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Umstrittene Initiative bei Aldi - Bio-Ersatz für dünne Obsttüten - hilft's?

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Kürzlich ließ die Statistik aufhorchen, dass mehr dünne Plastikbeutel verwendet werden. Aldi will sie künftig durch Bioplastik ersetzen. Doch der Ersatz ist nicht frei von Kritik.

Der Discounter Aldi schafft die kostenlosen Obst- und Gemüsebeutel aus Plastik ab. Wer beim Einkauf nicht darauf verzichten will, muss künftig einen Cent pro Stück zahlen.

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Aldi will die kostenlosen dünnen Plastikbeutel für Obst und Gemüse ab Sommer durch Tüten aus nachwachsenden Rohstoffen ersetzen. Auch sollen sie einen "symbolischen Preis" von einem Cent kosten, sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd. Die Bepreisung der herkömmlichen Plastiktüte habe "Verbraucher sichtlich zum Umdenken bewegt" und dieses Prinzip solle nun auch bei den kleinen Knotenbeuteln verfolgt werden, teilte der Discounter mit.

Entsorgung über die gelbe Tonne

Der neue Obst- und Gemüsebeutel soll aus einem Rohstoff gefertigt werden, der etwa bei der Zuckerrohrproduktion anfällt. Dünne Beutel in dieser Variante gibt es zum Beispiel auch beim Einzelhändler Tegut. Entsorgt werden die Tüten wie üblicher Kunststoff über die gelbe Tonne, sie können recycelt werden.

Der Nabu weist daraufhin, dass Tüten, für die Zuckerrohr verwendet wird, nicht biologisch abbaubar sind. Mit dem Ethanol aus der Zuckerrohr-Produktion werde konventioneller Kunststoff wie PE (Polyethylen) und PET (Polyethylenterephthalat) hergestellt. Der neue Beutel spare immerhin Erdöl, betont dagegen Julia Adou, Leiterin der Abteilung "Soziale Verantwortung" bei Aldi Süd.

Bioplastik "ist leider bisher eher eine Gewissensberuhigung und ein Marketinginstrument", so das Fazit vom Nabu. Grundsätzlich rät die Umweltschutzorganisation, Plastiktüten schlicht zu vermeiden und die eigene Tasche oder einen Rucksack mitzunehmen. Ähnlich das Umweltbundesamt: Als umweltbewusster Verbraucher solle man auf Mehrwegbeutel setzen. Auch Aldi würde sich nach eigenen Angaben freuen, wenn die neuen Plastikbeutel mehrfach verwendet werden - und sei es nur als Müllbeutel.

Verbrauch zuletzt gestiegen

Jüngsten Zahlen des Bundesumweltministeriums zufolge wurden im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als drei Milliarden der sogenannten Knoten- oder Hemdchenbeutel verbraucht. Das entspricht im Schnitt 37 Stück pro Verbraucher. Das ist zwar etwas weniger als 2017, aber mehr als in den Jahren 2015 und 2016. Grund ist unter anderem, dass Kunden ihre Einkäufe in die kostenlosen Knotenbeutel packen, seitdem Kunststoff-Tragetaschen kostenpflichtig sind.

Aldi hofft nun, dass sich bei den Beuteln für Obst und Gemüse ein ähnlicher Erfolg einstellt wie bei den herkömmlichen Plastiktüten, deren Verbrauch in den vergangenen Jahren drastisch zurückging. "Die Zahlen bestätigen, dass die Bepreisung der Plastiktaschen Verbraucher sichtlich zum Umdenken bewegt hat", sagte Kristina Bell, zuständig für Qualitätssicherung und Unternehmensverantwortung bei Aldi. "Ein ähnliches Prinzip verfolgen wir mit dem symbolischen Cent für unsere Einwegtüten im Obst- und Gemüsebereich." Dies solle der Wertschätzung für den Bioplastik-Beutel dienen, erläutert Julia Adou.

FDP: Geld in Umweltschutzprojekte stecken

Dazu sagte die FDP-Umweltexpertin Judith Skudelny, wenn "wenige Cent reichen, damit sich die Menschen nachhaltiger verhalten", dann sei das ein guter Weg. Zugleich warnte sie vor dem "unbedachten Einsatz von Alternativen". Zuckerrohr komme derzeit vor allem aus Brasilien, Indien und China. "Steigern wir die Nachfrage nach Zuckerrohr, verändern wir die Landnutzung vor Ort und fördern indirekt Regenwaldabholzung und Artensterben." Außerdem dürfe Aldi nun nicht seine Gewinne erhöhen, sondern sollte diese in Umweltschutzprojekte stecken, forderte Skudelny.

Umweltministerin Svenja Schulze wertet Aldis Initiative als Bestätigung ihrer Politik. Sie habe den Handel aufgefordert, bis Herbst konkrete Konzepte für weniger Plastikverpackungen vorzulegen, sagte die SPD-Politikerin. "Um überflüssige Verpackungen zu vermeiden, experimentieren viele Supermärkte bereits mit Mehrwegnetzen, Laseretiketten oder Banderolen, und nun auch mit einer Abgabe. Da sieht man, dass mein Ansatz wirkt."

Umweltschützer: Effekthascherei

Die Deutsche Umwelthilfe sprach dagegen von "Symbolpolitik" und "Effekthascherei". Um den massenhaften Verbrauch der Tüten wirklich zu stoppen, müssten die Beutel "mindestens 22 Cent kosten", erklärte die Organisation.

Die Kette Real hatte bereits im Februar angekündigt, bis Ende 2020 die Plastikbeutel in den Obst- und Gemüseabteilungen abzuschaffen. Ersetzt werden sollen sie durch Papiertüten oder die Mehrwegnetze, die es bereits jetzt in den Märkten zu kaufen gibt. Auch Aldi will ab Herbst waschbare wiederverwendbare Mehrwegnetze anbieten.

Die Supermarktkette Rewe hatte kürzlich in seinen ostdeutschen Filialen zum "Plastikfasten" aufgerufen und die dünnen Beutel für einen Tag aus dem Sortiment genommen. Auf Anfrage verwies das Unternehmen am Dienstag ebenfalls auf die Mehrwegfrischenetze, die es seit Oktober in allen Rewe-Märkten und seit April dieses Jahres bei Penny gibt. Das Angebot werde von den Kunden "gut angenommen".

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