niki bedauern wir sehr", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Regierung hätte sich eine einvernehmliche Lösung zwischen Brüssel und der Lufthansa gewünscht. Denn alternative Käufer für Niki "standen und stehen bis heute nicht zur Verfügung, trotz allerlei öffentlicher Ankündigungen und intensiven Bemühens des Generalbevollmächtigten von Air Berlin". Die Regierung rechnet daher mit der Insolvenz bei Niki.

Bund: Versuchen, den Schaden in Grenzen zu halten

Das Scheitern des Deals kostet den Bund womöglich Millionen. "Durch den unerwarteten Ausfall der Erlöse aus dem Niki-Verkauf kann der vom Bund verbürgte Kredit der KfW an Air Berlin möglicherweise nur zum Teil zurückgezahlt werden", so Seibert weiter. Es geht um ein Darlehen von 150 Millionen Euro, das der Bund Air Berlin gewährt hatte, um den Flugbetrieb vorübergehend aufrechtzuerhalten. Der Bund werde alles tun, um den Schaden für den Steuerzahler in Grenzen zu halten, ergänzte der Regierungssprecher.

Mit dem Verzicht auf Start- und Landerechte hatte die Lufthansa versucht, die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der EU-Kommission gegen die Air-Berlin-Teilübernahme zu zerstreuen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte für den Fall eines Scheiterns der Niki-Übernahme einen "Plan B" angekündigt. Er sehe vor, die Lufthansa-Tochter Eurowings in der gleichen Größenordnung von rund 20 Flugzeugen aus eigener Kraft wachsen zu lassen. Die EU-Kommission hatte erst am Freitag bekräftigt, dass Lufthansa auf einigen Strecken ein Monopol haben könnte und sich sehr skeptisch zum Deal geäußert. "Wir haben ziemlich starke Wettbewerbsbedenken", sagte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager in Brüssel.

1.000 Jobs auf der Kippe

Die schwierige Lage ruft auch Österreich auf den Plan: "In Sachen Niki braucht es eine Lösung, die möglichst viele heimische Arbeitsplätze sichert und gerade jetzt, in der anstehenden Reisezeit rund um Weihnachten, Chaos für die Kundinnen und Kunden vermeidet", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Die Lösung werde in enger Abstimmung mit der EU-Kommission und Deutschland zu finden sein. Er wollte nicht kommentieren, ob es von der Regierung möglicherweise einen Überbrückungskredit für die österreichische Airline geben könnte. Arbeitnehmervertreter riefen zu Krisengesprächen auf: Mit Blick auf die gefährdeten 1.000 Jobs müsse es rasche Lösungen geben, um die Flugzeuge in der Luft zu halten, sagte Johannes Schwarcz von der Gewerkschaft Vida.

"Die Air-Berlin-Gruppe prüft derzeit Verwertungsalternativen für die Niki Luftfahrtgesellschaft GmbH", betonte Air Berlin nach dem Rückzieher der Lufthansa in einer Pflichtmitteilung für die Börse. Air Berlins Generalbevollmächtigter Frank Kebekus hatte noch am Dienstag mitgeteilt, Lufthansa sei der einzig zuverlässige Kaufinteressent für Niki. Interesse an einem Kauf hatten in den vergangenen Monaten auch Thomas Cook (Condor) und der British-Airways-Mutterkonzern IAG gezeigt.

Lufthansa hatte sich im Oktober mit der insolventen Air Berlin darauf geeinigt, Niki und die andere Air-Berlin-Tochter LGW für insgesamt 210 Millionen Euro zu übernehmen. Am Erwerb der LG Walter will die Lufthansa weiter festgehalten, teilte das Unternehmen mit. Der Kauf steht aber ebenfalls unter kartellrechtlichen Vorbehalten der EU-Kommission. Der Kaufpreis von 18 Millionen Euro sei noch Gegenstand erneuter Verhandlungen und solle im Wesentlichen zur Tilgung des von der KfW an Air Berlin gewährten Massekredits verwendet werden.

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