Sie sind hier:

Geschädigte Aktionäre - Ohne Risiko gegen Volkswagen klagen

Datum:

Geschädigte Volkswagen-Aktionäre können sich risikolos an Klagen gegen das Unternehmen beteiligen. Anlegerschützer mahnen zur Eile: Es droht eine Verjährungsfrist.

Aktionäre auf der Hauptversammlung 2018 der Volkswagen AG auf dem Berliner Messegelände am 03.05.2018
Aktionäre auf der VW-Hauptversammlung im Mai 2018: Viele haben durch den Dieselskandal Geld verloren.
Quelle: dpa

Es war im Herbst 2015, als der Sturm über Volkswagen einbrach und mit Wucht die heile Fassade des Autobauers wegfegte. In der Folge beklagen Autobesitzer den Wertverlust ihrer Dieselfahrzeuge und Aktionäre einen drastischen Kursrutsch von Volkswagen-Aktien. Für den Autobauer ist der Skandal noch lange nicht ausgestanden. Aktionärsschützer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mahnen geschädigte Anleger indes zur Eile: Am 31. Dezember 2018 greift die Verjährung. Wer bis dahin nicht aktiv wird, hat keine Chance mehr, Geld wiederzusehen.

Klage ohne finanzielles Risiko

Aktionärsschützer werfen Volkswagen vor, systematisch auf die Verjährung hinzuarbeiten: "Eigentümer von Volkswagen sollen in die Verjährungsfalle laufen", sagt der Hauptgeschäftsführer der DSW, Marc Tüngler. Da es für Kleinanleger aufwendig und teuer ist, vor Gericht zu ziehen, hat die DSW einen vereinfachten Klageweg geebnet. "Die Kläger können ohne eigenes finanzielles Risiko klagen, da die Prozesskosten übernommen werden", sagt der Vizepräsident der DSW, Rechtsanwalt Klaus Nieding. Möglich macht das die Kooperation mit einem Prozessfinanzierer und der Rechtsplattform myRight.de. Dort können sich Anleger registrieren und ihre Unterlagen hochladen.

Risikolos ist das deswegen, weil nur im Erfolgsfall eine Provision fällig wird. In diesem Fall landen 30 Prozent der erstrittenen Schadenersatzsumme bei myRight, dem Prozessfinanzierer und den Anwälten. "Wenn wir nicht erfolgreich sind, dann haben wir umsonst gearbeitet", sagt der Jurist Jan-Eike Andresen von myRight. In den Verbraucherzentralen sieht man solche Vorstöße, in denen kommerzielle Anbieter mit Profitinteresse Verbraucherrechte erstreiten wollen, mit gemischten Gefühlen. Im Verbraucherzentrale Bundesverband hieß es anlässlich eines ähnlichen Verfahrens im Frühjahr, die Entwicklung sei erfreulich. Es sei aber nicht im Sinne der Verbraucherschützer, wenn sich eine regelrechte Klageindustrie entwickle.

Zunächst außergerichtliche Einigung angestrebt

Noch besser würden geschädigte Anleger natürlich fahren, wenn sie selbst klagen und Recht bekommen. Dann würde auch keine 30-prozentige Provision anfallen. Allerdings bliebe man im Fall einer Niederlage mindestens auf seinen Anwaltskosten sitzen.

Sollte die Klage von myRight erfolgreich sein, winken nach deren Berechnungen knapp 60 Euro Entschädigung pro Volkswagen-Aktie. Da auch die Volkswagen-Mutter, die Porsche-Holding, vom Dieselskandal betroffen war, sind hier mindestens 20 Euro Schadensersatz pro Aktie zu erwarten. Je nach Einzelfall und Schaden können auch höhere Summen herauskommen. Zunächst werden die Anwälte versuchen, die Rechte der Aktionäre außergerichtlich durchzusetzen. Erfüllt Volkswagen die Ansprüche nicht zeitig, landen die Fälle gebündelt vor Gericht. Die Kanzleien Nieding + Barth sowie Hausfeld werden die Klage dann vertreten.

Viele Klagen gegen Volkswagen

Beteiligen können sich Aktionäre, die Volkswagen-Aktien zwischen dem 1. Januar 2009 und dem 15. September 2015 gekauft haben - unabhängig davon, ob sie die Papiere noch halten oder schon verkauft haben. Mit dem Vorstoß wollen die Aktionärsschützer der DSW es Anlegern ermöglichen, gerichtlich auf Augenhöhe gegen einen Konzern wie Volkswagen anzutreten. "Damit setzen wir dem oft bestehenden Ungleichgewicht zwischen Unternehmen auf der einen und geschädigten Anlegern auf der anderen Seite etwas entgegen", sagt Marc Tüngler.

Mit myRight arbeiten bereits viele Firmen aus der Logistik-Branche zusammen. Mehrere Logistikverbände hatten sich im Frühjahr zusammengeschlossen, um wegen des Wertverfalls ihrer Dieselfahrzeuge gegen Volkswagen vorzugehen. Nach Angaben von myRight haben sich 50.000 Volkswagen-Geschädigte auf der Plattform registriert. Bislang seien 90 Prozent der Klagen durch Urteile oder Vergleiche zu Gunsten der Autobesitzer ausgegangen. Volkswagen sieht das anders. Die meisten Urteile, die es bisher gebe, seien kein Erfolg für die Kunden gewesen. Anleger haben nun die Möglichkeit, die Probe aufs Exempel zu machen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.