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"Junge Armee" in Russland - Putins Nachwuchssoldaten

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Sie lernen etwa marschieren und schießen: In Russlands Jugendorganisation "Junge Armee" sollen 190.000 Kinder zu Patrioten heranwachsen. In Moskau trafen sich jetzt ihre Besten.

Paramilitärischen Jugendorganisation „Junge Armee“, aufgenommen am 16.11.2016 in Russland
Treffen der paramilitärischen Jugendorganisation "Junge Armee" am 16. November 2016 in Russland
Quelle: Sputnik / picture alliance / dpa

Anna Nesowa ist 15 Jahre jung und geht in Lesnoj zur Schule, einer Kleinstadt im Gebiet Swerdlowsk. Dieser Tage wurde das Mädchen landesweit berühmt, weil sie Russlands Rekordhalterin im blitzschnellen Zusammenbauen des Kalaschnikow-Sturmgewehrs geworden ist. Nicht einmal 22 Sekunden brauchte sie, um diese weltweit bekannte Schusswaffe zusammenzusetzen und damit ins Buch der russischen Rekorde zu kommen.

Die Blondine mit keckem Zopf entdeckte dieses ungewöhnliche Hobby für sich vor einem Jahr, als sie Mitglied des militärpatriotischen Klubs "Greif" wurde. Vater Iwan, der selbst im Tschetschenien-Krieg war, ist stolz auf Anna, zumal sie sich nun mit einer nützlichen Sache beschäftige.

58 Prozent der Russen für Wehrpflicht

Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hört so etwas gern, denn solche Mädchen und Jungen sind gerade die Zielgruppe, für die er im Sommer 2016 die sogenannte "Junge Armee" aus der Taufe heben ließ. Diese Jugendorganisation firmiert als eine militär-patriotische Vereinigung, die Schüler im Alter von elf bis 18 Jahren zu jungen Panzerfahrern, Fallschirmjägern, Piloten und dergleichen erziehen will. Dort lernen sie zu schießen und zu marschieren, aber auch über Umweltschutz und Regionalgeschichte.

Eine richtige Kaderschmiede für Russlands Armee also, die ohnehin immer mehr an Popularität gewinnt. Laut Umfrageergebnissen des Levada-Zentrums begrüßen 58 Prozent der Russen die Wehrpflicht, zumal die leidigen Probleme der Vergangenheit, wie etwa die schlechte Ausrüstung der Soldaten und die alte Technik, nach dem Zusammenbruch der UdSSR größtenteils überwunden wurden.

In allen Landesregionen organisierte Stäbe der "Jungen Armee"

In diesen Tagen zeigt die "Junge Armee", was sie in knapp zwei Jahren Bestehen auf die Beine gestellt hat. Vor den Toren der russischen Hauptstadt, im militärpatriotischen Kultur- und Freizeitpark "Patriot" des Verteidigungsministeriums, wird Bilanz gezogen. Beim 1. Allrussischen patriotischen Jugendforum "Ich bin die Junge Armee!". Dort stellen die Kinder etwa selbstgebastelte Modelle von Kriegsschiffen und Robotertechnik vor, bauen Drohnen und treffen ehemalige Agenten.

Dank massiver staatlicher Finanzzuschüsse und des Engagements nicht nur der Militärs, sondern auch der Staatsorgane, gibt es inzwischen in allen 85 Landesregionen straff organisierte Stäbe der "Jungen Armee". Über 190.000 Jungen und Mädchen sind bereits Mitglieder dieser Bewegung, von denen es etwa mehr als 8.000 zum Forum geschafft haben. Sie sind sozusagen die besten jungen Patrioten Russlands. Nachgewiesen haben sie es sowohl mit Auszeichnungen und Urkunden für Errungenschaften auf einem der Tätigkeitsgebiete der Organisation als auch mit Essays, die in den sozialen Medien gepostet wurden. Die Themen, zu denen geschrieben werden sollte, sprechen Bände: "Wie kann man Wahrheit von Lüge unterscheiden?", "Die Rolle der sozialen Netzwerke in Informationskriegen" und "Womit beginnt die Heimat?"

"Junge Armee" als Ablenkung von Opposition?

Kritiker wie der Philosoph und Publizist Maxim Gorjunow weisen darauf hin, dass Russlands Regierende schlicht und einfach die patriotischen Organisationen aus der Sowjetzeit kopieren würden. Auch sei die Argumentation nicht überzeugend, dass die meisten Kinder und Jugendlichen nicht in der Lage seien, in ihrem Leben eigenständig Orientierung zu finden. Vielmehr stehe wohl die Absicht hinter solch einer Bewegung, die jungen Russen von Protestaktionen abzulenken, die gerade durch den bekannten Oppositionspolitiker Alexej Nawalnij initiiert wurden. Sie haben den Kreml unangenehm überrascht und gezwungen, schnellstens nach neuen Themen zu suchen, mit denen man die Jugend für sich gewinnen kann.

Russlands "Junge Armee" ist freilich nicht die einzige Institution, die Jungen und Mädchen im Schulalter für das Militär begeistern soll. Dutzende sogenannte Kadettenschulen leisten gleichfalls einen Beitrag dazu. Allein in Moskau werden in solchen Bildungsstätten rund 15.000 Moskauer unterrichtet. Neben ihren allgemeinen Schulprogrammen tragen sie dort täglich Uniform und trainieren das kleine ABC des Militärdienstes wie Exerzieren, Schießübungen und Märsche. Verteidigungsminister Schoigu, wie auch andere Spitzenvertreter des Staates, wollen sich jedoch mit den erreichten Ergebnissen nicht zufrieden geben.

Die patriotische Erziehung der Jugend sei und bleibe eine Priorität angesichts der Zunahme des internationalen Drucks auf Russland, wie Nikolaj Patruschew, Sekretär des russischen Sicherheitsrates, zu Wochenbeginn in Rostow am Don betonte. "Patriotismus liegt im Charakter unseres Volkes", erklärte Präsident Putin. "Und wir wissen, auf was für eine heroische Höhe er die Menschen bringt, wenn die Heimat in Gefahr ist."

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