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Treffen im Vatikan - Was Sie zur Amazonas-Synode wissen müssen

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Im Vatikan hat die dreiwöchige Amazonas-Synode begonnen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Treffen, das die katholische Kirche der Zukunft entscheidend formen könnte.

Archiv: Indigene bei einer Gruppendiskussion im Territorium der Kayapo in Altamira, Brasilien am 27.08.2019
Die katholische Kirche muss stärker die indigenen Kulturen des Amazonas in der Theologie und Spiritualität aufgreifen, sagt der Papst.
Quelle: AP

Was ist die Amazonas-Synode?

Die Amazonas-Synode findet vom 6. bis 27. Oktober im Vatikan statt und steht unter dem Thema: "Amazonien: Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie". Das dreiwöchige Treffen ist eine Sonderversammlung von rund 185 Teilnehmenden: Bischöfe und Ordensvertreter, insbesondere aus Ländern der Amazonasregion – darunter die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen im Amazonasgebiet sowie mehrere Kardinäle, Ordensleute und Experten.

Sie werden über seelsorgliche Fragen in der Region des Amazonasgebietes beraten. Den Rahmen der Synode bildet das päpstliche Lehrschreiben, die 2015 von Papst Franziskus veröffentlichte Umwelt-Enzyklika "Laudato si".

Welche Themen stehen im Mittelpunkt?

Brände im Amazonas
Waldbrände im Amazonasgebiet. (Archivbild)
Quelle: dpa

Gesprochen wird im Rahmen der Amazonas-Synode insbesondere über die Probleme, die sich durch die Ausbeutung der Rohstoffvorkommen und durch Monokulturen ergeben, vor allem für die indigene Bevölkerung wie Landkonflikte, Vertreibung, Umweltverschmutzung.

Außerdem steht die Seelsorge in einem riesigen und schwer zugänglichen Gebiet mit wenigen Priestern im Fokus. Ebenfalls auf der Agenda der Synode: Mehr Aufmerksamkeit für indigene Traditionen. Auch die Rolle der Frauen in der Kirche wird bei der Synode Thema sein.

Wer nimmt an der Amazonas-Synode teil?

An der Synode werden vor allem Bischöfe des Amazonasgebietes sowie die Spitzen von sieben Bischofskonferenzen teilnehmen. Maßgeblich beteiligt an der Synode ist zudem das panamazonische kirchliche Netzwerk Repam (Red Eclesial PanAmazónica), zu dem auch die Hilfswerke der Katholischen Kirche in Deutschland Adveniat und Misereor gehören.

Hinzu kommen Vertreter der römischen Kurie, Ordensdelegierte und mehrere vom Papst direkt persönlich ernannte Teilnehmer. Zudem sind Experten und sogenannte "Auditores" (Hörer) dabei, aber auch Beobachter verschiedener Glaubensgemeinschaften und Institutionen. Zusätzlich werden etwa 20 Indigene und auch einige Unternehmensvertreter ihre Interessen bei der Synode vertreten.

Kardinal Reinhard Marx.
Kardinal Reinhard Marx (Archivbild).
Quelle: Arne Dedert/dpa

Auf besondere Einladung kommen unter anderem der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon sowie Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber, Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

Unter den deutschsprachigen Teilnehmern ist auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Münchens Kardinal Reinhard Marx. Geleitet wird die Synode vom brasilianischen Kardinal und Panamazonien-Netzwerk-Präsident Cláudio Hummes, der als sogenannter Generalrelator der Synode wirken wird.

Wie läuft die Synode ab?

Grundlage für die Amazonas-Synode ist das rund 140 Seiten starke Vorbereitungsdokument "Instrumentum laboris", das vom vatikanischen Synodensekretariat im Juni veröffentlicht wurde. Dafür wurden über ein Jahr lang auf 260 Vorbereitungstreffen Themen und Anliegen vor Ort in Lateinamerika sondiert.

Die Beratungen während der Synode umfassen Debatten im Plenum, an denen auch der Papst teilnimmt, und Kleingruppenarbeit. In der letzten Sitzungswoche verabschieden die Synodenteilnehmer ein Schlussdokument, das Papst Franziskus übergeben wird. Die Ergebnisse dieser Synode sind nicht bindend, dienen aber dem Papst als Basis für weitere Entscheidungen.

Was bedeutet die Amazonas-Synode für die Katholische Kirche?

Von der Synode geht eine Botschaft aus: Was in Rom diskutiert wird, hat Bedeutung für die Kirche in Amazonien - und weltweit. Papst Franziskus betonte bei der Ankündigung der Amazonas-Synode im Oktober 2017, dass das Amazonas-Gebiet eine entscheidende Region sei, nicht nur weil von dort ein Großteil des weltweiten Sauerstoffs stamme. Eine Entwaldung Amazoniens bedeute, die Menschheit zu töten, so der Papst Anfang August in einem Interview mit der italienischen Zeitung "La Stampa".

Vor allem auch für viele reformorientierte Katholiken in Deutschland wichtige Themen werden im Mittelpunkt stehen: Unter anderem geht es um Fragen wie eine Priesterweihe verheirateter Männer ("viri probati") auch in der römisch-katholischen Kirche, die Übertragung von Leitungsaufgaben an Laien und neue Ämter für Frauen. Innerkirchlich könnten neue Wege der Seelsorge im Amazonasgebiet Modellcharakter für schrumpfende Kirchen in Europa haben. Der Vatikan betont aber, dass sich Lösungen aus Lateinamerika nicht einfach kopieren lassen.

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