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Brasiliens Regenwald schrumpft - Neue Zahlen: Amazonas-Abholzung vervierfacht

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Die Abholzung im Amazonasgebiet Brasiliens nimmt rasant zu. Das zeigen neue Satellitenbilder. Präsident Bolsonaro nennt sie absurd: "Wenn die stimmen, bin ich Kapitän Kettensäge".

Ein Holzfäller sägt einen Urwaldriesen im Amazonas um. Archivbild
Ein Holzfäller sägt einen Urwaldriesen im Amazonas um. Archivbild
Quelle: Werner Rudhart/dpa

Die Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet nimmt rasant zu. Satellitendaten des brasilianischen Weltrauminstituts (Inpe) zeigten, dass in den Monaten von Mai bis Juli viel mehr Regenwald abgeholzt worden ist als in den gleichen Zeiträumen der Jahre 2018, 2017 und 2016. Allein im Juli seien 2.254 Quadratkilometer Regenwald gerodet worden. Das sei drei- bis fünfmal mehr als im gleichen Monat in den vier Jahren davor. Die Daten zeigten die größte Zunahme an Rodungen, seitdem das Institut 2014 eine neue Methodik zu deren Auswertung einführte.

Alarmierende Zahlen als "Lügen" bezeichnet

Präsident Jair Messias Bolsonaro hatte die alarmierenden Zahlen zuletzt als "Lügen" bezeichnet und die Führung der staatlichen Behörde ausgewechselt. Bereits im Juni hatte das Weltraumforschungsinstitut einen Anstieg der Abholzung von 88 Prozent ermittelt. Bolsonaro hatte Institutsleiter Ricardo Galvao daraufhin scharf kritisiert. Die Daten an die Presse weiterzugeben sei unverantwortlich und schade dem Image Brasiliens, so Bolsonaro. Sein Gefühl sage ihm zudem, dass die Zahlen nicht stimmen könnten.

Abholzung im Amazonas Satellitendaten
Die gelb markierten Teile der Karte zeigen die Fläche des abgeholzten Regenwaldes im Amazonas. Siehe Link im Artikel für weitere Karten und Grafiken.
Quelle: inpe.br

Am vergangenen Freitag wurde Galvao schließlich entlassen. Zu Beginn dieser Woche wurde der Nachfolger vorgestellt. Darcton Damiao, ein Militär, kündigte an, zukünftig hohe Abholzungszahlen erst einmal an Bolsonaro und das Umweltministerium weiterzuleiten, bevor die Daten publiziert werden. Bisher werden die Daten automatisch online gestellt und sind für jedermann einsehbar.

Präsident und Außenminister leugnen Klimawandel

Damiao betonte in einem Interview, dass er sich noch keine Meinung über den globalen Klimawandel gebildet habe. Er könne nicht sagen, ob es Beweise für eine Erderwärmung gebe oder nicht. Bolsonaro sowie Außenminister Ernesto Araujo gelten als Leugner des Klimawandels; das Institut Inpe galt bisher jedoch weltweit als renommiertes Klimainstitut.

Zu landwirtschaftlichen Zwecken gerodete Gebiete im Amazonas-Regenwald, aufgenommen am 16.01.2014 in Santarem (Brasilien)
Abholzung des Amazonas-Regewaldes
Quelle: Reuters

60 Prozent des Amazonas-Regenwaldes befinden sich in Brasilien. Die Bäume im Amazonas verarbeiten jedes Jahr zwei Milliarden Tonnen Kohlendioxid und spenden zwanzig Prozent des Sauerstoffs der Erde. Seit dem Amtsantritt des Rechtspopulisten Jair Bolsonaro wird befürchtet, dass die Agrarindustrie auf Kosten des Regenwalds gefördert wird.

"Schwerer Rückschlag"

Falls alls diese absurden Zahlen zutreffen, bin ich Captain Kettensäge.
Jair Bolsonaro

Die Organisation SOS Mata Atlantica, die sich dem Erhalt des Amazonas verschrieben hat, bezeichnet die jüngsten Zahlen als "schweren Rückschlag". Ihre Projektkoordinatorin Malu Ribeiro sagte über Bolsonaro und seine Regierung: "Sie versuchen gewaltsam eine Agenda des Abbaus, der Deregulierung, umzusetzen, unter völliger Missachtung für Institutionen und Wissenschaft." Seit dem Ende der Militärdiktatur 1985 "haben wir so was nicht gesehen".

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro (Archiv).
"Captain Kettensäge" Jair Bolsonaro, Brasiliens Präsident (Archiv).
Quelle: Marcelo Camargo/Agencia Brazil/dpa

Bolsonaro bezweifelt, dass es Gefahren für die Menschheit durch Klimawandel gibt, und auch Berichte, dass unter seiner Regierung die Amazonas-Rodung zugenommen habe. Falls diese "absurden" Zahlen zuträfen, "bin ich Captain Kettensäge", sagte er kürzlich bei einem öffentlichen Auftritt. Auch international regt sich die Kritik gegenüber Bolsonaros Umweltpolitik. So berichtete das Wirtschaftsmagazin "The Economist" breit über das Thema und kritisierte Bolsonaro für mangelnden Umweltschutz. Auch europäische Regierungen, vor allem Frankreich und Deutschland, übten öffentliche Kritik an Brasilien.

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