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Der selbsternannte "Kalif" blieb ein Phantom

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IS-Anführer Al-Bagdadi - Der selbsternannte "Kalif" blieb ein Phantom

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Über den getöteten IS-Anführer Al-Bagdadi ist wenig bekannt. Selbst für seine Anhänger blieb er stets ein Phantom.

IS-Anführer al-Bagdadi ist in einem Video zu sehen. Archivbild.
Seltener Auftritt: IS-Anführer Al-Bagdadi 2014.
Quelle: -/AP/dpa

Das "Kalifat" des Islamischen Staates (IS) ist schon länger Geschichte - nun ist auch der Anführer der Dschihadistenmiliz tot: Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump wurde er bei einem US-Einsatz in Syrien getötet.

Über Abu Bakr al-Bagdadi ist wenig bekannt; selbst für seine Anhänger blieb der IS-Anführer stets ein Phantom. Und für tot erklärt wurde er schon häufiger. Auch deshalb waren die US-Behörden zunächst zurückhaltend mit der offiziellen Bestätigung.

Seit Jahren wurde über den Aufenthaltsort Al-Bagdadis gerätselt, auf dessen Kopf die USA eine Prämie von 25 Millionen Dollar (22,5 Millionen Euro) ausgesetzt haben. Äußerst selten wandte sich Al-Bagdadi in Audio- und Videobotschaften an seine Anhänger - der Aufnahmeort blieb geheim.

Ein öffentlicher Auftritt bekannt

Soweit bekannt, war der 48-Jährige nur einmal in der Öffentlichkeit aufgetreten: Anfang Juli 2014, als er von der Kanzel der Al-Nuri-Moschee im nordirakischen Mossul aus ein "Kalifat" in Syrien und dem Irak ausrief und den "Gehorsam" aller Muslime einforderte. Seitdem veröffentlichte seine Extremisten-Gruppe wiederholt Audiobotschaften, die von ihm stammen sollen. Auch nach dem Fall des IS-"Kalifats" im März dieses Jahres rief der selbsternannte "Kalif" Al-Bagdadi seine Anhänger zur Fortsetzung des dschihadistischen Kampfes auf.

Erst im September hatte Al-Bagdadi in einer Audiobotschaft an seine Anhänger zur Befreiung der gefangenen Kämpfer und ihrer Familien aufgerufen. "Tut euer Möglichstes, um eure Brüder und Schwestern zu retten und die Mauern einzureißen, die sie gefangen halten", sagte der untergetauchte Extremistenführer damals.

Ein einziges Mal - im vergangenen April - wandte sich Al-Bagdadi in einer Videobotschaft an seine Anhänger. Der sichtlich gealterte und an Diabetes leidende IS-Chef rief seine Anhänger in dem Video dazu auf, den Kampf trotz des Verlusts der IS-Gebiete in Syrien und im Irak fortzusetzen. Seine Anhänger schwor auf eine "lange Schlacht" ein.

Berufliche Träume, aber schlechte Noten

Geboren wurde Al-Bagdadi 1971 im zentralirakischen Samarra als Sohn einer armen Familie unter dem Namen Ibrahim Awad al-Badri. Als Junge begeisterte er sich für Fußball und träumte davon, Anwalt oder Soldat zu werden. Doch seine mangelhaften Noten und seine schlechten Augen verhinderten beides. So studierte er in Bagdad Theologie, bevor er nach der US-Invasion 2003 als Anführer einer Dschihadistengruppe in den Untergrund ging.

Laut der Dokumentarfilmerin Sofia Amara war Al-Bagdadi weniger "brillant" als "geduldig und arbeitsam". Doch habe er früh eine "klare Vorstellung" von der Organisation gehabt, die er schaffen wollte. Als er 2004 von der US-Armee im Gefängnis von Bucca inhaftiert wurde, knüpfte er wichtige Kontakte mit inhaftierten früheren Militär- und Geheimdienstleuten des gestürzten Baath-Regimes von Saddam Hussein.

Nach seiner Freilassung schloss er sich dem Al-Kaida-Führer Abu Mussab al-Sarkawi an. Als erst Al-Sarkawi und dann dessen Nachfolger getötet wurden, übernahm er unter dem Namen Abu Bakr al-Bagdadi selbst die Führung. Im Oktober 2011 stufte ihn die US-Regierung als "Terroristen" ein.

Gräueltaten und blutige Anschläge

Mit Hilfe früherer Saddam-Offiziere baute Al-Bagdadi seine Guerillagruppe zu einer schlagkräftigen Truppe aus und nannte sie "Islamischer Staat". Im Sommer 2014 überrannte sie die nordirakische Großstadt Mossul und stieß bis vor Bagdad vor.

Mit Gräueltaten und blutigen Anschlägen brachte er nicht nur die internationale Gemeinschaft, sondern auch viele Landsleute gegen sich auf. In den vergangenen Jahren folgte eine Niederlage auf die andere, im März verlor seine Miliz nach langem Kampf mit Baghus auch das letzte Dorf im Osten Syriens.

Doch zuletzt sind die Befürchtungen, dass der IS wiedererstarken könnte, gewachsen. Durch die türkische Militäroffensive in Nordsyrien und die Flucht der Kurden sollen zahlreiche IS-Kämpfer aus kurdischen Gefängnissen entkommen sein - nach Angaben der USA mehr als 100.

ZDFinfo hat 2017 eine Dokumentation über den "Kalif des Terrors" gesendet. Sehen Sie sie hier in der ZDF-Mediathek:

Mit einem Kopfgeld von 25 Millionen Dollar ist Abu Bakr Al-Bagdadi einer der meistgesuchten Männer der Welt. Aber wer ist der selbst ernannte Kalif des Terrors?

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42 min
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