Lagardes schweres Erbe bei der EZB

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Draghi-Nachfolgerin tritt Amt an - Lagardes schweres Erbe bei der EZB

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Die erste Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) hat heute ihr Amt angetreten. Christine Lagarde bringt viel Erfahrung mit, übernimmt aber in schwierigen Zeiten.

Am Freitag hat Christine Lagarde offiziell ihren ersten Tag als neue Präsidentin der EZB. Aus diesem Anlass wollen sowohl die Bewegung „Fridays for Future“ als auch „Attac“ vor dem Gebäude der EZB in Frankfurt demonstrieren.

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Ein Herz und eine Seele - so konnte man die symbolische Stabübergabe von Mario Draghi an Christine Lagarde vergangenen Montag bestaunen. Da waren in einer höchst förmlichen Feierstunde alle zu Lob und Preis versammelt, die sonst mitunter über die Nullzinspolitik der EZB samt massivem Anleihenkaufprogramm entweder Krokodilstränen verlieren oder aber die gegenwärtige Rolle der Euro-Zentralbank geradewegs verdammen.

Das schwere Erbe Draghis

Mario Draghi und Christine Lagarde
Neue EZB-Chefin: Christine Lagarde ist die Nachfolgerin von Mario Draghi.
Quelle: DPA/Boris Rössler

Waren die ersten vier Jahre der Amtszeit des Italieners noch weitgehend unumstritten, so macht die Geldschöpfung der EZB mittels Anleihenkauf bei Staaten und Unternehmen inzwischen den Sparern das Leben schwer, und lässt Politiker hin- und hergerissen sein zwischen der fantastischen Staatsverschuldungswelt und der schweren Bürde, düpierte Kleinsparer noch zu Wählern zu machen.

Christine Lagarde, ehemalige französische Finanzministerin und zuletzt Chefin des Internationalen Währungsfonds, ist der kleinlichen Wählergewinnung längst entrückt. Sie konnte und wollte an der Linie der EZB nichts auszusetzen finden, und so sind denn auch die Erwartungen der Finanzwelt: Es bleibt im Wesentlichen alles, wie es ist, ganz normal unnormal.

Christine Lagarde ist offiziell neue Chefin der Europäischen Zentralbank. Was wird nun von ihr erwartet? Dazu Valerie Haller mit einer Einschätzung von der Börse in Frankfurt.

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Weiter so, jetzt mit Christine Lagarde

Die ziemlich atemberaubende Karriere der 63-jährigen Rechtsanwältin durch die französische Politikhierarchie geriet nur einmal in Knickgefahr, als sie 2011, damals Wirtschaftsministerin, nach einem für den Staat teuren Vergleich mit dem ehemaligen Adidas-Investor Bernard Tapie unversehens vor Gericht landete und tatsächlich wegen des sorglosen Umgangs mit öffentlichen Geldern schuldig gesprochen wurde. Allerdings ohne Zumessung einer Strafe, was so manchen ratlos zurückließ.

Böswillig könnte man behaupten, dass sorgloser Umgang mit öffentlichem Geld nun vielleicht gerade eine Kernkompetenz an der Spitze der heutigen EZB ausmachen könnte. Denn dass die Geldschwemme durch die Zentralbank sorglos anmutet, wird durchaus von Schwergewichten des Finanzwesens befürchtet und auch artikuliert. So verwies das frühere Direktoriumsmitglied Jürgen Stark unlängst auf die Gefahr einer "Zombifizierung" der europäischen Wirtschaft: Durch die quasi kostenlosen Kredite würden Mittel fehlgeleitet, Unternehmen verhöben sich und ganz generell würden so Firmen künstlich am Leben erhalten, die eigentlich ihre Wettbewerbsfähigkeit und damit Daseinsberechtigung verloren hätten.

Acht Jahre lang war Mario Draghi Chef der Europäischen Zentralbank. Wie fällt die Bilanz aus nach Niedrigzinsen und Eurorettung?

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Viele Milliarden ohne Preis

Das Geld habe mithin keinen Preis mehr und einen nur noch schwer einschätzbaren Wert, so eine Reihe führender Ökonomen und ehemaliger Notenbanker in einem jüngst veröffentlichten Memorandum. Die EZB habe in den Jahren nach der Eurokrise ab 2008 zur höchsten Staatsverschuldung Europas in Friedenszeiten beigetragen: 1,4 Billionen Euro hätten die Zinsersparnisse der Staaten betragen, während die Sparer fast so viel eingebüßt hätten. Zudem seien Milliarden in Immobilien und andere Vermögenswerte geleitet worden und erzeugten dort Inflation, die aber nicht gemessen werde, so die Autoren.

Mario Draghi ist aus seinem Amt als Präsident der Europäischen Zentralbank ausgeschieden. Seine Nachfolgerin ist Christine Lagarde. ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann berichtet aus Frankfurt.

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Die EZB selbst hielt sich bei diesem Papier vornehm zurück: Man lehnte jeden Kommentar ab. Ein Riss aber, der in den letzten Monaten immer deutlicher wurde, geht mitten durch den EZB-Rat. Die Befürworter einer lockeren Geldpolitik sind den Gegnern knapp überlegen. Christine Lagarde erkannte dieses Faktum bereits an und verkündete ihre Absicht, den Rat und das Direktorium möglichst einen zu wollen. Keine leichte Aufgabe, wenn sie andererseits bereits erkennen ließ, dass sie auch mit knappen Mehrheiten für ihre (Geld-)Politik leben könne.

Die EZB, einst vornehm und verschwiegen

In früheren Zeiten galt es als ausgemacht, dass Diskussionen in den Spitzengremien der Zentralbank nicht nach außen dringen sollten, allenfalls sehr verhalten und verklausuliert. Die heutige Situation stellt einen unerhörten Bruch mit jener Tradition dar und lässt die EZB durchaus wenig erhaben erscheinen.

Vorerst jedenfalls stehen die "Falken", die Anhänger einer strengeren Geldpolitik, auf verlorenem Posten. Weder hat sich Mario Draghis Vision erfüllt, dass die vor allem südlicheren Staaten das billige Geld nutzen würden, um ihre Finanz- und Sozialsysteme gründlich zu reformieren, noch sind die verwöhnten Finanzminister so ohne Weiteres bereit, auf die leicht verfügbaren Milliarden künftig zu verzichten.

Diplomatisches Geschick von Lagarde gefragt

Das Erbe Mario Draghis, das Christine Lagarde nun antritt, könnte sich allerdings in näherer oder fernerer Zukunft als deutlich schwerer erweisen, als man heute vermutet. Denn bei einer Fortsetzung der jetzigen Geldpolitik bleiben der EZB viele Mittel und Werkzeuge versagt, die etwa in einer Rezession normalerweise genutzt werden würden, Zinssenkungen etwa.

Sollte die Eurozone gleichzeitig in einen Abschwung geraten und sich die Staatsverschuldung mancher Mitgliedsländer ins Unerträgliche steigern, dabei womöglich Immobilien- und Wertpapierblasen platzen, geriete die Gemeinschaftswährung selbst in Gefahr. Schon einmal musste ja Mario Draghi mit einem Machtwort die Spekulanten gegen den Euro entmutigen und in die Schranken weisen. So etwas funktioniert nur einmal. Präsidentin Lagarde wird an Hebeln der Macht sitzen, die sich kaum mehr bewegen lassen. Dann wird es wohl auf das diplomatische Geschick der resoluten Politikerin ankommen.

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