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Algerien - "Bouteflika hau ab": Zehntausende protestieren

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Trotz angekündigter Reformen von Langzeit-Präsident Bouteflika sind auch am Montag Tausende auf die Straße gegangen. Sie protestieren gegen die erneute Kandidatur des 82-Jährigen.

Wieder gehen Zehntausende auf die Straßen. Sie demonstrieren gegen eine fünfte Amtszeit des 82-jährigen Präsidenten Bouteflika.

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In Algerien ist kein Ende der Proteste gegen die neuerliche Kandidatur von Präsident Abdelaziz Bouteflika in Sicht. Das Zugeständnis des greisen Staatschefs, er werde im Fall seiner Wiederwahl sein Mandat vorzeitig aufgeben und Neuwahlen ansetzen, besänftigte seine Kritiker am Montag nicht.

Schon am späten Sonntagabend gingen in der Hauptstadt Algier hunderte Studierende auf die Straße und forderten den Rückzug des 82-jährigen Präsidenten. In der Nähe des Universitätsgeländes riefen sie auch noch nach Einbruch der Dunkelheit Parolen wie "Bouteflika hau ab!"

Wasserwerfer eingesetzt

Polizisten in einer Straße in Algiers, Algerien
Die Polizei versucht, gegen die Demonstranten vorzugehen.
Quelle: reuters

Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um die Demonstranten vom Sitz des Verfassungsrats fernzuhalten. Dort hatten Bewerber bis Mitternacht (Ortszeit) ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl am 18. April einreichen können. Kundgebungen gegen den Staatschef wurden auch aus zahlreichen anderen Städten wie Annaba, Oran und Constantine gemeldet.

Der gebrechliche Bouteflika hatte seine Kandidatur für eine fünfte Amtszeit am Sonntag beim Verfassungsrat einreichen lassen. Am Montag brodelte es unter den Bouteflika-Gegnern. Viele stellten sich auf weitere Proteste am kommenden Freitag ein, dem Tag der Gebete in den Moscheen.

"Beleidigung des Volkes"

Der 69-jährige Rentner Mohammed empört sich in Algiers Arbeiterviertel Bab el-Oued über Bouteflikas Kandidatur. Diese sei eine "Beleidigung des Volkes". "Man will uns vorgaukeln, dass er der Messias ist, ein Prophet, der als einziger das Land retten kann." Aus Protest dagegen werde er am Freitag "erstmals" demonstrieren.

Der 22-jährige Arbeitslose Karim nimmt kein Blatt vor den Mund: "Bouteflika will uns verarschen. Wir haben gesagt 'Nein ist nein!' 'Wir' - das ist das Volk, das sind 42 Millionen Menschen. Es ist nicht eine Handvoll (Anführer), die uns ihr Gesetz aufzwingt."

Seit fast 20 Jahren an der Macht

Bouteflika regiert das nordafrikanische Land seit fast 20 Jahren autoritär. Derzeit befindet er sich in einer Genfer Klinik. Am Sonntag verlas das Staatsfernsehen einen Brief des Präsidenten. Wenn er bei der Wahl im Amt bestätigt werde, solle eine "nationale Konferenz" einen Termin für eine vorgezogene Wahl festsetzen, bei der er nicht mehr antreten werde, hieß es. Zeiträume wurden nicht genannt.

Weiter hieß es in dem Brief: "Ich habe zugehört und die Rufe aus den Herzen der Demonstranten vernommen und insbesondere der tausenden jungen Menschen, die an mich wegen der Zukunft unserer Heimat appelliert haben."

Schlaganfall vor sechs Jahren

Bouteflika hat sich seit einem Schlaganfall vor sechs Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und sitzt im Rollstuhl. Kritiker halten den gebrechlichen Staatschef daher für eine Marionette seines Umfeldes. Neben Bouteflika ließ sich unter anderen der pensionierte General Ali Ghediri für die Präsidentenwahl registrieren.

Der bei vielen jungen Menschen beliebte Geschäftsmann Rachid Nekkaz kündigte ebenfalls seine Kandidatur an. Allerdings präsentierte sich beim Verfassungsrat vor den Kameras und Fotografen nicht er, sondern sein gleichnamiger Cousin, ein Mechaniker. Damit landete Nekkaz, der auf Facebook mehr als 1,5 Millionen Follower hat, einen veritablen Mediencoup. Auf seiner Facebookseite hieß es am Sonntagabend, er sei von der Polizei entführt worden.

"Sofort Staatschef werden"

Am Montagmorgen erklärte er dann in dem sozialen Medium, nach der Weigerung des Verfassungsrats, seine Kandidatur anzunehmen, habe ihn sein Vetter ersetzt. Im Fall von dessen Wahl werde sofort der Posten eines Vizepräsidenten geschaffen. Diesen werde er einnehmen und nach dem Rücktritt seines Cousins sofort Staatschef werden.

Die Hälfte der algerischen Bevölkerung ist jünger als 30 Jahre. In dem Maghreb-Staat gibt es trotz des Ölreichtums große soziale Probleme: Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Korruption grassiert. Zwar kündigte Bouteflika Reformen an, als der Arabische Frühling 2011 die Region erschütterte. Menschenrechtsgruppen kritisieren aber weiterhin eine Unterdrückung von Opposition und Medien.

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