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Integrationsdebatte - Özdemir: "Mit Grindel wird es sehr schwer"

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Cem Özdemir (Grüne) hat Mesut Özil, aber auch die FIFA und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) heftig kritisiert. Dieser habe im Fall Özil "geirrlichtert".

Özil hat mit seinem Rücktritt aus der Nationalelf eine neue Rassismusdebatte ausgelöst. Wenn er gewinne sei er Deutscher, wenn er verliere Migrant, schrieb er auf Twitter.

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"Für mich war das Foto falsch und es ist nach wie vor falsch." Wenn Özil das nun mit Respekt vor der Türkei und Erdogans Amt begründe, so frage er sich, wo der Respekt vor den Opfern von Erdogans Politik bleibe, sagte Grünen-Politiker Cem Özdemir am Montag im Deutschlandfunk.

Allerdings könnte diese Kritik nicht bei Özil halt machen. Sie müsse auch für andere Vertreter des Fußballgeschäfts gelten und deren Umgang mit autoritären Herrschen, wie Russlands Präsident Wladimir Putin. Konkret müssten sich der DFB und noch mehr die FIFA, die mit solchen Herrschern Geschäfte machten, dieser Frage stellen. Wenn Özil sich beklage, dass in seinem Falle mit zweierlei Maß gemessen werde, "dann hat er recht", sagte Özdemir. Zudem habe der Fußball-Spieler ebenfalls mit Recht angeführt: "Wenn Du Erfolg hast, bist Du Deutscher, wenn Du verlierst, dann bist Du Migrant".

Mit dieser Feststellung spreche Özil vielen Migranten aus dem Herzen. Richtig sei aber auch, dass er mit seinem Erdogan-Foto seine Vorbildfunktion für viele junger Menschen nicht erfüllt habe. Die DFB-Spitze habe im Falle Özil von Anfang an "geirrlichtert" und ihre Fürsorgepflicht für den Nationalspieler verletzt, sagte Özdemir. An der DFB-Spitze dürfe es kein "weiter so" geben. Besonders kritisch sei dabei das Verhalten von Verbandschef Reinhard Grindel zu sehen. Özdemir forderte zwar nicht dessen Rücktritt, sagte aber: "Mit Grindel wird es sehr schwer".

Der Rücktritt von Fußball-Nationalspieler Mesut Özil hat in der Politik für unterschiedliche Reaktionen gesorgt. Die türkische Regierung reagiert mit großer Zustimmung auf Özils Entscheidung.

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Barley: Özil-Rücktritt "ein Alarmzeichen"

Bundesjustizministerin Katarina Barley sieht die Rassismus-Vorwürfe des zurückgetretenen Fußball-Nationalspielers Mesut Özil gegen den Deutschen Fußball-Bund als Signal für ein tieferliegendes gesellschaftliches Problem. "Es ist ein Alarmzeichen, wenn sich ein großer, deutscher Fußballer wie Mesut Özil in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt und vom DFB nicht repräsentiert fühlt", schrieb die SPD-Politikerin am Sonntagabend auf Twitter.

Mit beispiellosen Rassismus-Vorwürfen gegen Verbandschef Reinhard Grindel und andere DFB-Funktionäre hatte sich Özil zuvor aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zurückgezogen. In seiner mehrteiligen Stellungnahme vom Sonntag schrieb der gebürtige Gelsenkirchener mit türkischen Wurzeln unter anderem: "In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Immigrant, wenn wir verlieren." Özils Forderung: "Leute mit rassistisch diskriminierendem Hintergrund sollten nicht länger im größten Fußballverband der Welt arbeiten dürfen, der viele Spieler aus Familien verschiedener Herkunft hat."

Unionspolitiker fordern Bekenntnis zur freiheitlichen Ordnung

Nach Özils Entscheidung forderten Politiker der Union ein Bekenntnis zur freiheitlichen Ordnung. "Niemand muss oder soll Wurzeln verleugnen, freilich wünsche ich mir schon auch ein deutliches Bekenntnis für das neue Heimatland", sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) der "Bild"-Zeitung. Er wünsche sich "ein klares Bekenntnis zu unseren Werten", "gerade gegenüber jemandem" wie Recep Tayyip Erdogan, sagte er mit Blick auf das umstrittene Treffen Özils mit dem türkischen Staatschef.

NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU), die selbst türkische Wurzeln hat, sagte dem Blatt, Verbundenheit mit dem Heimatland der Eltern und Kritik an der Regierung würden sich nicht ausschließen. "Man kann ja auch bei uns kritisch gegenüber der Bundesregierung sein und Deutschland trotzdem lieben." Diesen Punkt scheine Özil aber "nicht verstanden zu haben". "Die Einladung eines Autokraten auszuschlagen wäre nicht respektlos gewesen. Es hätte Haltung gezeigt", sagte sie mit Blick auf das Treffen mit Erdogan. Özils Rechtfertigung zeige, "wie nötig eine echte Wertedebatte ist".

Ziemiak: Özil politisch naiv

Mesut Özil bricht sein Schweigen
Mesut Özil bricht sein Schweigen Quelle: ZDF

Paul Ziemiak (CDU), Vorsitzender der Jungen Union, warf Özil vor allem politische Naivität vor. "Niemand Vernünftiges will, dass Mesut Özil seine Herkunft verleugnet. Aber zu behaupten, dass ein Foto mit Erdogan - mitten im türkischen Wahlkampf - ohne politische Absichten entstanden sei, ist naiv", sagte er der "Bild".

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), sagte, es sei "gut, dass sich Özil endlich erklärt hat". "Bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln", müssten sich Spieler der Fußballnationalmannschaft aber "Kritik gefallen lassen, wenn Sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben". Diese berechtigte Kritik dürfe aber "nicht in eine pauschale Abwertung von Spielern mit Migrationshintergrund umschlagen".

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel dankte Özil auf Twitter für dessen Leistungen im Nationalteam und ergänzte: "Und weil es um mehr geht: An alle Bürgerinnen und Bürger mit unterschiedlichen Wurzeln: Wir gehören zusammen und wir akzeptieren Rassismus never ever."

Beifall aus der Türkei

Türkische Regierungspolitiker stärkten Özil den Rücken. So schrieb Sportminister Mehmet Kasapoglu am Sonntagabend auf Twitter: "Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen." Justizminister Abdulhamit Gül gratulierte dem gebürtigen Gelsenkirchener mit türkischen Wurzeln, weil dieser mit seinem Rücktritt das "schönste Tor gegen den faschistischen Virus geschossen" habe.

Der Sprecher des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, begrüßte Özils Aussage, dass er den türkischen Präsidenten jederzeit wieder treffen würde.

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