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"Wir müssen unseren Umgang mit Bekleidung ändern"

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Wachsende Altkleiderberge - "Wir müssen unseren Umgang mit Bekleidung ändern"

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Die Altkleiderberge wachsen. Warum das aber ausgerechnet für die Altkleidersammler keine gute Nachricht ist, erklärt Thomas Ahlmann im Interview.

Archiv: Säcke mit Altkleidern liegen am 10.08.2017 auf dem Gelände einer Recycling-Firma
Es werden immer mehr: Säcke mit Altkleidern
Quelle: dpa

makro: Die Deutschen spenden immer mehr Kleidung. Was gefällt Ihnen denn daran nicht?

Thomas Ahlmann: Die Qualität der Kleiderspenden geht leider immer weiter zurück. Ein steigender Anteil der abgegebenen Stücke ist nicht mehr tragbar. Es wird für die Branche zunehmend schwieriger, eine sinnvolle Verwendung für diesen wachsenden Berg minderwertiger Textilien zu finden. Deshalb kann es sogar ökologischer sein, kaputte Bekleidung direkt in den Hausmüll zu geben, da diese Textilien dann vorher nicht erst transportiert und aussortiert werden müssen.

makro: Der Begriff Kleider-"Spende" ist also irreführend?

Eine echte Spende - im Sinne einer Unterstützung sozialer Zwecke - ist es nur, wenn die Textilien modisch und wirklich gut erhalten sind.

Ahlmann: Eine echte Spende - im Sinne einer Unterstützung sozialer Zwecke - ist es nur, wenn die Textilien modisch und wirklich gut erhalten sind. Verdreckte oder zerschlissene Stücke sind dagegen keine Hilfe für gemeinnützige Sammler. Vielmehr stellen solche minderwertigen Textilien eine Arbeits- und Kostenbelastung für den Sammler dar. Das Aufstellen, Sammeln, Transportieren und Sortieren der Alttextilien kostet zudem Geld; das muss auch erwirtschaftet werden.

makro: Was geschieht eigentlich genau mit den Altkleidern?

Ahlmann: Insgesamt wird jedes Jahr eine Million Tonnen Textilien in gewerbliche, gemeinnützige oder kommunale Kleidersammlungen gegeben. Ein Vielfaches von dem, was für soziale Zwecke gebraucht wird.

Daher kaufen gewerbliche Betriebe die Textilien an und sortieren sie per Hand. Was noch getragen werden kann, wird weltweit auf dem Secondhand-Markt verkauft. Nicht mehr tragbare Stücke werden z. B. zu Putzlappen oder Dämmmaterial verarbeitet. Bei gemeinnützigen Sammlern wird die Warenspende so zur Geldspende.

makro: Teile der Altkleidersammlungen gehen in den Export nach Afrika. Bräuchten wir nicht einen Stopp dieser Exporte, um auch der afrikanischen Textilindustrie eine Chance zu geben?

Ahlmann: Secondhand-Bekleidung ist in den meisten afrikanischen Ländern weit verbreitet und wird vor allem im Alltag getragen. Sie ist deswegen kein Segen, aber - aus unserer Sicht - auch kein Fluch. Sie ist Ausdruck einer geringeren Kaufkraft in vielen Ländern des Südens.

Die Annahme, ein Importverbot würde automatisch einen (Wieder-)Aufbau der heimischen Textilproduktion in den Importländern bewirken, trifft aber eher nicht zu.

Die Annahme, ein Importverbot würde automatisch einen (Wieder-)Aufbau der heimischen Textilproduktion in den Importländern bewirken, trifft aber eher nicht zu. Denn Secondhand wird neben Neuware auf den Märkten angeboten. Die Neuware stammt überwiegend aus asiatischer Produktion - wie ja in Deutschland und Westeuropa auch.

Es ist also wahrscheinlicher, dass es bei einem Importstopp zu einer Ausweitung des Angebots an asiatischen Neutextilien käme.

makro: Was können wir denn dagegen tun, damit die Altkleiderberge nicht zu einer wachsenden Belastung werden?

Die Hersteller sollten im Produktdesign verstärkt auf Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit setzen.

Ahlmann: Wir müssen unseren Umgang mit Mode und Bekleidung ändern. Die Hersteller sollten im Produktdesign verstärkt auf Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit setzen. Verbraucher können beim Neukauf auf Qualität achten und vielleicht auch mal Secondhand-Kleidung ausprobieren. Am Ende der Kette brauchen wir Forschung und Entwicklung, damit wir ökologisch noch sinnvollere Verwendungsmöglichkeiten für die Textilien finden.

Das Interview führte Eva Schmidt.

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