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Amazon, Zalando und Co. - Zurückgeschickte Ware soll nicht in den Müll

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Bei Versandhändlern wie Amazon landet zurückgeschickte Ware immer wieder im Müll. Die Grünen fordern ein Verbot, das Umweltministerium kündigt nun eine Gesetzesänderung an.

Päckchen und Pakete
Jedes sechste Paket wurde vergangenes Jahr zurückgeschickt..
Quelle: dpa

Das Bundesumweltministerium hat eine Gesetzesänderung angekündigt, die verhindern soll, dass Retouren automatisch als Abfall deklariert werden. Die Änderung sei schon seit einiger Zeit geplant gewesen und soll bald ins Kabinett eingebracht werden, sagte ein Sprecher dem ZDF.

Konkret sieht die Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes kein Verbot, sondern ein Gebot vor: Unternehmen sollen demnach verpflichtet werden, andere Verwertungsmöglichkeiten zu prüfen. Ziel sei es, rechtlich gegen die Vernichtung von Retouren oder sonstiger Neuwaren vorgehen zu können.

Wir erleben eine Perversion der Wegwerfgesellschaft.
Katrin Göring-Eckardt, Grünen-Fraktionschefin

Schuhe, Kleidung, Smartphones: Fast 500 Millionen Produkte würden im Jahr zurückgeschickt, rechnen die Grünen vor. "Viele von ihnen werden nach der Rücksendung komplett vernichtet", sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe und sprach von einer "Perversion der Wegwerfgesellschaft". Es handele sich um neuwertige Produkte, die voll funktionsfähig seien und höchstens einen Kratzer hätten. Die Grünen wollen den Online-Versandanbietern das Wegwerfen der Retouren verbieten - dazu stellte Göring-Eckhardt einen Drei-Punkte-Plan vor.

Greenpeace fordert allgemeines Vernichtungsverbot

Unterschriftenübergabe gegen die Retourenvernichtung im Onlinehandel
Unterschriften gegen Retourenvernichtung: Greenpeace-Aktivistin Wohlgemuth
Quelle: BMU/Sascha Hilgers

Gegen die Retourenvernichtung hatte die Umweltschutzorganisation Greenpeace dem Umweltministerium zum Jahresanfang 145.000 Unterschriften übergeben. Es reiche nicht, beim Onlinehandel anzupacken, sagt Viola Wohlgemuth von Greenpeace: "Gerade Lagerbestände und Überproduktionen werden auch im stationären Handel vernichtet." So wurde etwa im vergangenen Jahr bekannt, dass die Modekette H&M unverkaufte Kleidung schreddern ließ.

Greenpeace fordert daher ein allgemeines Vernichtungsverbot für neuwertige Waren - ob Online- oder Offlinehandel. Das Verbot sei "einfach umzusetzen", so Wohlgemuth. Sie verweist auf andere EU-Staaten: In Frankreich etwa sind große Supermärkte per Gesetz verpflichtet, unverkaufte Lebensmittel an Hilfsorganisationen abzugeben. Zudem fordert die Umweltschutzorganisation, Reparaturen zu fördern.

Amazon vernichtet massenhaft Retouren

Vor einem Jahr hatten Recherchen des ZDF-Magazins Frontal 21 und der "Wirtschaftswoche" offengelegt, dass beim Marktriesen Amazon in großem Umfang Güter aller Art in den deutschen Logistiklagern entsorgt werden. Funktionsfähige Fernseher, Beamer, Rasenmäher und Kaffeemaschinen: Eine Mitarbeiterin in einem Amazon-Versandlager schätzt, allein sie habe jeden Tag Waren im Wert von 23.000 Euro vernichtet.

Amazon organisiert den Versand auch für externe Händler. Die Zerstörung von Ladenhütern ist für sie oft günstiger als die Rücksendung der Ware. Das Bundesumweltministerium führte nach Bekanntwerden der Recherchen Stichproben durch. Ergebnis: Vor allem die Produkte von externen Händlern, die über Amazon versenden, landen im Müll.

Jedes sechste Paket wurde zurückgeschickt

Jedes sechste ausgelieferte Paket (16,3 Prozent) wurde in Deutschland vergangenes Jahr zurückgeschickt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Bamberg. Das sind etwa 280 Millionen Pakete. Schuhe und Kleidungsstücke werden besonders oft zurückgeschickt: Fast jedes zweite Paket geben die Kunden wieder zurück (46 Prozent).

Der Studie zufolge kann die überwiegende Mehrheit weiterverkauft werden (insgesamt 92 Prozent). Knapp vier Prozent der Artikel würden demnach entsorgt oder verschrottet. Zu der Frage, wie viel entsorgt wird, gibt es jedoch unterschiedliche Aussagen. Eine Studie des EHI Retail Institutes kommt zu dem Ergebnis: Knapp die Hälfte der Anbieter recycelt oder verschrottet zurückgegebene Artikel, die nicht als A-Ware verkauft werden.

Amazon: "Wirtschaftlich wenig sinnvoll, Waren zu spenden"

In bestimmten Fällen können wir Produkte nicht weiterverkaufen oder spenden, zum Beispiel aus Sicherheits- oder Hygienegründen.
Amazon

"In bestimmten Fällen können wir Produkte nicht weiterverkaufen oder spenden", erklärt Amazon, etwa aus Sicherheits- oder Hygienegründen. Man arbeite intensiv daran, "die Anzahl dieser Produkte auf null zu senken".

Der überwiegende Teil der Rücksendungen werde weiterverkauft, an die Hersteller zurückgegeben oder an gemeinnützige Organisationen gespendet. Mehr als 1.000 soziale Organisationen hätten seit 2013 Spenden von Amazon erhalten. Für Unternehmen sei es jedoch "wirtschaftlich wenig sinnvoll, Waren zu spenden": Spendet ein Unternehmen Waren, fallen dafür Steuern an. Für eine Shampoolieferung im Wert von 100.000 Euro etwa zahlt der Händler 19.000 Euro Umsatzsteuer, wenn er sie spendet. Die Entsorgung ist steuerfrei und kostet nur 5.000 Euro. Hierzu sagte das Bundesumweltministerium dem ZDF: Eine Umsatzsteuerbefreiung von Sachspenden werde in der Bundesregierung geprüft.

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