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Protest von Anwohnern erfolgreich - New Yorker treiben Amazon vom Platz

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Der Internetriese Amazon hat seine Pläne für ein neues Hauptquartier in New York aufgegeben. Vor allem, weil örtliche Politiker und Aktivisten Sturm gegen die Pläne liefen.

Amazon gibt Plan zum Bau von neuer Zentrale in New York auf
Der Onlinekonzern reagierte auf die heftigen Proteste von örtlichen Politikern und Anwohnern.
Quelle: Reuters

Zumindest auf offizieller Seite ist die Enttäuschung groß: Amazon habe eine Gelegenheit verpasst, "guter Nachbar zu sein" und "Geschäfte in der wunderbarsten Stadt der Welt" zu machen, klagte New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nach der überraschenden Ankündigung des Internetriesen, sein zweites Hauptquartier doch nicht in der Stadt aufzuschlagen.

Niederlage für Bürgermeister und Gouverneur

Für de Blasio und New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo ist die Kehrtwende eine Niederlage. Beide hatten intensiv für das Projekt geworben. Freude dagegen bei Alexandria Ocasio-Cortez  - die demokratische Abgeordnete erklärte, mit Amazons Absage sei der Tag zu einem Tag der New Yorker geworden. Gemeinsam mit ihren Nachbarn hätten sie Amazon und dessen Ausbeutung von Arbeitnehmern besiegt. Der demokratische Shooting-Star hatte sich wiederholt gegen das Vorhaben ausgesprochen.  

Tatsächlich hatten die Amazon-Pläne wie ein Zündsatz gewirkt: Die Nachfrage nach Wohnungen explodierte, Anwohner gingen aus Angst vor steigenden Preisen auf die Straße. Andere örtliche Politiker sowie Gemeindeaktivisten in New York erhoben heftigen Protest. Sie kritisierten die geplanten massiven Subventionen für Amazon. Auch befürchteten sie, dass im Zuge der Ansiedlung die Wohnraumknappheit zunehmen und die Mieten weiter steigen könnten.

Angst vor steigenden Mieten

"Keine der Familien, die ich kenne, besitzt eine eigene Immobilie. Wenn man hier ein Eigentum hat, dann würde man sich natürlich über Amazon als Nachbarn freuen. Der Wert der Immobilien würde steigen. Aber wer hier zur Miete wohnt, müsste sich Sorgen machen, dass es unbezahlbar werden würde", sagte Nedy Mayifuila noch kurz vor der Bekanntmachung des Unternehmens. Die Rechtsanwältin und Mutter lebt in Long Island City, wo Amazon die Zentrale plante. "Der Grund, wieso wir damals hierher gezogen sind ist, dass es günstiger war als Manhattan. Aber das ist es jetzt nicht mehr. Ich denke, sobald Amazon da wäre, würden wir unsere Wohnung finanziell nicht mehr stemmen können."

238 Städte hatten sich im vergangenen Jahr als Standort für Amazon beworben. Die New Yorker Regierung bot Amazon Steuererleichterungen an. Mit der Begründung, das Unternehmen würde wiederum ein Steuereinkommen von 27 Milliarden Dollar einbringen. Außerdem würde der neue Standort 25.000 neue Jobs mitbringen, in denen die Arbeitnehmer ein durchschnittliches Jahreseinkommen in Höhe von 150.000 Dollar erwarten können.

Diese Jobs erfordern eine hohe Qualifikation. Genau hier liegt der Knackpunkt, der einigen New Yorkern ein Dorn im Auge war: Die Anforderungen für die potenziellen Jobs können viele der sozial schwächeren Anwohner in Queens nicht erfüllen. Laut "New York Times" hat eine durchschnittliche Familie dort ein Jahreseinkommen von gerade einmal 16.000 Dollar. Amazon will sich nun wieder den Unternehmensgebäuden in Virginia und Tennessee widmen. Man wolle auch keinen Alternativstandort für New York suchen.

Auch enttäuschte New Yorker

Meir Newman - Amazon schlägt Hauptquartier doch nicht in Queens NYC auf
Meir Newman war Befürworter des Umzugs.
Quelle: Silvia Koch

Das dürfte Befürworter in New Island City wie Fliesengeschäft-Inhaber Meir Newman enttäuschen, er hatte sich auf den Nachbarn Amazon gefreut. "Es wäre gut für New York, nicht nur für Long Island City. Denn mit Amazon kämen viele neue Jobs. Und damit auch viele Familien. Das ist wie ein großes Zahnrad. Long Island City ist jetzt wie eine Erweiterung von Manhattan, der Bezirk wächst", prognostizierte er. "Es ist vollkommen egal, ob Amazon oder sonst irgendjemand. Alle wollen nach New York." Aus seiner Sicht sind die Amazon-Gegner egoistisch. "Diejenigen, die sich in ihrer Komfortzone wohl fühlen, mögen vielleicht keine Veränderung. Man wird immer Leute finden, die Panik verbreiten."

Auch Buchhalter Kellen Frank hätte nichts gegen den Umzug gehabt - "die Immobilienbesitzer verlangen sowieso mehr Miete".

Wer ist Amazon? Und was macht das Unternehmen so erfolgreich? Alle Infos finden Sie im Video:

Shoppen jederzeit, ohne Bargeld, mit einer riesigen Auswahl an Waren und Dienstleistungen, die genau zu den persönlichen Wünschen passen – das ist der Internetgigant Amazon.

Beitragslänge:
43 min
Datum:
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