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Hauptversammlung - Airbus kämpft an vielen Fronten

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Europas Flugzeugbauer Airbus ist auf vielen Gebieten unter Druck. Zwar liefern vor allem Zivilflugzeuge solide Gewinne, aber der Handelsstreit zwischen China und den USA belastet.

Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder.
Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder Quelle: Christian Charisius/dpa

Man sollte meinen, wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, aber bei Handelskonflikten, zumal zwischen der Nummer eins und der Nummer zwei des Welthandels, kommt niemand ungeschoren davon. Auf den ersten Blick könnte Airbus davon profitieren, dass Erzkonkurrent Boeing in China unter Druck geraten dürfte. Allerdings: Boeing wird sich anderen Märkten verstärkt zuwenden, Europa natürlich auch, und da hat Airbus seinen Sitz. Druck auf die Preise wird wohl nur die geringste Auswirkung sein. Und: Sollte Airbus in die Lücke springen und eine Verkaufsinitiative in China starten, würde das einem Hauptabnehmer in den USA kaum gefallen: nämlich dem US-Militär, das von Airbus mit militärischem Fluggerät beliefert wird. "Was die Weltwirtschaft betrifft, so ist sie verflochten", sagte einst Kurt Tucholsky. 80 Jahre später ist sie es erst recht.

A320 lässt Airbus gut aussehen

Nun hat Airbus derzeit einen Lauf: Der Aktienkurs befindet sich auf einem seit Jahren nicht gesehenen Niveau und die Anteilseigner dürfen sich am Tag nach der Hauptversammlung an diesem Mittwoch über eine nochmals erhöhte Dividende freuen. Das gilt natürlich auch für den französischen wie den deutschen Staat, die beide jeweils elf Prozent am Unternehmen besitzen. Erfolgreich ist vor allem die Airbus A320-Familie mit ihren zahlreichen Untertypen, auf die Bedürfnisse der internationalen Kundschaft zugeschnitten und weit besser unterwegs als der mit Vorschusslorbeeren bedachte, inzwischen aber eher mit Trauerflor bekränzte Großraumjet A380.

Insbesondere die A321neo getaufte Kurz- und Mittelstreckenmaschine macht Furore, weil die Betriebskosten unschlagbar niedrig sind und die Triebwerke so sparsam arbeiten, dass die A321neo sogar Transatlantikflüge schafft: Die Reichweite mit Zusatztanks beträgt dann immerhin 7.400 Kilometer. Die Flugzeugfamilie insgesamt verzeichnet derzeit einen Auftragsbestand von 6.000. Tendenz: steigend. Maßgeblich am Bau beteiligt: der Airbus-Standort Hamburg.

Infografik: Nettoergebnis der Airbus Group
Quelle: Airbus Group

Deutschlands Norden profitiert

Die Hansestadt, die schon mehrere Ups und Downs mit ihrem Airbus-Werk erlebt hat, erfährt derzeit eine Ausweitung der Fabrikation, neue Montagelinien und möglicherweise gibt es auch neue Arbeitsplätze. Die Konkurrenz durch Boeing ist in diesem Flugzeugsegment weit zurück. Die nicht mehr gebaute Boeing 757 schneidet bei allen Werten schlechter ab als die Airbus A320-Familie. Bis Boeing nachlegt, werden Jahre vergehen. Die Arbeitnehmerseite muss hingegen schwankungsanfälligen Bedarf verkraften.

Während die Zivilflugzeuge in Hamburg gar nicht schnell genug gefertigt werden können, ist der Standort Bremen mit seinem Militärtransporter A400-M mit Stellenstreichung oder zumindest Verlagerungen konfrontiert. Aber der Norden profitiert insgesamt, neben Bayern als wichtigem Standort. Jedes sechste Verkehrsflugzeug der Welt kommt inzwischen aus Deutschland.

Lufttaxi als Zukunftsvision und -option

Und die Zukunft? Neben vielen Startup-Unternehmen arbeitet auch Airbus an der Vision eines Lufttaxis. Das "fliegende Auto" scheint nicht so fern, wie man meinen möchte. Für die Entwicklung einer Auto-Drohne haben sich die Airbus-Tüftler mit Audi zusammgetan: Für etwa sechs Passagiere wäre nach den ersten Denkspielen Platz, und die Idee wird durchaus von weiteren ernstzunehmenden Herstellern verfolgt, darunter Daimler oder Toyota. In den USA forscht Boeing und will den Mitfahrkonzern Uber mit Fluggerät versorgen. Was noch völlig fehlt, ist die hierzulande sicher notwendige Luft-Straßenverkehrsordnung.

Aktuell kämpft man ganz irdisch mit Problemen bei den Triebwerkslieferanten, dem erwähnten A400-M-Transporter und dem schleppenden Absatz beim A380. Der Konzerngewinn allerdings stieg jüngst auf das Dreifache - 2,9 Milliarden Euro kamen überraschend zusammen. Für dieses Jahr rechnet man mit nochmals 20 Prozent Steigerung. Der Abschied von Firmenchef Tom Enders - "Major Tom" genannt - im kommenden Jahr wird also ein ehrenvoller. Ein Nachfolger ist noch nicht bekannt, es wird jedoch anders als früher nicht unbedingt ein Krisenmanager gesucht.

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