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Internationaler Aktionstag - Lauter Lärm

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Er trifft überall und rund um die Uhr auf: Lärm. 80 Prozent der Deutschen fühlen sich durch ihn gestört. Lärmaktionspläne sollen insbesondere den Straßenlärm mindern.

Archiv: Ein Passagierflugzeug ist am 17.07.2013 über Wohnhäusern zu sehen.
Ein Passagierflugzeug dicht über Wohnhäusern (Symbolbild).
Quelle: dpa

Ob Straßenverkehr, Schienenverkehr, Flugzeuge, Industrieanlagen oder der eigene Nachbar mit seinem Laubbläser – sie alle verursachen Lärm. Dieser kann nicht nur nerven und störend wirken, sondern auch krank machen. Denn Lärmbelastungen versetzen den Körper in einen Alarmzustand, bei dem Stresshormone ausgeschüttet werden. In der Folge kann das Immunsystem geschwächt werden, der Blutdruck steigen und das Risiko für Herzerkrankungen erhöht werden.

Lärmquelle Nummer eins: der Verkehr

Das Umweltbundesamt (UBA) führt regelmäßig repräsentative Umfragen zum Thema Lärmbelästigung durch. Die Ergebnisse zeigen, dass kaum ein Mensch in Deutschland von Lärm verschont wird. "Lärmquelle Nummer eins ist dabei der Verkehr, hier insbesondere der Straßenverkehr. Drei Viertel der Bürgerinnen und Bürger fühlen sich in ihrem Wohnumfeld dadurch gestört oder belästigt. Verkehrslärmquelle Nummer zwei ist der Fluglärm, gefolgt vom Schienenverkehrslärm. Aber auch die Geräusche der Nachbarn zählen zu den bedeutenden Ursachen der Lärmbelästigung. Rund 60 Prozent der deutschen Bevölkerung fühlen sich durch ihre Nachbarschaft gestört", erklärt Matthias Hintzsche vom Umweltbundesamt.

Seit 2002 gibt es die EU-Lärmrichtlinie. Sie verpflichtet die Mitgliedstaaten, die Lärmbelästigung der Bevölkerung regelmäßig zu erheben und zu überprüfen. Die Belastung soll in Lärmkarten erfasst werden. So sind etwa in Deutschland entlang von Straßen rund 8,4 Millionen Menschen einem ganztägigen Lärmpegel über 55 Dezibel ausgesetzt. Dies ist die Grenze, ab der die Weltgesundheitsorganisation WHO von einem ernsten Risiko für die Gesundheit spricht. "Die Lärmkarten sind für die deutschen Kommunen immens wichtig. Denn die sollen mithilfe sogenannter Lärmaktionspläne über konkrete Maßnahmen zur Lärmminderung vor Ort entscheiden und diese auch umsetzen", meint Lärmexperte Hintzsche vom UBA. 

Im Bereich Straßenverkehr werden derzeit drei Maßnahmen favorisiert:

Lkw-Routenkonzepte

Ein LKW auf der Bundesstraße 87. Symbolfoto

Quelle: Patrick Pleul/ZB/dpa

Allein ein Lastkraftwagen ist durchschnittlich so laut wie 20 Personenkraftwagen. Bei einer Straße mit hohem Lkw-Verkehr kann durch Umleitung der Lkw die Belästigung der Anwohner deutlich gesenkt werden. "Ziel von Lkw-Routenkonzepten ist es, vor allem den Durchgangs-Schwerverkehr aus sensiblen Ortsbereichen herauszuhalten. Im Rahmen eines Pilotprojekts in Berlin wurden dabei sowohl Minderungen bei Stickoxiden und Feinstaub, aber auch bei der Lärmbelastungen gemessen. Die Lärmminderung betrug dabei circa 20 bis 25 Prozent", so das Umweltbundesamt.

Lärmmindernde Fahrbahnbeläge

Die Beschaffenheit der Fahrbahnoberfläche hat einen wesentlichen Einfluss auf die Lärmbelastung. So kann das Reifengeräusch bereits ab einer Geschwindigkeit von 30 km/h eine störende Geräuschquelle sein. Bei lärmmindernden Fahrbahnbelägen werden zwei unterschiedliche Ansätze verfolgt. Auf Autobahnen und Schnellstraßen werden sogenannte offenporige Asphaltbeläge verwendet. Diese absorbieren den Schall durch zahlreiche kleinste Öffnungen innerhalb der Fahrbahn. Dieser Effekt wirkt jedoch erst bei höheren Geschwindigkeiten. Daher wird dieser "Flüsterasphalt" nur außerhalb einer Ortschaft eingesetzt.

"Bei niedrigeren Geschwindigkeiten in Ortschaften werden dichte und ebene lärmmindernde Beläge eingebaut. Diese Asphaltbeläge verringern die Schwingungen der Reifen und damit den abgestrahlten Lärm. Bei guter Planung sind derartige Beläge nicht oder nur unwesentlich teurer als herkömmliche Beläge und werden daher zunehmend beim Austausch der Fahrbahnoberflächen eingesetzt" – so die Bewertung des Umweltbundesamtes.

Geschwindigkeitsbegrenzung

Eine Reduzierung der Geschwindigkeit reduziert grundsätzlich den Straßenverkehrslärm und kann gemäß der Straßenverkehrsordnung von den betroffenen Bürgern bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde beantragt werden.

Tempo-30-Zone

Eine Absenkung von 50 km/h auf 30 km/h bedeutet nach Angaben des Lärmexperten Matthias Hintzsche: "Die Lärmbelastung sinkt zwischen 2 und 3 Dezibel."

Der Lärm – er ist ein lange verkannter Umweltschadstoff. Mit der konsequenten bundesweiten Umsetzung der Lärmaktionspläne kann er verringert werden.

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