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Kommentar - Die Illusion vom Nachrüsten

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Die Nation empört sich. Fahrverbote drohen. Sogar Euro-5-Diesel sind kaum zu verkaufen. "Nachrüsten tut Not!", schallt es. Doch ob das schnell geht, ist fraglich.

Kommentar von Volker Angres
Kommentar von Volker Angres
Quelle: ZDF/dpa

Mit einem viel zitierten Nachrüst-Test legt sich der ADAC für frustrierte Dieselfahrer ins Zeug. Vier Fahrzeuge (zwei Pkw, zwei Kleintransporter) wurden von vier verschiedenen Nachrüstern umgebaut. Das medial bejubelte Ergebnis: Hurra, es klappt! Deutlich weniger Stickoxide. Echt schade jetzt, dass in der eigenen Postille, der "ADAC Motorwelt", im Fazit bemerkenswerte Einschränkungen gemacht werden: Es geht nur, wenn Platz für den neu einzubauenden SCR-Katalysator im Unterflurbereich ist und der erforderliche Tank für den Harnstoff (Ad Blue) zum Beispiel in der Reserveradmulde untergebracht werden kann - sofern das Fahrzeug überhaupt eine hat.

Kooperation ist gefragt

Zu lesen ist auch, dass es sich um prototypische Entwicklungen handelt, sozusagen handgeschmiedete Einzelanfertigungen. Von denen eine sogar erhebliche Probleme gemacht hat: Die zusätzliche elektronische Motorsteuerung hat nicht betriebssicher funktioniert. Womit wir beim nächsten Punkt sind: Für keinen dieser Nachrüstsätze liegt eine allgemeine Betriebserlaubnis vor. Die erteilt das Kraftfahrtbundesamt nach einer entsprechenden Prüfung. Das dauert etliche Wochen. Auch, weil jeder Motortyp eine andere Nachrüstvariante benötigt. Ausgeschlossen werden muss zum Beispiel, dass die Motoren, die ja nicht für die Abgasnachbehandlung mit SCR-Katalysator gebaut wurden, durch die Zusatztechnik Schaden nehmen. Hier ist in der Tat Kooperation mit den Herstellern gefragt, gerade wenn es um die Neuprogrammierung der Steuerelektronik geht - ein hochsensibles Thema.

Daraus ergeben sich eine Reihe von juristischen Fragen, nämlich die der Beweislast und der Haftung für den Fall, dass ein Motor nach der Umrüstung kaputt geht. Und sollten alle Punkte unwahrscheinlicherweise zeitnah geklärt werden, bleibt immer noch die Kapazitätsfrage: Wie schnell können Millionen von Nachrüstsätzen hergestellt und in Fahrzeuge eingebaut werden?

Aus alldem folgt: Hardware-Nachrüstung als die (schnelle) Lösung des NOx-Problems auszurufen, ist und bleibt eine Illusion. Ach ja, in der "ADAC Motorwelt" zu lesen ist auch, dass die Abgasreinigung via SCR-Katalysator prinzipiell wunderbar funktioniert. Das haut mich jetzt echt um. Das Patent für dieses Verfahren stammt aus dem Jahr 1974 und wurde für Großkraftwerke ersonnen.

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