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Kanzlerin Merkel in Japan - Fluch und Segen Künstlicher Intelligenz

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Wann ist man noch Mensch? In Japan wirbt Angela Merkel für die Anwendung von Künstlicher Intelligenz. Und warnt davor. Man müsse ein "nüchternes Verhältnis" dazu haben.

Angela Merkel diskutiert mit Studenten in Tokio
Angela Merkel wirbt für Künstliche Intelligenz - und warnt davor.
Quelle: dpa

Es ist die letzte Station ihrer kurzen Japan-Reise - der Besuch im Showroom des Computergiganten NEC. NEC gilt als Unternehmen, bei dem man die konkrete Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) beobachten kann. Gezeigt werden der deutschen Kanzlerin, wie aus Sicht eines Unternehmens die Balance zwischen technologischer Innovation und ethischen Fragen der Sicherheit und Privatsphäre gewährleistet werden könnten.

Beeindruckt zeigt sich Angela Merkel, als ihr ein satellitengestütztes Radarsystem präsentiert wird, das geeignet ist, etwa Unwetterkatastrophen und ihre Folgen für Menschen und Natur zu analysieren und zu beurteilen. Dazu müssen Millionen von Daten in Echtzeit erfasst, analysiert und verarbeitet werden. Bisher können derartige Modelle oft nur schlecht oder nur im Nachhinein erstellt werden. Ein mögliches Frühwarnsystem, dass in Zeiten des Klimawandels einen echten Mehrwert darstellen könnte.

Highlights von Kanzlerreisen

Bei einer Diskussion am Vormittag mit Studenten der Keio-Universität macht Merkel aber auch deutlich, dass die Anwendung von Künstlicher Intelligenz nicht nur Segen, sondern auch Fluch sein kann. Vom Präsidenten der Uni, Akira Haseyama, wird die Kanzlerin als Vertreterin einer der führenden Nationen bei der Künstlichen Intelligenz begrüßt. Merkel weiß natürlich, dass das etwas sehr viel Lob für Deutschland ist. Aber sie lächelt es gekonnt weg.

Die Keio-Universität gilt als japanische Eliteuni mit starker internationaler Ausrichtung. Diese Diskussionsrunden sind immer ein Highlight auf den Reisen der Kanzlerin. Selten erlebt man Angela Merkel so unverstellt und echt, wie in diesem Frage-und-Antwort-Spiel. Als dann eine junge Studentin nach den Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz fragt und mit der These beginnt, Deutschland und Japan könnten hinter die USA und China zurückfallen, fängt sich die Fragestellerin erstmal einen bösen Blick des Rektors ein. Doch Merkel teilt im Kern diese These. Ihre Mahnung, dass Europa und insbesondere Deutschland nicht den Anschluss verlieren dürften, hatte sie schon in Berlin zu einer Klausur ihrer Regierung veranlasst.

Was ist Künstliche Intelligenz?

So wie Menschen, die über eine natürliche Intelligenz verfügen, durch Erfahrung, Erfolg und Fehler lernen, so soll das auch in der Welt der Daten und Schaltkreise gelingen. Doch was genau verstehen wir eigentlich unter Künstlicher Intelligenz?

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"Einen Chip im Gehirn"

Merkel warnt aber auch vor den Risiken der Künstlichen Intelligenz. Der Mensch müsse, so Merkel, die "ethischen Leitplanken für KI festlegen". Dazu müsse der Staat "überblicken" was KI kann - und was nicht. Dabei schwingt bei ihr mit, dass sie gerade daran, dass der Staat noch den Überblick hat, erhebliche Zweifel hat. "Wie lange bin ich noch eine menschliche Persönlichkeit", stellt Merkel eine fast philosophische These gegenüber den Studenten der Keio-Universität in den Raum.

Mit einer Beinprothese sei das bei einem Menschen sicherlich noch gegeben, aber gilt das auch, "wenn ich einen Chip in mein Gehirn bekomme, damit ich schneller denken kann oder besser denken kann - bin ich dann auch noch derselbe Mensch? Wo endet mein Menschsein", fragt Merkel. Früher oder später, so die deutsche Kanzlerin, da sei sie sicher, werde man "unser Denken lesen können". Das sei für jemanden, der nicht sprechen kann, sicher toll, aber wenn jeder über jeden alles weiß, gibt es "vielleicht viel mehr Mord und Todschlag", so Merkel. Es sind die zahlreichen "ethischen Fragen", die in diesem Zusammenhang beantwortet werden müssen.

Auf den Umgang mit Daten achten

Japan ist in manchen Anwendungsbereichen bei Künstlicher Intelligenz im praktischen Alltag schon weit fortgeschritten. Etwa im Pflegebereich. Auch Japan hat, ähnlich wie Deutschland, eine schnell alternde Gesellschaft. Und so setzt man in dem fernöstlichen Inselstaat in Pflegeheimen immer öfter auf die Unterstützung von Robotern. Das sind nur einfache Tätigkeiten, die dort Maschinen erledigen, aber zahlreiche Delegationen, auch aus Deutschland, sind zum Lernen schon vor Ort gewesen.

Für Angela Merkel liege der Schlüssel für die Anwendung Künstlicher Intelligenz immer in den Daten. Und wie schmal der Grad zwischen nutzvoller Anwendung und Missbrauch sein kann, macht sie deutlich, als sie über Datenhoheit spricht. Europa habe jetzt mit seiner Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) einen Rechtsrahmen geschaffen, der zwar manchmal "zu Witzen Anlass gebe", der aber eine andere, vorsichtigere und bewusstere Kultur im Umgang mit Daten schaffen werde. In China gehörten alle Daten dem Staat, in den USA den Firmen - "beides ist nicht gut", sagt Merkel.

Problemfall Huawei

In diesem Zusammenhang positionierte sie sich auch erstmals zum Umgang mit dem chinesischen Internetausrüster Huawei. Dessen Netzwerktechnologie gilt als mögliche Komponente für den Ausbau der 5G-Technologie, die etwa Voraussetzung für autonomes Fahren ist. Man brauche Sicherheiten, wenn man in Deutschland arbeiten wolle, forderte die Kanzlerin. Es müsse klargestellt sein, dass der chinesische Staat nicht auf alle Daten chinesischer Produkte zugreifen könne. "Darüber müssen wir mit China reden", so Merkel. Huawei wird verdächtigt, in seine HardwareTeile einzubauen, die unbemerkt Daten nach China überträgt. In Europa wird deshalb seit einiger Zeit diskutiert, ob Huawei beim 5G-Ausbau ausgeschlossen werden sollte.

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