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Trauer um Helmut Kohl - "Kanzler der Einheit" und streitbarer Geist

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Keiner war so lange Bundeskanzler wie Helmut Kohl, und unter seiner Kanzlerschaft fiel die Mauer. Er prägte den Begriff der "blühenden Landschaften". Einen Schatten auf seine Amtszeit warf jedoch die CDU-Spendenaffäre. Jetzt ist Kohl im Alter von 87 Jahren gestorben.

Altkanzler Helmut Kohl ist im Alter von 87 Jahren in Ludwigshafen gestorben.

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Unter seiner Regierung gelang es nach dem Zusammenbruch des SED-Regimes in der DDR, die jahrzehntelange deutsche Teilung zu beenden. Andere Teile von Kohls Lebenswerk sind deutlich umstrittener, ein dunkler Fleck vor allem die CDU-Parteispendenaffäre.

Stets unterschätzt, schnell aufgestiegen

Der am 3. April 1930 in Ludwigshafen geborene Kohl arbeitete sich rasch in der CDU Rheinland-Pfalz hoch und wurde 1969 Ministerpräsident. Der 1,93-Meter-Mann stieg 1973 zum CDU-Bundesvorsitzenden auf, drei Jahre später ging er als Oppositionsführer nach Bonn. 1982 gelang ihm der Sprung ins Kanzleramt - in einer Koalition mit der FDP, die zuvor das sozial-liberale Bündnis unter Helmut Schmidt (SPD) aufgekündigt hatte.

Von seinen Gegnern stets unterschätzt, festigte Kohl in seinen ersten Regierungsjahren seine Macht und erwarb sich Verdienste um die europäische Versöhnung. Unvergessen ist der 22. September 1984, als Kohl Hand in Hand mit dem französischen Staatspräsidenten François Mitterrand in Verdun der Weltkriegstoten gedachte.

Fall der Mauer rettet ihn in die dritte Amtszeit

1989 schien sein Stern zu sinken, und seine innerparteilichen Gegner sägten eifrig an seinem Stuhl. Doch Kohl hielt sich an der Macht, und wenige Monate später schlug seine große Stunde: Nach dem Ende der DDR nutzte er die Chance, die jahrzehntelange deutsche Teilung zu beenden. Dabei halfen ihm zweifellos seine guten internationalen Beziehungen - etwa zu den USA oder dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow.

Trotz vieler Probleme in den Jahren nach der Wiedervereinigung, die mit starker Arbeitslosigkeit im Osten einherging, hielt sich Kohl bis 1998 im Amt - dann unterlag er bei der Bundestagswahl Gerhard Schröder (SPD). Kohl ist damit bis heute der Kanzler mit der längsten Regierungszeit überhaupt.

CDU-Spendenaffäre schadet Kohls Ansehen

Schweren Schaden fügte ein Jahr darauf die Parteispendenaffäre dem Ansehen Kohls zu. 1999 kam ans Licht, dass er von anonymen Spendern zwischen anderthalb und zwei Millionen Mark in bar erhalten hatte. Deren Namen verschwieg er bis zuletzt. Als die damalige CDU-Generalsekretärin Angela Merkel deswegen auf Distanz ging, legte Kohl enttäuscht den CDU-Ehrenvorsitz nieder.

Es folgten schwere Jahre: 2001 nahm sich seine langjährige Frau Hannelore das Leben, 2008 stürzte er in seinem Ludwigshafener Haus, daraufhin musste er wegen eines Schädel-Hirn-Traumas operiert werden.

Wenige Monate später heiratete er seine 35 Jahre jüngere Lebensgefährtin Maike Richter. Betroffen reagierte Kohl 2013 auf ein Buch seines ältesten Sohns Walter, der darin das Bild eines harmonischen Familienlebens demontierte. Schließlich wurde Hannelore in einer Biografie als eine im Schatten des Machtmenschen Kohl völlig vereinsamte Frau porträtiert.

Angst um sein politisches Vermächtnis

Der immer wieder als großer Europäer gefeierte Kohl fürchtete angesichts der Euro-Schuldenkrise um sein politisches Vermächtnis, sah sich dabei aber auch zu Kritik an der Außenpolitik von Kanzlerin Merkel veranlasst. Die Deutschen müssten wieder "für andere erkennbar deutlich machen, wo wir stehen und wo wir hin wollen", schrieb der Altkanzler 2011 in einem Zeitungsbeitrag.

Trotz des schwierigen Verhältnisses der CDU zu ihrem langjährigen Übervater suchte die Partei auch immer wieder nach Formen einer Würdigung: So feierte die Partei am 27. September 2012 den 30. Jahrestag von Kohls erster Wahl zum Kanzler.

Streit mit früherem Biografen Schwan

Neuen Streit gab es mit seinem ehemaligen Biografen Heribert Schwan über die Veröffentlichung von dessen Buch über Kohl 2014. Schwan zitiert darin aus Gesprächen mit Kohl, in denen dieser teils drastisch mit Weggefährten abrechnete. Das Kölner Landgericht gab zwar einer Klage Kohls weitgehend statt und verbot die weitere Verbreitung der Zitate - in der Welt waren sie freilich trotzdem. Im April 2017 sprach das Gericht ihm eine Million Euro Schadenersatz zu.

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