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Digitalgipfel zu Europas Cloud - Wie Altmaier auf Amazon & Co. antworten will

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Es ist ein Prestigeprojekt von Wirtschaftsminister Altmaier: eine europäische Cloud, mit der Unternehmen Daten speichern und verarbeiten. Im nächsten Jahr soll das Projekt starten.

Peter Altmaier (CDU) ist Bundesminister für Wirtschaft.
Peter Altmaier (CDU) ist Bundesminister für Wirtschaft.
Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa

Wochenlang hat sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bedeckt gehalten. Jetzt konkretisiert er einen seiner wichtigsten digitalpolitischen Pläne für die deutsche Wirtschaft: die europäische Cloud namens Gaia-X. Eine Antwort auf die Vorherrschaft der US-amerikanischen Internetwirtschaft. Eine europäische Antwort auf Konzerne wie Amazon, die den Markt des Cloud-Computing bisher beherrschen.

So sagt Altmaier das nicht. Antiamerikanismus will sich der Minister nicht vorwerfen lassen. Aber er redet dann doch erstaunlich oft von "europäischen Werten", von "Datensouveränität" und von einer "vertrauenswürdigen Dateninfrastruktur für Europa".

Telekom, SAP und Festo unterstützen Altmaiers Cloud

Kommenden Dienstag wird Altmaier seine europäische Cloud auf dem Digitalgipfel in Dortmund vorstellen. Dem ZDF liegen bereits die Eckpunkte vor. Demnach beteiligen sich Unternehmen wie die Deutsche Telekom und der deutsche Softwarekonzern SAP an dem Projekt. Auch Vertreter von Bosch, Siemens und Festo sind daran beteiligt. Der deutsche Konzern Festo etwa ist spezialisiert auf Automatisierungstechnik. Er entwickelt zum Beispiel Sensoren und Greifer, die in Produktionshallen verwendet werden. Die Idee hinter Gaia-X: Die Server dieser und weiterer Unternehmen sollen sich vernetzen. So könnten sie gemeinsam große Datenmengen verarbeiten und zum Beispiel Roboter in einer Werkshalle steuern.

Fachleute sprechen vom Hyperscale-Modell. "Wir verstehen das Projekt als Wiege eines offenen digitalen Ökosystems, in dem Daten sicher und vertrauensvoll verfügbar gemacht, zusammengeführt und geteilt werden können", heißt es in Altmaiers Eckpunktepapier.

Wirtschaft kennt bisher kaum Details zu Gaia-X

Die Idee findet auch Manuel Höferlin gut, der digitalpolitische Sprecher der FDP. Er kritisiert aber, dass Altmaier bei seiner Cloud vor allem an die großen Konzerne denkt. "Gerade im Bereich Rechenzentrums-Infrastruktur ist Deutschland hervorragend mit Mittelständlern aufgestellt", sagt Höferlin heute.de. "Ich kann nur hoffen, dass er die nicht vergisst." Höferlin kritisiert darüber hinaus, Altmaier habe aus Gaia-X bisher ein großes Geheimnis gemacht.

Noch Anfang Oktober erhält Höferlin auf seine Frage zum Stand des Projekts keine Antwort. Man kommuniziere keine Details, um die vertraulichen Beratungen nicht zu gefährden, schreibt der zuständige Staatssekretär aus dem Ministerium. Und überhaupt: Das gehe ein Mitglied des Bundestags auch nichts an. "Das hat in Zeiten der Digitalisierung nichts mit transparentem Regierungshandeln zu tun", schimpft Höferlin. Und bemängelt, auch Vertreter der Wirtschaft würden erstaunlich wenig über den Stand des Projekts wissen. "Es kommen Wirtschaftsvertreter zu mir und fragen, ob ich ihnen mal erzählen könnte, was Gaia-X eigentlich wäre."

Microsoft ist bisher nicht dabei

Bemerkenswert zurückhaltend äußern sich selbst die Unternehmen, deren Beteiligung Altmaier an diesem Wochenende öffentlich macht. Bisher seien nur Vorgespräche mit dem Wirtschaftsministerium gelaufen, sagt ein Sprecher der Telekom. "Diese münden aller Voraussicht nach in eine Erklärung des Ministeriums am kommenden Dienstag. Dann wissen auch wir mehr", sagt er. "Die konkreten Pläne für Gaia-X werden erst nächste Woche veröffentlicht", sagt eine Sprecherin von IBM. Und Microsoft antwortet: "Bisher ist noch zu wenig darüber bekannt, wie Gaia-X konkret aufgebaut sein soll, um das Konzept bewerten zu können."

Bisher ist unklar, ob Microsoft an dem Projekt beteiligt sein wird oder nicht. Der Konzern signalisiert jedenfalls die Bereitschaft dazu: "Wir glauben, dass wir als Hyperscaler einen wichtigen Beitrag zu Gaia-X leisten könnten, und sind an einer Mitwirkung interessiert", sagt ein Sprecher des Konzerns heute.de. Bisher aber sei Microsoft nicht angesprochen worden.

Bitcom hegt Zweifel am Bedarf

Kritik an Gaia-X kam zuletzt auch vom Branchenverband Bitkom. Den Bedarf einer europäischen Cloud gebe es in der Wirtschaft eher weniger. Vor allem die öffentliche Hand habe ein Interesse an einer solchen Infrastruktur. Fest steht jedenfalls, dass Altmaier das Projekt mit einem zweistelligen Millionenbetrag fördern will. Als nächsten Schritt will er eine Organisation für seine Cloud gründen. "Sie wird der Kern des europäischen Ökosystems sein", werbetextet er in seinem Eckpunktepapier. Der Start der Organisation ist für das erste Halbjahr 2020 geplant.

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