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Bischöfe und Papst beraten - Amazonas-Synode mit Sprengkraft

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Im Vatikan hat die Bischofssynode zum Amazonasgebiet begonnen. Die Beratungen der nächsten drei Wochen haben Auswirkungen auf die katholische Kirche weltweit.

Papst Franziskus am 06.10.2019 im Vatikan
Papst Franziskus hat die dreiwöchige Amazonas Synode eröffnet.
Quelle: DPA

Drei Wochen lang beraten rund 200 Kardinäle, Bischöfe und Experten über das Amazonasgebiet. Das hat Auswirkungen auf die katholische Kirche in der ganzen Welt. Das liegt nicht nur daran, dass die Ökologie eines der zentralen Themen der Beratungen ist und das Weltklima von den Vorgängen im Amazonas entscheidend beeinflusst wird. Auch die innerkirchlichen Themen besitzen die Sprengkraft, die katholische Kirche grundlegend zu verändern.

Papst Franziskus fordert eine stärkere Inkulturation der katholischen Kirche in den Regionen. Die katholische Kirche müsse stärker die indigenen Kulturen des Amazonas in der Theologie und Spiritualität aufgreifen, heißt es nun im Arbeitspapier der Synode. Setzt sich das durch, würde es auch in anderen Regionen der Welt eine stärker inkulturierte katholische Kirche geben müssen. Damit würde die katholische Kirche pluraler in ihrem Inneren.

Scharfe Kritik der Konservativen

Das schürt Ängste gerade bei vielen konservativen Katholiken. Sie fürchten um die Einheit der Kirche und kritisieren, der Papst und seine Unterstützer unterwürfen sich dem Zeitgeist. Eine Woche vor der Synode versammelten sich an der Engelsburg in Rom mehrere Dutzend konservative Katholiken, um lautstark die Engel um Hilfe zu bitten, im Kampf "gegen die Dämonen der Amazonassynode".

Im Vorfeld der Versammlung versuchten prominente Kirchenmänner - darunter die deutschen Kardinäle Gerhard Ludwig Müller und Walter Brandmüller, aber auch der US-amerikanische Kardinal Raymond Leo Burke - mit scharfer Kritik Einfluss auf die Beratungen zu nehmen. Burke und Brandmüller erklärten in einem Brief an die anderen Kardinäle, dass Teile des Arbeitspapiers der Synode "gegensätzliche Auffassungen" zur kirchlichen Lehre enthielten. Sie befürchten "häretische Entscheidungen" der Synode.

Dabei richtet sich ihre Kritik gegen mögliche Lockerungen beim Pflichtzölibat und gegen die Schaffung von neuen Ämtern für Frauen in der Kirche. Beide Themen werden bei der Synode diskutiert. Franziskus hatte in der Vergangenheit erkennen lassen, dass er den Zölibat zwar nicht gänzlich abschaffen will, sich aber weitere Ausnahmen vorstellen kann. Deshalb hoffen Katholiken weltweit, dass die Synode am Ende dem Papst empfehlen wird, sogenannte "viri probati", bewährte verheiratete Männer, zur Priesterweihe zuzulassen.

Proteste von Ordensfrauen

Mit Blick auf die Frauen sagt Franziskus, diese müssten deutlicher in Führungspositionen der Kirche zu sehen sein. Doch er selbst blieb bisher entscheidende Schritte schuldig. Vergangene Woche trafen sich Ordensfrauen aus der ganzen Welt in Rom und protestierten dagegen, dass ihre Vertreterinnen bei der Synode erneut kein Stimmrecht haben, obwohl unter den Männern ein Ordensbruder stimmberechtigt ist, obwohl er kein Priester ist.

Für die Ordensfrauen gibt es daher keinen Grund, warum sie nicht mit abstimmen sollten. Das hätte Franziskus verfügen können, doch bisher hat er es nicht gemacht. Für das Pontifikat von Franziskus sind die nächsten Wochen entscheidend. Er hat im Vorfeld große Hoffnungen auf Veränderung geweckt. Sollte sich am Ende nichts bewegen, wird die Enttäuschung umso größer sein und der Papst massiv an Glaubwürdigkeit einbüßen.

Einfluss auf deutschen Reformprozess

Auch für Deutschland ist die Amazonassynode wichtig. Die deutschen Bischöfe wollen zusammen mit den katholischen Laien zum ersten Advent einen zweijährigen Reformprozess starten, den "Synodalen Weg".

Führt die Synode zu einer stärkeren Regionalisierung der katholischen Kirche, bringt das neuen Spielraum für die Debatte in Deutschland. Öffnet sich gar die Tür für "viri probati", wird das die Debatte in Deutschland um den Pflichtzölibat prägen. Das gilt auch für den Fall, dass im Rahmen der Amazonassynode Möglichkeiten für neue Ämter für Frauen geschaffen werden.

Zwar werden die Beschlüsse der Amazonassynode nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen werden können. Vielmehr wird es die Aufgabe der verschiedenen lokalen oder kontinentalen Kirchen sein, auf ihre Bedürfnisse und Herausforderungen zugeschnittene Lösungen zu suchen. Doch für die Zukunft der katholischen Kirche werden in den nächsten Wochen wichtige Weichen gestellt. Es ist gut möglich, dass die Impulse für entscheidende Reformen aus dem Süden kommen.

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