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Die Bayern haben gewählt - Was Sie über diese Wahl wissen müssen

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Bayern hat gewählt - und wie: Die Grünen werden zweitstärkste Kraft, CSU und SPD vereinen so wenige Wähler wie nie zuvor. Aktuelle Zahlen und Stimmen - der Überblick zur Wahl.

Wahl in Bayern 2018: Vorläufiges amtliches Ergebnis
Wahl in Bayern 2018: Vorläufiges amtliches Endergebnis

Die Ergebnisse im Überblick

  • Die CSU ist der große Wahlverlierer. Sie kommt nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis auf 37,2 Prozent - ihr zweitschlechtestes Ergebnis überhaupt
  • Die SPD ist der zweite große Verlierer dieser Landtagswahl: 9,7 Prozent, ein einstelliges Ergebnis in Bayern - auch das historisch
  • Die Wahlgewinner sind vor allem die Grünen, sie kommen auf 17,5 Prozent
  • Kräftig zugelegt hat auch die AfD - sie kommt auf 10,2 Prozent
  • Grund zur Freude haben auch die Freien Wähler. Sie kommen auf 11,6 Prozent
  • Die FDP erhält 5,1 Prozent
  • Keine Chance auf den Einzug in den Landtag hat die Linke - sie liegt nur bei 3,2 Prozent
  • Die Wahlbeteiligung lag bei 72,4 Prozent - 2013 lag sie noch bei 63,6 Prozent.
Wahlen in Bayern seit 1946
Einmal war die CSU bei einer Landtagswahl in Bayern schlechter - vor 68 Jahren.

Welche Koalitionen jetzt denkbar sind

Klar ist: Die CSU wird nicht länger alleine regieren können. Sie braucht einen Partner. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis könnten das rein rechnerisch die Grünen, die AfD, die Freien Wähler und die SPD sein. Inhaltlich scheint ein Bündnis mit den Grünen schwierig, mit der AfD ausgeschlossen. Die größte Übereinstimmung gibt es inhaltlich mit den Freien Wählern - die auch koalieren möchten. "Wir sind wohl dabei und es wird für eine bürgerliche Mehrheit reichen. Das war mein Ziel", sagt Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger.

Einen Tag nach dem Verlust der absoluten Mehrheit der CSU in Bayern haben Ministerpräsident Markus Söder und Parteichef Horst Seehofer die Freien Wähler als ihren klaren Favoriten für eine Koalition bezeichnet. Söder sagte am Montag in München vor Journalisten, ein Bündnis mit den Freien Wählern sei die "naheliegendste Variante". Mit den Freien Wählern könne er eine seriöse und stabile Regierung bilden.
Seehofer sprach von einer einhelligen Präferenz in der CSU für ein bürgerliches Bündnis mit den Freien Wählern. Beide betonten aber auch, dass mit Ausnahme der AfD auch mit den anderen Parteien Sondierungsgespräche geführt werden sollten.

Hubert Aiwanger sieht seine Partei auf Regierungskurs, stellt aber inhaltliche Forderungen. Im Deutschlandfunk verlangte er einen Verzicht auf geplante große Stromtrassen von Norddeutschland nach Bayern und Korrekturen an der Energiepolitik. Auch sei es den Freien Wählern wichtig, "den ländlichen Raum zu stärken" sowie "Krankenhäuser und Geburtskliniken zu sichern". Auch auf bundespolitischer Ebene wollten die Freien Wähler Einfluss nehmen, kündigte Aiwanger an. So sei es sein Ziel, "die Doppelverbeitragung von Betriebsrenten" zu beenden. In der Migrationspolitik ging Aiwanger erneut auf Distanz zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Im Bayerischen Rundfunk äußerte Aiwanger zudem die Erwartung, dass die Freien Wähler in einer neuen Landesregierung drei Ministerposten bekommen werden.

Wahl in Bayern 2018: Sitzverteilung
Die Sitzverteilung nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis.

Wie die Parteien am Tag danach reagieren

Bundesaußenminister Heiko Maas sieht nicht die SPD, sondern die CSU als Hauptverliererin der Bayern-Wahl. „Ich finde, dass in erster Linie die CSU eine Konsequenz daraus ziehen muss - weil sie feststellen konnte, dass ihre Strategie der Konfrontation und der Übernahme von AfD-Positionen ein einziger Rohrkrepierer gewesen ist - mit Auswirkungen in Bayern, aber auch in Berlin“, sagte der SPD-Politiker am Montag am Rande eines EU-Treffens in Luxemburg. Maas räumte zugleich ein, dass die Ursachen für die herben Verluste von CSU und SPD in Bayern zum Teil auch in der Bundespolitik zu suchen sind.

CSU-Chef Horst Seehofer sieht die Regierungszusammenarbeit mit CDU und SPD in Berlin nach der Bayern-Wahl nicht gefährdet. "Die große Koalition ist stabil", versicherte Seehofer am Montag in München. Dazu werde die CSU ihren Beitrag leisten: "Wir werden aktiv und konstruktiv in der Bundesregierung mitarbeiten." Seehofer wird sich heute Abend in "Was nun, Herr Seehofer" im ZDF äußern.

Die Spitze der CSU-Landesgruppe im Bundestag hat nach dem Wahldebakel ihrer Partei bei der Bayern-Wahl vor "personellen Schnellschüssen" gewarnt. Die Frage nach der politischen Zukunft von CSU-Chef Horst Seehofer "werden wir in aller Ruhe klären müssen", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Stefan Müller der Tageszeitung "Welt" am Montag. Müller fügte hinzu, jetzt stehe erst einmal die Regierungsbildung in Bayern im Vordergrund, dafür sei vier Wochen Zeit. "Die Analyse können wir danach noch fortführen", sagte er weiter.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt sagt im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF auf die Frage, ob die große Koalition in Bund halten werde: "Ich habe den Eindruck, beide Partner sind schwach und jetzt nochmal geschwächt. Dann hält man sich eher aneinander fest." Sie wolle, dass man sich dort besinne "und eine anständige Regierungspolitik" machen.

Die Freien Wähler sind in Bayern klar auf Regierungskurs. "Wir wollen in Bayern mitregieren", sagte Parteichef Hubert Aiwanger am Montag im Deutschlandfunk. Ihm sei es wichtig, nun "möglichst schnell eine stabile Regierung hinzubekommen". Dabei wollten die Freien Wähler auch nicht "die Latte hochlegen und uns wie eine Prinzessin gerieren".

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil fordert Änderungen in der Zusammenarbeit von Union und SPD im Bund: "Es wird um einen neuen Regierungsstil in der großen Koalition geben", sagt er im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Die SPD müsse sich zudem inhaltlich mehr um die Zukunft der Arbeitswelt im Zusammenhang mit der Digitalisierung kümmern. Das sei der Markenkern der SPD.

FDP-Chef Christian Lindner wertet den Einzug der FDP ins bayerische Parlament als "Erfolg und Stärkung" auch für die Bundespartei. Ihm wäre ein Bündnis von CSU und Freien Wählern mit der FDP als Korrektiv lieb gewesen. Spitzenkandidat Martin Hagen sagt, die FDP nehme den Oppositionsauftrag in Bayern an.

Grünen-Chef Robert Habeck sagt in der ARD, er erwarte jetzt "faktisch nicht" ein Auseinanderbrechen der großen Koalition im Bund. Ausschließen könne er dies aber nicht. Auf die Frage, ob die Grünen in einem solchen Fall erneut als Gesprächspartner im Bund für eine Koalition zur Verfügung stünden, sagt er: "Ehrlicherweise glaube ich, würde das nicht funktionieren." Wahrscheinlicher seien in einem solchen Fall Neuwahlen.

Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen wertet das Ergebnis seiner Partei bei der Landtagswahl in Bayern als Erfolg. «Wir betrachten das als einen Sieg», sagte er am Montag in Berlin. Dass die AfD nicht besser abgeschnitten hat, erklärte Meuthen mit der «harten bürgerlichen Konkurrenz» durch die Freien Wähler, deren Wahlprogramm dem der AfD ähnlich sei. «Das hat einen noch größeren Erfolg verhindert.»

Der Ministerpräsident von Nordhrein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), wertet den Wahlausgang als Signal gegen einen Kurs der Union nach rechts. "Das Gerede vom Rechtsruck muss jetzt aufhören", fordert er. Die Union könne nur in der Mitte gewinnen. Laschet sprach sich gegen Personaldiskussionen um Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel aus und forderte am Montag vor Sitzungen der CDU-Führungsgremien in Berlin volle Konzentration auf die Landtagswahl in Hessen in zwei Wochen.

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) fordert als Konsequenz aus dem Wahlausgang eine schnelle Rückkehr zur Sacharbeit. "Da haben wir und einiges vorgenommen. Die Lehre ist, dass wir ganz schnell liefern müssen."

EU-Kommissar Günther Oettinger hofft, dass die große Koalition stabil bleibt. Das sei aus europäischer Sicht wichtig, sagt der CDU-Politiker. Das "Klein-Klein" in der Koalition müsse aber aufhören.

Warum die Bayern so gewählt haben

Dieser Frage ist die Forschungsgruppe Wahlen für uns nachgegangen. Den ausführlichen Bericht finden Sie hier - die Kernthesen zusammengefasst hier:

  • Die Gründe für den CSU-Absturz sind demnach primär hausgemacht. Die CSU hat ungewohnte Defizite bei Regierungsbilanz, Parteiansehen und Sachkompetenzen - und in Markus Söder nicht nur einen schwach bewerteten Ministerpräsidenten, sondern in Horst Seehofer auch einen massiv kritisierten Parteichef
  • Und die Gründe für den Höhenflug der Grünen? Für 55 Prozent aller Befragten stehen die Grünen "in Bayern für eine modern-bürgerliche Politik" - und bei den wichtigen Themen Flüchtlinge und Asyl, Umwelt, Familie, Soziale Gerechtigkeit und Zukunft werden sie mittlerweile als kompetent eingestuft.
  • In den Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern holten die Grünen 28 Prozent der Stimmen - mehr als CSU (27 Prozent) und SPD (13 Prozent), die gerade im Vergleich zur letzten Landtagswahl etliche Wähler in den Städten verloren (CSU minus 11 Prozentpunkte, SPD minus 17 Prozentpunkte).
  • In Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern bleibt die CSU mit 43 Prozent (minus neun Prozentpunkte) konkurrenzlos.
  • Bei den Wählern ab 60 Jahren bleibt die CSU mit 45 Prozent deutlich stärkste Kraft. Bei allen unter 60 Jahren kommt die CSU nur noch auf 31 Prozent, die Grünen schaffen 22 Prozent.
  • Welche Partei wo wie stark abgeschnitten hat, zeigt auch unsere Karte mit den Ergebnissen nach Stimmkreisen.
Grafik: Aussagen zu Parteien in Bayern aus der Blitzanalyse der Forschungsgruppe Wahlen zur Landtagswahl 2018 in Bayern
Aussagen zu Parteien in Bayern.
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Welche Folgen diese Landtagswahl hat

Bayern und die CSU - das gehörte bislang untrennbar zusammen. Regelmäßig sicherten sich die Christsozialen bei Landtagswahlen die absolute Mehrheit, fast immer stellten sie den Ministerpräsidenten. Ergebnisse unter 40 Prozent schienen lange undenkbar. "Ihren ganzen Habitus, ihre Grundüberzeugung und oft auch ihre Sturheit" bezog die CSU stets "aus dem bayerischen Lebensgefühl und ihrem dortigen Erfolg", schreibt ZDF-Korrespondent Matthis Feldhoff schon vor der Wahl. Diese Haltung wird nun in ihren Grundfesten erschüttert.

Auch personell könnte die Landtagswahl Folgen haben. Auf der Suche nach einem Schuldigen könnte unter anderem Innenminister Horst Seehofer (CSU) in die Schusslinie geraten. Parteienforscher Karl-Rudolf Korte glaubt aber nicht, dass Seehofer "als professioneller Rebell" das mitmachen würde. "Er lässt es darauf ankommen, so leicht lässt er sich nicht aus dem Amt drängen", sagt Korte. Konsequenzen könnte die Wahl dagegen für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben. Sie trage eine Mitverantwortung für das Ergebnis. "Der Merkel-Malus zieht die Partei mit nach unten", sagt Korte. Die Frage, ob sie noch einmal für den Parteivorsitz kandidiere, könne sie "wahrscheinlich nicht mehr selbstbestimmt führen".

Ebenfalls interessant sei die Rolle der SPD nach dem dramatisch schlechten Abschneiden. "Die Widersacher der Großen Koalition sind für sich gestärkt innerhalb der SPD", sagt Korte. "Die Eigendynamik aus diesem Ergebnis könnte eine historische Zäsur für die SPD einleiten" und einen "Kipp-Punkt" bedeuten: "Ist es nicht in der Opposition am Ende einfacher, noch einmal Farbe zu zeigen"?

Die Widersacher in der SPD gegen die Große Koalition erhalten nach der Bayernwahl Auftrieb, meint Parteienforscher Karl-Rudolf Korte. Die Bundeskanzlerin trage eine Mitverantwortung für den Absturz der Union.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

Was ZDF-Chefredakteur Peter Frey kommentiert

"Die bayerischen Wähler haben die CSU entthront. Die Partei braucht eine ganz neue personelle Aufstellung", kommentiert ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Dabei sei die Niederlage selbstgemacht. "Die CSU hat die Vielfalt des modernen Bayern nicht mehr wahrgenommen und mit ihrem aggressiven Politik-Stil Angst statt Zuversicht verbreitet. Das hat viele Wähler verschreckt, gerade die, denen das C im Namen etwas bedeutet." Den ganzen Kommentar können Sie hier nachlesen

Reaktionen vom Wahlabend im Video:

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