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Ärzte gegen Alterstest - "Untersuchung verhindert nicht solche Taten"

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Verbindliche Alterstests bei jungen Flüchtlingen? Davon halten Ärzte wenig. Auch mittels Röntgen sei ein Alter nicht konkret zu bestimmen, sagte Jugendarzt Nowotny im ZDF.

"Die Rechtsmediziner und Radiologen, die diese Untersuchungen durchführen, messen das Knochenalter und das kann vom tatsächlichen Alter um mehr als zwei Jahre abweichen" , sagt Kinder- und Jugendarzt Thomas Nowotny.

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Ärzte und Ärztevertreter weisen politische Forderungen nach verbindlichen medizinischen Alterstests bei jungen Flüchtlingen zurück. Der Jugendarzt Thomas Nowotny aus dem oberbayerischen Stephanskirchen verwies am Dienstag im ZDF morgenmagazin auf die Ungenauigkeit der medizinischen Verfahren zu Altersschätzung.

Mehrere Unionspolitiker hatten gefordert, das Alter von Flüchtlingen etwa durch ein Röntgenbild des Handgelenks zu überprüfen. Anlass ist der tödliche Messerangriff auf eine 15-Jährige im rheinland-pfälzischen Kandel. Tatverdächtig ist ein afghanischer Asylbewerber, an dessen Altersangabe von 15 Jahren Zweifel bestehen.

Nowotny: "Alter lässt sich nur grob schätzen"

Der Jugendmediziner Nowotny, der nach eigenen Worten regelmäßig junge Asylbewerber ärztlich betreut, sagte im ZDF, auch mittels Röntgen sei ein Alter nicht konkret zu bestimmen. "Ich bin mit vielen Kollegen gemeinsam der Meinung, dass man das Alter nicht feststellen kann. Man kann es nur grob schätzen." Gerade in dem betreffenden Alterszeitraum, 16 bis 20 Jahre, gebe es eine große Abweichung. Das sogenannte Knochenalter könne vom tatsächlichen Alter eines Menschen mehr als zwei Jahre abweichen, so Nowotny.

Mit Blick auf die Tat in Kandel sagte Nowotny weiter: "Ich fürchte, dass man durch solche Untersuchungen solche schreckliche Taten nicht verhindern kann." Auch wenn man bei der Ankunft des Afghanen im April 2016 in Deutschland geschätzt hätte, dass er 17 Jahre alt ist, "hätte das jetzt nichts geändert", sagte er.

Montgomery: "Eingriff in das Menschenwohl"

Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, hat sich gegen umfassende Alterstests bei Asylbewerbern ausgesprochen. "Wenn man das bei jedem Flüchtling täte, wäre das ein Eingriff in das Menschenwohl", sagte Montgomery der "Süddeutschen Zeitung" mit Blick auf die Möglichkeit, das Alter von Menschen mithilfe eines Röntgenbildes festzustellen. "Das lehnen wir deswegen ab."

Röntgen ohne medizinische Indikation sei "ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit", sagte Montgomery. Nach den Regeln des Strahlenschutzes sei eine Altersfeststellung nur im Rahmen eines Strafprozesses zulässig - wie im Fall der in Kandel ermordeten Jugendlichen. Im aktuellen Fall dürfe das Alter des Verdächtigen nun zurecht medizinisch untersucht werden.

Kramp-Karrenbauer: Vorclearing-Verfahren in allen Bundesländern

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer von der CDU fordert für alle Bundesländer sogenannte Vorclearing-Stellen. "Wir haben im Saarland seit 2016 eine zentrale Vorclearingstelle, in der alle ungebleiteten minderjährigen Flüchtlinge aufgenommen werden", sagte Kramp-Karrenbauer im ZDF morgenmagazin. Dort, wo es Unsicherheit über das Alter gebe, würde dieses mit entsprechenden medizinischen Verfahren festgestellt. "Wir haben seit dieser Zeit bei 35 Prozent der Fälle festgestellt, dass es sich um Volljährige handelt und eben nicht um Jugendliche", so Kramp-Karrenbauer. Sie schlägt vor, dass in jedem Bundesland solche Vorclearing-Verfahren eingerichtet würden.

In der Debatte um die Abschiebung von kriminellen minderjährigen Flüchtlinge warnte sie vor pauschalen Forderungen. Der Staat solle in solchen Fällen zwar "konsequent handeln". Es gebe allerdings auch "sehr hohe Hürden", etwa aufgrund von europarechtlichen Vorschriften.

2017 befanden sich 33.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Obhut der Jugendhilfe, die meisten von ihnen sind männlich. Vielen fehlen die notwendigen Dokumente und so wird das Alter durch ein Gespräch mit geschulten Mitarbeitern in den Jugendämtern festgestellt. Tauchen Unstimmigkeiten auf, dann verlangen viele Behörden ein rechtsmedizinisches Gutachten.

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