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Alternative Medizin - Waldtherapie - gesund durch Natur?

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Deutschland ist ein Waldland. Die meisten verbinden damit Abenteuer oder Wirtschaftsfaktor. Doch immer häufiger wird im Wald auch Heilung gesucht.

Archiov: Blätter- und Nadelbäume am 18.05.2017 in einem Wald am Trepliner See
Blätter- und Nadelbäume in einem Wald am Trepliner See
Quelle: dpa

Immer schon bedeutete Wald für die Menschen auch etwas Geheimnisvolles. Waren es in früheren Zeiten die Waldgeister oder Räuber, die sich im grünen Dickicht verbargen, so sind es heute ganz andere Geheimnisse, die der Wald in sich birgt. Etwa seine therapeutischen Wirkungen und Fähigkeiten, denen die "Waldmedizin" auf den Grund gehen will.

Fernöstliche Tradition

Shinrin-yoku ist japanisch und steht für die fernöstliche Tradition des Waldbadens - das Eintauchen in den Wald mit all seinen Gerüchen, der klaren Luft und den verschiedenen Lichtstimmungen. In der asiatischen Kultur, nicht zuletzt in der Medizin, spielt Nähe zur Natur schon immer eine große Rolle. Und so pflegen Japaner traditionell ein enges Verhältnis zu Wald oder Bäumen. Die Bonsai-Kultur mit Mini-Bäumen für Wohnungen ist ein Ausdruck dessen.

Folglich förderte Anfang der 1980er-Jahre das japanische Landwirtschaftsministerium ein millionenschweres Forschungsprogramm, um die medizinische Wirkung des Waldbadens nachzuweisen. Vor 13 Jahren eröffnete das erste Zentrum für "Waldtherapie"“. Und seit 2012 bieten japanische Universitäten sogar eine fachärztliche Spezialisierung im Bereich "Waldmedizin".

Gesund durch Waldbaden

Führend auf dem Gebiet ist der Umweltimmunologe Prof. Dr. Qing Li von der Nippon Medical School in Tokyo. Er ist überzeugt, dass drei Tage und zwei Nächte im Wald die natürlichen Killerzellen so sehr stimulieren würden, dass der Effekt bis zu einem Monat anhalte. Seine Schlussfolgerung: "Meine Untersuchungsergebnisse belegen, dass Menschen, die in der Nähe eines Waldes leben, einem deutlich geringeren Krebsrisiko ausgesetzt sind."

Er setzt dabei unter anderem auf die Wirkung ätherischer Öle und Duftstoffe, die durch Bäume freigesetzt werden und die die Anzahl der Killerzellen im Immunsystem erhöhen sollen. Prof. Quing Li stützt sich dabei auf Studien aus Japan und Korea. Demnach habe schon ein kurzer Waldspaziergang einen positiven Einfluss auf unsere Gesundheit. Blutdruck, Puls und das Stresshormon Kortisol im Körper würden sinken. Und das schon "nach einer Stunde im Wald“, sagt Dr. Quing Li.

Waldbaden in Deutschland angekommen

Auch in Deutschland ist der Trend "Waldbaden" inzwischen angekommen. Das Ostseebad Heringsdorf auf Usedom rühmt sich, den nach eigenen Angaben "ersten europäischen Kur- und Heilwald" zu haben. Das 180 Hektar große Areal soll Vorbild sein für ähnliche Projekte, unter anderem in Bad Doberan. Zudem bieten Waldbademeister ihre Dienste an und bilden als Multiplikatoren neue Kursleiter aus. 

Bereits etabliert ist die Nutzung von Natur bei seelischen Leiden wie Depressionen. So nutzen etwa Therapeuten in Österreich die Kräfte der Natur für ihre Behandlungen. Dr. Thomas Legel, der einen "Therapiesalon im Wald" im niederösterreichischen Reichenau führt, ist sich sicher: "Wir haben auf jeden Fall in der Therapie, die wir in dieser Form jetzt 15 Jahre führen, erkannt, dass das wirklich ein ganz wesentliches Element ist. Und wir sind täglich im Wald. Wir sind täglich in der Natur."  Der Wald soll heilen helfen bei psychosomatischen Leiden, Burnout, Angst-und Paniksyndromen, bei Suchtproblemen und Lebenskrisen.

Waldtherapie bald auf Rezept?

Weitere Untersuchungen müssen nun zeigen, inwieweit unser heimischer Wald für medizinische Zwecke nutzbar ist. Bislang sind etwa der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin "dazu keine qualitativ hochwertigen wissenschaftlichen Untersuchungen bekannt." Und auch für den renommierten Geruchsforscher Prof. Dr. Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum gibt es "aus wissenschaftlicher Sicht für eine pharmakologische Wirkung der Duftstoffe im Wald keine Evidenzen."

Auch wenn japanische und koreanische Studien die medizinische Nutzbarkeit des Waldes belegen, so muss doch festgehalten werden, dass sich unser Wald aus Eichen, Buchen, Birken und Fichten ganz erheblich von den asiatischen Waldgesellschaften aus Pinien, Zedern und Lerchen unterscheidet. Ob und wann der deutsche Wald zum Behandlungszimmer wird und es Waldbaden auf Rezept gibt, bleibt also abzuwarten. Immerhin - mit etwa 32 Prozent Waldfläche ist Deutschland das baumreichste Land der Europäischen Union. Rein rechnerisch stehen jedem Deutschen rund 1.300 Quadratmeter Wald zur Verfügung. Platz genug also für ein ausgedehntes Waldbad.

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