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Japans Akihito dankt ab - Des Kaisers letzte Zeremonie

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Das gab es seit über 200 Jahren nicht mehr: Ein japanischer Kaiser, der zu Lebzeiten den Thron verlässt. Nun heißt es Abschied nehmen - mit einem sehr kurzen Zeremoniell.

Kaiser Akihito kommt am Shinto-Schrein Ise-Jingu zu einem Ritual
Kaiser Akihito kommt am Shinto-Schrein Ise-Jingu zu einem Ritual
Quelle: dpa

Wenn Akihito an diesem Dienstag den Thron aufgibt, wird die Zeremonie in gerade einmal etwa zehn Minuten über die Bühne gehen. Dabei musste er sich drei Jahre gedulden, bis es so weit war. Schon 2016 hatte Akihito seinen Wunsch verkündet, sich von seinen Kaiserpflichten zurückzuziehen - und damit sein Land schockiert. Als Grund nannte er sein hohes Alter und seine angeschlagene Gesundheit.

Neues Gesetz muss her

Zuvor hatte er sich einer Behandlung wegen Prostatakrebses sowie einer Herz-Operation unterziehen müssen. Eine Abdankung des Kaisers aber war in Japans Nachkriegsverfassung nicht vorgesehen. Das japanische Kabinett musste zunächst ein Gesetz billigen, das den Rücktritt allerdings nur als Ausnahmeregelung ermöglicht.

Nun folgt alles einem durchgetakteten Plan: Um Punkt 17 Uhr Ortszeit (10 Uhr MESZ) beginnt das Zeremoniell im Matsu-no-Ma, einer großen Halle im Kaiserpalast in Tokio.

Kaiser Akihito und Prinz Naruhito
Der Vater geht, der Sohn kommt. Prinz Naruhito wird am 1. Mai neuer japanischer Kaiser.
Quelle: imago

An der Zeremonie nehmen mehr als 300 Menschen teil, darunter neben Mitgliedern der Kaiserfamilie auch Vertreter von Japans Regierung und Parlament, hochrangige Richter und regionale Regierungschefs. Ministerpräsident Shinzo Abe wird eine Rede im Namen des Volkes halten, bevor Akihito seine letzte offizielle Ansprache vorträgt.

Die eine Ära endet, eine andere beginnt

Formal bleibt er Kaiser, bis die Uhr Mitternacht schlägt. Damit endet die 30-jährige Ära unter Kaiser Akihito, die den Namen "Heisei" trägt. Übersetzt bedeutet das: Frieden schaffen.

Mit der ersten Minute des 1. Mai beginnt die Ära "Reiwa". Der Begriff steht für "Ordnung" und "Frieden" oder "Harmonie". Von da an ist Akihitos 59-jähriger Sohn Naruhito japanischer Kaiser - beziehungsweise Tenno, wie der offizielle Titel in Japan lautet.

Die Krönungsfeierlichkeiten finden ebenfalls im Matsu-no-Ma statt. Bei einer ersten Zeremonie erbt Naruhito das kaiserliche Schwert, das Juwel und die königlichen Siegel. Erst die Insignien verleihen dem neuen Tenno Legitimität. Dazu gehört auch ein heiliger Spiegel, der im Palast hängt. Da dieser seinen Platz nie verlässt, wird ein Gesandter ein rituelles Gebet vor dem Spiegel verrichten. Dadurch erbt der neue Kaiser auch diesen Spiegel.

Zehn Minuten Zeremonie, zehn Tage Urlaub

Auch diese Zeremonie ist nach rund zehn Minuten vorbei. Während dieser Zeit spricht der Kaiser nicht. Frauen sind nicht zugelassen, auch keine Vertreterinnen des Kaiserhauses.

Kaiser Akihito bestieg Chrysanthementhron (12.11.1990)
In einer ebenso glanzvollen Zeremonie bestieg einst auch Akihito den kaiserlichen Chrysanthementhron - am 12.11.1990.
Quelle: Picture-Alliance / dpa

Bei einer weiteren Zeremonie um 11 Uhr wird Naruhito seine erste Rede als Tenno halten. Regierungschef Abe wird erneut im Namen des Volkes sprechen. Erst am 4. Mai wird der neue Kaiser dann sein Volk von einem verglasten Balkon aus grüßen. Danach wird er bis zum Herbst kaum öffentlich in Erscheinung treten.

Im ganzen Land sind zum Thronwechsel Feiern geplant. Dieser fällt zusammen mit der "Golden Week" - mehrerer aufeinander folgender Feiertage. Nur dauert die Woche dank des Thronwechsels diesmal länger - zehn Tage, in der ein ganzes Land Urlaub hat. Auch das gab es in Japan so noch nie.

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