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Humboldts 250. Geburtsjahr - "Die Natur muss gefühlt werden"

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2019 feiert der weltberühmte Naturforscher Alexander von Humboldt seinen 250. Geburtstag. Er war seiner Zeit weit voraus und warnte schon damals vor der zerstörerischen Menschheit.

Alexander von Humboldt (Gemälde von 1806)
Quelle: AP

Es wird in diesem Juniläumsjahr Veranstaltungen und Konferenzen in Deutschland geben, genauso wie in Südamerika und den USA - aber nichts Vergleichbares zu den Feierlichkeiten anlässlich der Hundertjahrfeier von Humboldts Geburtstag, am 14. September 1869. Schon damals war der Forscher ein Weltstar: Es gab Partys in Europa, Afrika und Australien, genauso wie in Nord- und Südamerika. 80.000 Bewunderer kamen allein in Humboldts Geburtsstadt Berlin zusammen und 25.000 Menschen marschierten damals durch die Straßen von Manhattan.

Humboldt war ein Visionär, der sowohl Wissenschaftler beeinflusste, als auch Künstler, Dichter und Politiker. Charles Darwin erklärte, dass Humboldt der Grund war, weshalb er überhaupt an Bord des Forschungsschiffs Beagle gegangen war. Goethe erklärte, dass ein paar Tage mit Humboldt so lehrreich waren, "als hätte ich Jahre verlebt" und Thomas Jefferson sprach von ihm als "dem größten Gelehrten seines Zeitalters". Nach Humboldt sind heute mehr Plätze, Pflanzen und Tiere benannt als nach irgendjemand sonst - vom Humboldtstrom zu den Humboldtpinguinen. Sogar eine Region auf dem Mond trägt seinen Namen.

Natur als gigantisches Netzwerk

Humboldts moderne Auffassung fasziniert bis heute: Er begriff die Natur als ein Netz des Lebens und beschrieb die Erde als einen lebendigen Organismus. Natur war für ihn ein vernetztes Ganzes, in dem alles - vom kleinsten Insekt bis zum höchsten Baum - miteinander verbunden war. Ausgehend von einer Natur als gigantisches Netzwerk, verstand Humboldt auch die zerstörerische Wirkung von Abholzung, künstlicher Bewässerung und Monokultur. Bereits 1800 warnte er vor dem vom Menschen verursachten Klimawandel.

Es gab Momente in Humboldts Leben, in denen er so pessimistisch war, dass er sich eine düstere Zukunft ausmalte - in der die Menschheit ins Weltall auswandern würde, wo sie ihre tödliche Mischung aus Laster, Gier und Ignoranz dann auch über andere Planeten verbreitete. Bereits 1801 schrieb er, dass unter dem Einfluss der Menschheit diese fernen Sterne ebenso "verheert" werden könnten, wie es bereits mit der Erde geschehen sei.

Er war aber nicht nur der Prototyp eines vorausschauenden Umweltschützers, sondern vertraute auch auf die Macht der Vorstellungskraft und der Gefühle. Zu einer Zeit als andere Wissenschaftler nach universellen Naturgesetzen suchten, bestand Humboldt darauf, dass der Mensch außerdem seine Emotionen und seine Fantasie  benutzen musste, um die natürliche Welt wirklich zu verstehen. "Die Natur muss gefühlt werden", schrieb er 1810 an Goethe.

Den Zauber der Natur verstehen

Das ist sicher einer der wichtigsten Aspekte von Humboldts Arbeit für uns heute. Während unser Planet irreversible Schäden erleidet, überhäufen uns Politiker und Wissenschaftler mit Zahlen, Statistiken und Grenzwerten. Doch kaum einer wagt, vom Zauber der Natur zu sprechen oder von der verletzlichen Schönheit unseres Planeten.

Gerade weil Humboldt diese emotionalen Aspekte der Natur in die Wissenschaft einbrachte, ist er so wichtig für unser Zeitalter des Anthropozäns. Die Erkenntnis, dass wir nur retten werden, was wir lieben, fehlt in den heutigen Debatten über den Klimawandel. Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich durch Alexander von Humboldt inspirieren zu lassen.

Alexander von Humboldt war einer der bedeutendsten deutschen Entdecker. Erst vor kurzem rückte auch sein frühes Verständnis von ökologischen Zusammenhängen in den Fokus der Forschung.

Beitragslänge:
43 min
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