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Truppenbesuch im Irak - AKK im diplomatischen Spagat

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Die neue Verteidigungsministerin besucht den Nord-Irak: Annegret Kramp-Karrenbauer zwischen Patrouillenübungen der Peschmerga und einem ständigen diplomatischen Spagat.

Die Bundeswehr bei den Peshmerga - Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer
Die Bundeswehr bei den Peshmerga - Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer
Quelle: reuters

Es kracht ganz kurz, eine Explosion wird simuliert. Die achtköpfige Peschmerga-Patrouille duckt sich hinter eine Steinmauer. Schon mindestens viermal haben sie dieses Szenario an diesem Morgen geübt. Immer und immer wieder. Die zwei Bundeswehr-Ausbilder achten nur auf die zwei Ausbilder der Kurden - das sind ihre Kunden. Denn die Bundeswehr ist nach vier Jahren, die sie jetzt schon im Nord-Irak für die sogenannte Ertüchtigung der Peschmerga verantwortlich ist, längst dazu übergegangen nur noch die Ausbilder auszubilden.

Schließlich sollen sie es eines Tages alles alleine können. Hunderte von Soldaten sind durch die Schulungen der deutschen Ausbilder in den letzten Jahren gegangen. Vom einfachen Mannschaftsdienstgrad bis zum hohen Offizier. Ein kurdischer Hauptmann, der gerade von einem Lehrgang in Deutschland zurückgekehrt ist, trägt stolz die erworbenen Abzeichen. Das Springerabzeichen der Fallschirmjäger und das Leistungsabzeichen in Gold. Jetzt fungiert er als Dolmetscher für der Besuch der deutschen Verteidigungsministerin.

Frauen-Bataillon und Soldaten in Teilzeit

Als Annegret Kramp-Karrenbauer kommt, entsteht kurz Chaos. Vor allem, weil sie etwas ungeplant auf das Dutzend angetretene kurdische Soldatinnen zugeht und allen die Hand schüttelt. Alle akkurat geschminkt, das hat die deutsche Verteidigungsministerin bisher nicht gesehen. Eine Szene, in der Annegret Kramp-Karrenbauer keine Berührungsängste erkennen lässt. Selbstverständlich stellt sie sich zwischen die jungen Frauen, Fotos werden gemacht. Das Frauen-Bataillon der Peschmerga hat eine gewisse Berühmtheit - anderen Armee der Welt ist so etwas fremd. In Kurdistan gehört es zum Nationalstolz.

Im Bundeswehr-Kontigent kann sich aber keiner erinnern, ob man auch schon mal kurdische Frauen ausgebildet hat. So weit geht die Emanzipation dann doch nicht. Auch unter den anwesenden Generälen ist keine Frau zu sehen. Kramp-Karrenbauer aber ist an diesem Tag gekommen, um sich einen Eindruck von der Ausbildung im Kriegshandwerk zu verschaffen. Und das bekommt sie geboten. Ein krasser Unterschied zur Ausbildungsvorführung am Tag zuvor im Lager Taji bei Bagdad, wo irakische Soldaten unter Anleitung von drei Bundeswehr-Soldaten eine Holzbank zusammenschrauben, auf der die Ministerin anschließend Platz nimmt. Der Spott der mitreisenden Medien und Bundestagsabgeordneten ist ihr sicher.

Es ist eine Teilzeitausbildung, die die Bundeswehr derzeit im Norden des Iraks leistet. Nicht weil die Deutschen am Nachmittag keine Lust mehr hätten, sondern weil viele der vor allem einfachen Soldaten in der zweiten Tageshälfte noch einem zweiten Job nachgehen. Sie fahren Taxi oder kellnern. So hat man im Ausbildungscamp Bnslawa aus der Not eine Tugend gemacht und bildet von sechs Uhr morgens bis in die Mittagsstunden aus. Danach nimmt die Hitze, gerade jetzt im Sommer, dermaßen zu, dass ein Aufenthalt im Freien eh kaum möglich ist.

Heikle Mission zwischen Patrouillenausbildung und Holzbankbau

Für Deutschland ist diese Mission eine heikle. Immer wieder setzt sich die Bundeswehr dem Verdacht aus, die Kurden mit einer hochwertigeren Ausbildung zu versorgen und damit die Kurden gegenüber den Irakern zu bevorzugen. Der Verdacht steht aber seit der Lieferung von Sturmgewehren und Milan-Panzerabwehrraketen eh im Raum - eine ähnliche Anfrage der irakischen Zentralregierung hatte Kramp-Karrenbauer am Vortag freundlich zurückgewiesen. Aber der Gegensatz zwischen Patrouillenausbildung im Norden und Holzbankbau in der Mitte ist auch zu eklatant. Damit gießt Deutschland Öl in einen innen-irakischen Konflikt zwischen der Zentralregierung und dem nach Unabhängigkeit strebenden Nord-Irak. Etwas was man eigentlich in Berlin vermeiden will.

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Kramp-Karrenbauer versucht die schwierigen diplomatischen Klippen zu umschiffen. Bewusst bezieht sie ihre öffentlichen Äußerungen immer auf den gesamten Irak. Am Morgen hatte sie im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF einen langen Atem gefordert. Es gehe darum, so die Ministerin, sich "auf längere Sicht darauf einzustellen, den Terror auf allen Ebenen zu bekämpfen". Dass sie dabei die knifflige Mandatsfrage unerwähnt läßt, soll wohl den Druck auf den eigenen Koalitionspartner erhöhen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich hatte ja schon vor vier Wochen angekündigt, dass seine Partei einer Verlängerung des Anti-IS-Mandats nicht zustimmen werde. Kramp-Karrenbauer versucht nicht zu überziehen, aber hier zeigt sich, dass ihre Rolle als Verteidigungsministerin und die als CDU-Chefin nicht ganz parallel laufen. Von der Ministerin erwarten viele - vor allem die betroffenen Regierungen in Bagdad, Erbil oder Amman, dass Deutschland sich klar zu diesem Einsatz bekennt. Als Parteivorsitzende muss sie diesen Konflikt, ob man raus geht oder weiter macht, eher moderieren.

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