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Amazon-Mitarbeiter hören mit - "Die Transparenz muss besser werden"

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Amazon-Mitarbeiter hören Sprachbefehle von Nutzern ab. Der Datenschutzbeauftragte Stefan Brink fordert, dass Unternehmen klar sagen müssen, was sie mit den Daten vor haben.

Ein Amazon Echo-Lautsprecher
Ein Amazon Echo-Lautsprecher.
Quelle: ap

heute.de: Um das Kundenerlebnis von Alexa zu verbessern, hat Amazon offenbar die Privatsphäre seiner Nutzer verletzt. Ist dies eine notwendige "Schattenseite" der Weiterentwicklung von neuen, digitalen Systemen, oder ein handfester Skandal?

Stefan Brink: Es ist etwas dazwischen. Dass solche Systeme weiterentwickelt werden müssen und das auch dadurch geschieht, dass Kundendaten nochmal einer genaueren Untersuchung unterzogen werden, damit ist zu rechnen. Aber die Frage ist doch immer: Wie genau geschieht das und wie transparent ist das insbesondere für den Nutzer? Geht das komplett an ihm vorbei, wird das komplett hinter seinem Rücken gemacht? Oder ist das vorher erklärt und der Nutzer hat eine Wahlmöglichkeit, ob er daran teilnehmen will, oder nicht.

heute.de: Wieso werden Firmen nicht dazu angehalten, dass Nutzer aktiv der Weitergabe ihrer Daten zustimmen müssen, anstatt - wie im jetzigen Fall - zu wiedersprechen?

Brink: Weil es dort einen Bereich gibt, bei dem man so tun kann, als würde man sich in einem Vertragsverhältnis befinden. Also es ist gar nicht so, dass man einseitig von dem Nutzer was möchte, sondern man packt das in einen Gesamtvertrag hinein und schreibt dann in die AGBs, also ins Kleingedruckte, was man so ungefähr vorhat und behauptet dann nachher, man habe einen Vertrag mit dem Nutzer abgeschlossen und das sei alles vertragskonform.

heute.de: Wie könnte man aus ihrer Sicht Firmen wie Amazon besser regulieren?

Brink: Zunächst mal müsste man die Sachlage noch besser aufklären, denn der entscheidende Punkt bei Amazon scheint mir im Moment zu sein, in welchen Kontexten Gespräche mitgehört werden. Ob das tatsächlich immer nur erfolgt, nachdem das Kennwort genannt wurde, oder ob das auch beiläufig geschieht. Da sind offensichtlich nach den Medienberichten deutliche Zweifel angebracht, ob das immer so sauber verläuft, wie man sich das ursprünglich vorgestellt hat.

Amazon kriegt man - wie alle anderen Datenverarbeiter - dadurch reguliert, dass man bestehendes Recht anwendet. Da habe ich keine großen Zweifel. Das heißt, die Datenschutzaufsichtsbehörden in Europa schauen sich das an, fordern Amazon zu einer Erklärung auf und bewerten dann, ob das konform ist, oder nicht. Und wenn nicht, ist das eine Frage, wo man auch über Bußgelder nachdenken muss.

heute.de: Immer wieder gibt es Berichte über Datenschutzskandale. Reichen die bisherigen Regelungen tatsächlich aus?

Brink: Ja. Wir haben bei den Skandalen, an die Sie jetzt denken, also Facebook, bei anderen Social-Media Anbietern oder Google - da haben wir das als Aufsichtsbehörde geprüft und in vielen Fällen sind wir auch fündig geworden. Nehmen Sie mal die französische Aufsichtsbehörde CNIL, die jetzt gegen Google ein 50-Millionen-Euro-Bußgeld verhängt hat. Das haben wir in vielen anderen Bereichen auch. Wir haben in Baden-Württemberg den kleinen Social-Media-Anbieter Knuddels in dem Kontext sanktioniert, also das funktioniert schon. Das geht nicht von einen Tag auf den anderen und das passiert im Rahmen eines rechtstaatlichen Verfahrens.

heute.de: Müsste nicht viel aktiver nach Verstößen gesucht werden?

Brink: Präventiv funktioniert das nur, wenn die Unternehmen auf uns zukommen und uns im Vorfeld erklären, was sie vorhaben. Dann können wir uns das anschauen und beratend tätig werden. Für uns das Optimalste, wenn wir gar nicht erst warten müssen, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist, oder wenn wir vorher unsere Einschätzungen abgeben können.

Große Unternehmen müssen das offensichtlich noch lernen, dass man mit uns im Vorfeld besser auseinandersetzt
Stefan Brink

Das klappt in lokalen Bereichen sehr schön. Große Unternehmen müssen das offensichtlich noch lernen, dass man sich mit uns im Vorfeld besser auseinandersetzt, sonst sind wir darauf angewiesen, uns im Einzelfall die Beschwerden anzuschauen und dann unsere Entscheidungen zu treffen.

heute.de: Gibt es eine Möglichkeit, den Missbrauch im Vorfeld zu unterbinden?

Brink: Eigentlich nicht. Das würde voraussetzen, dass alle Datenverarbeitung bei den Aufsichtsbehörden vorher angemeldet und von uns geprüft werden. Das ist überhaupt nicht zu schaffen. Dafür ist der Bereich inzwischen viel zu breit, das kriegen wir auf die Art und Weise nicht mehr hin.

heute.de: Was müsste sich konkret ändern, damit sich Nutzer erst gar nicht solchen Situationen ausgesetzt sehen?

Brink: Die Transparenz der Datenverarbeiter muss deutlich besser werden. Es reichen nicht irgendwelche blumigen Erklärungen, dass man zur Steigerung der Kundenzufriedenheit irgendwas macht - oder auch nicht.

Es muss ganz klar erklärt werden: "Das und das haben wir mit den Daten vor", in den Bereichen werden die automatisiert verarbeitet und in anderen Bereichen - und das war für mich eine Überraschung - setzten wir auch Mitarbeiter auf die aufgezeichneten Tonmitschnitte an. Dem Kunden muss ganz klar sein, in welchem Kontext er sich bewegt; wann er abgehört wird, wann er nicht abgehört wird. Das ist auch keine Überforderung für ein Unternehmen, schlicht und ergreifend auf den Tisch zu legen, was sie machen, und was nicht.

heute.de: Ist es denn heute als User überhaupt noch möglich, seine Daten vollends im Internet zu schützen?

Brink: Vollständiger oder perfekter Schutz ist tatsächlich schwer. Dafür sind die Datenverarbeitungsvorgänge zu komplex geworden und zu vielfältig. Es gibt ja kaum einen Lebensbereich, in dem wir keine Datenspuren mehr hinterlassen. Trotzdem kann man sich auch als Nutzer davor bewahren, die gröbsten Fehler zu machen, indem man den Überblick behält, indem man bestimmte Angebote nicht annimmt - und sich bei der Aufsichtsbehörde erkundigt, wo Probleme sind, und wo Möglichkeiten sind, schöne digitale Angebote zu nutzen.

Das Interview führte Jan-Frederik Fischer.

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