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Klimawandel - Alarmstufe Rot für Meeresschildkröten

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Eine aktuelle Studie zeigt: Die Klimaerwärmung bedroht die Meeresschildkröten am Great Barrier Reef. Für Experten ist das nur der Beginn unvorhersehbarer Umwälzungen in der Natur.

Grüne Meeresschildkröten am Great Barrier Reef in Queensland, Australien
Grüne Meeresschildkröten am Great Barrier Reef in Queensland, Australien Quelle: Troy Mayne / WWF-Australia

Das Geschlecht einer Meeresschildkröte entwickelt sich erst im Ei und hängt davon ab, welche Temperatur im Nest herrscht. Wissenschaftler kennen diesen natürlichen Mechanismus, der so ähnlich auch bei Krokodilen, Eidechsen und einigen Fischarten vorkommt. Forscher haben jetzt festgestellt, dass im Norden des Great Barrier Reefs vor Australien aus etwa 99 Prozent der Schildkröteneier weibliche Tiere schlüpfen.

Klimawandel bewirkt "Verweiblichung"

Die Wissenschaftler der US-Meeresforschungsbehörde NOAA untersuchten eine große Population von 200.000 Tieren der Grünen Meeresschildkröte (Chelonia Mydas), die ihre Eier im nördlichen Teil des Great Barrier Reefs ablegen. Dort sind die Meeres- und Sandtemperaturen infolge des Klimawandels bereits messbar gestiegen. Für die Forscher besteht kein Zweifel, dass die Ursache der Verweiblichung in der globalen Erwärmung liegt.

Tim Packeiser, Meeresschutzexperte der Umweltorganisation WWF, gibt zu, angesichts der Zahlen "kurzzeitig sprachlos" gewesen zu sein. "Aufgrund des hohen Alters, mit dem die Tiere geschlechtsreif werden, wird es zwar erst mittelfristig zu einem drastischen Rückgang des Nachwuchses kommen. Die Chancen stehen angesichts dieser Erkenntnisse aber sehr schlecht für das Überleben dieser Population. Ich möchte damit nicht das Ende dieser Art ausrufen. Aber die Sorge schwingt mit."

Unvorhersehbare Folgen

Meeresschildkröten sind die ältesten Reptilien der Welt, sie existieren wahrscheinlich schon seit 225 Millionen Jahren. Schon immer hat die Temperatur im Gelege über das Geschlecht der Embryos entschieden: Bei 30 Grad Celsius und mehr schlüpfen Weibchen, darunter kommen männliche Tiere zur Welt. Auf veränderte Umweltbedingungen, die es im Laufe der Jahrmillionen immer wieder gegeben hat, können die Tiere reagieren, indem sie zum Beispiel früher oder an anderen Orten nisten. Wissenschaftler befürchten jedoch, dass die Geschwindigkeit des Klimawandels die Fähigkeit vieler Tiere zur Anpassung übertrifft.

Die Verweiblichung der Population ist aber nur ein Effekt der Klimaerwärmung. Der steigende Meeresspiegel und Sturmfluten können ganze Brutgebiete an Stränden vernichten. Die Schildkröten sind außerdem vom intakten Zustand des Great Barier Reef und seiner Seegrasgebiete abhängig. Es wird also auch darauf ankommen, wie sich dieser gesamte Lebensraum mit den erhöhten Temperaturen und der Versauerung des Meeres durch den CO2-Ausstoß verändert.

Beifang und Umweltverschmutzung

"Am Beispiel der Schildkröten sehen wir, wissenschaftlich bewiesen, die dramatischen Auswirkungen der globalen Erwärmung. Manche Ökosysteme könnten auf katastrophale Situationen zusteuern", betont Packeiser. Werner Eckau vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung sieht das ähnlich: "Je höher man in den verschiedenen Ökosystemen geht, umso komplexer werden die Zusammenhänge. Bei einem Temperaturanstieg von drei oder sogar vier Grad Celsius kann man kaum noch zuverlässige Szenarien entwickeln, zumal in der Biologie dann auch noch das Verhalten von Arten hinzukommt."      

Der Klimawandel ist aber nicht die einzige Bedrohung für die insgesamt sieben noch existierenden Meeresschildkröten-Arten. In manchen Regionen werden sie wegen ihres Fleisches oder ihrer Panzer noch immer gezielt bejagt, während sie anderswo ungewollt an den Haken der Langleinen-Fischerei oder in Netzen verenden. Schließlich stellt auch die zunehmende Verschmutzung der Gewässer eine Gefahr dar, denn manche Arten können im Meer treibenden Plastikmüll nicht von Nahrung wie etwa Quallen unterscheiden.

Beschattung von Niststränden

Um dem aktuellen Problem zu begegnen, sieht Tim Packeiser vor allem eine Möglichkeit: "Der erste Schritt wäre, die direkte Sonneneinstrahlung über den Niststränden wegzunehmen: Die Beschattung der entsprechenden Strandabschnitte, wo die Schildkröten Eier ablegen, ist eine pragmatische und finanzierbare Maßnahme, die wir verfolgen werden." Mit der Errichtung von Schattenzelten könne eine entscheidende Abkühlung erreicht werden. 

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