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"Nichts tun ist viel schlimmer als alles andere"

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Aktionstag zur Wiederbelebung - "Nichts tun ist viel schlimmer als alles andere"

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Heute ist "World Restart a Heart Day". Der Tag weist auf die Bedeutung von Wiederbelebungsmaßnahmen bei einem Herzstillstand hin. Denn Unwissenheit und Berührungsängste sind groß.

Übung der Herzmassage
Bei einem Notfall mit Herzstillstand sollte die Herzdruckmassage nicht unterbrochen werden, "auch nicht für einen Moment", so Stephan Achenbach.
Quelle: dpa

heute.de: Dieses Jahr findet zum zweiten Mal der "World Restart a Heart Day" statt. Warum ist dieser nötig?

Stephan Achenbach: Leider sind Unkenntnis und Unsicherheit darüber, was im Fall eines Herzstillstandes zu tun ist oder ob man etwas falsch machen kann, weit verbreitet. Deswegen wird nur in einem kleinen Teil der etwa 70.000 Fälle von plötzlichem Herzstillstand, die sich jährlich in Deutschland ereignen, angemessene Erste Hilfe geleistet, obwohl in der überwiegenden Zahl der Fälle andere Personen mit vor Ort sind. Die Überlebenswahrscheinlichkeit steigt aber durch sofort einsetzende Wiederbelebungsmaßnahmen ganz erheblich.

Die wesentlichen Erste-Hilfe-Maßnahmen sollte für den Ernstfall jeder kennen. Zur Auffrischung Ihrer Kenntnisse hier eine kurze Anleitung mit den wichtigsten Schritten.

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heute.de: Weshalb sind Unwissenheit und Berührungsängste der Bevölkerung in Bezug auf das Thema "Lebensrettende Maßnahmen" immer noch so hoch?

Worauf es ankommt, ist die Herzdruckmassage und nicht die Beatmung.

Achenbach: Vielleicht liegt es an der Angst, etwas falsch zu machen, oder daran, dass in der Vergangenheit zu komplizierte Abläufe betont wurden. Worauf es ankommt, ist die Herzdruckmassage und nicht die Beatmung. Auch über viele Minuten ist die alleinige Herzdruckmassage effektiv und sinnvoll. Die Beatmung bringt nichts. Auf die Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung, wie sie lange in den Erste-Hilfe-Kursen gelehrt wurde, wird in allen derzeitigen Empfehlungen völlig verzichtet.

heute.de: Wie kann man die Bevölkerung zu mehr Mut zur Reanimation animieren?

Achenbach: Die Abläufe müssen in das Bewusstsein der Allgemeinheit kommen. Bereits im Schulalter sollte das Thema "Reanimation" auf dem Stundenplan stehen und dann sollte es immer wieder Erinnerungen und Auffrischungen geben. Das beste Beispiel: Wir hatten vor einiger Zeit einen Lehrer, der erfolgreich von seinen Schülern reanimiert wurde.

heute.de: Was kann ein solcher Tag wie der "World Restart a Heart Day" dabei leisten?

Achenbach: Es geht eben genau um die Information, dass keine Beatmung mehr notwendig ist und dass die Reihenfolge eingeprägt wird. "Check - Call - Compress" heißt es auf Englisch oder "Prüfen - Rufen - Drücken" auf Deutsch. Ebenso geht es darum, dass die Notfallrufnummer 112 weiter bekannt gemacht wird. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung auch untereinander darüber redet. Denn jeder kann ein Leben retten. In unserer Klinik haben wir Patienten, die beim Radfahren im Wald, im Restaurant, in der Kirche und in vielen anderen Situationen einen Herzstillstand erlitten haben und von zufällig vorbeikommenden Passanten korrekt und erfolgreich reanimiert wurden.

heute.de: Auf was muss bei der Reanimation geachtet werden?

Achenbach: Zunächst ist es wichtig, bei einem bewusstlos aufgefundenen Menschen die Atmung zu überprüfen. Stellt man eine sichere, regelmäßige Atmung fest, liegt kein Herzstillstand vor. Befindet sich etwas im Mund, das die Atmung behindert, dann kräftig zupacken und das Hindernis entfernen. Kann man dann noch immer keine Atmung feststellen oder ist sie vollständig abnormal, zum Beispiel nur ein Schnappen oder Röcheln, muss man beim Bewusstlosen von einem Herzstillstand ausgehen. Dann sofort die 112 anrufen oder jemanden anweisen, dies zu tun.

heute.de: Was kann ich dann selbst tun?

Man kann fast nichts falsch machen.

Achenbach: Den leblos erscheinenden Menschen auf den Rücken drehen und mit der Herzdruckmassage am unteren Ende des Brustbeines oder, wenn man das nicht findet, einfach in der Mitte des Brustkorbs, beginnen. Fünf bis sechs Zentimeter tief drücken, 100 bis 120 Mal pro Minute. Man kann dabei im Kopf das Lied "Staying Alive" summen, das ist der richtige Rhythmus. Die Herzdruckmassage sollte nicht unterbrochen werden, auch nicht für einen Moment. Es ist wichtig, sie möglichst ununterbrochen aufrecht zu erhalten, bis professionelle Hilfe eintrifft.

Sind mehrere Helfer vor Ort, kann es zudem hilfreich sein, sich umzusehen, ob ein "AED" in der Nähe ist, also ein automatischer Defibrillator. Solche Geräte hängen an vielen öffentlichen Orten und können eventuell noch zusätzlich eingesetzt werden, bevor das Notfallteam eintrifft. Am wichtigsten aber ist: Man kann fast nichts falsch machen. Nichts tun ist viel schlimmer als alles andere. Im Zweifelsfall macht der Bewusstlose die Augen wieder auf und sagt: "Aua, aufhören."

Das Interview führte Michael Kniess.

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