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Angriffe auf Saudi-Arabien - "Nur ein Ende des Jemen-Krieges wird die Lage beruhigen"

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In den Drohnenangriffen auf die saudische Ölindustrie sehen Experten eine weitere Eskalation zwischen Iran und Saudi-Arabien. Hintergrund sei der Machtkampf im Jemen-Krieg.

Nach wie vor gibt es keine verlässlichen Quellen, was die die Drohnenangriffe in Saudi-Arabien betrifft. Fest steht, dass Drohnen zwei Förderanlagen im Herzen der saudi-arabischen Ölproduktion getroffen haben. Die Angriffe könnten laut arabischen Medien die Förderung von bis zu fünf Millionen Barrel Rohöl pro Tag betreffen - das wäre fast die Hälfte der Produktion Saudi-Arabiens. Die Aktienmärkte haben nervös auf die Angriffe reagiert.

Expertin hält Rebellen-Bekenntnis nicht für glaubwürdig

Dicke Rauchschwaden über der Ölraffinerie von Saudi Aramco in Bakiak
Dicke Rauchschwaden über der Ölraffinerie in Bakiak
Quelle: Reuters

"Es ist zu früh, um eine Aussage über die Quelle der Drohnen zu machen", sagt die Politikwissenschaftlerin Elham Manea von der Uni Zürich. "Klar ist jedoch, dass einige Gruppen oder Milizen in der Nähe des Iran für die Drohnen verantwortlich sind." Auch wenn sich Huthi-Rebellen aus dem Jemen zu den Angriffen bekannt haben: Manea, die jemenitische Wurzeln hat, bezweifelt, dass der Iran damit nichts zu tun habe. "Den Huthi-Rebellen fehlt das militärische und strategische Wissen, das für solche Angriffe notwendig ist."


Für plausibler hält sie eine neue Eskalationsstufe im Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien. Ähnlich sieht das der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze von der Uni Bern. Allerdings sieht er die Huthi nicht als "bloßer Handlanger Irans. Möglich ist, dass die Huthi die Iraner zum militärischen Handeln zwingen wollen, um Entlastung im Jemenkrieg zu erhalten."

Wollen Revolutionsgarden die Eskalation?

Laut Schulze gibt es "eine gewisse Plausibilität, dass der Iran seine Hände im Spiel hatte. So könnte Teheran dafür gesorgt haben, dass geeignete Abflugorte den jemenitischen Drohnen zur Verfügung standen, sei es in Iran selbst oder im Irak." Auch könnten die iranischen Revolutionsgarden als Mittäter in die Operation verwickelt sein.

"Sie könnten versuchen, die iranische Regierung unter Druck zu setzen. Nur diese Revolutionsgarden haben ein Interesse an der Eskalation, allein schon deshalb, um neue Alliierte vielleicht auch unter der schiitischen Bevölkerung in Saudi-Arabien zu gewinnen", sagt Schulze. Denn im Osten Saudi-Arabiens gebe es schiitische Gemeinden, um deren Sympathien Teheran buhle.

Stellvertreterkrieg der Erzrivalen

Sollte der Iran direkt involviert sein - dann mit dem Ziel, der saudi-arabischen Erdölwirtschaft zu schaden. "Damit soll auch erreicht werden, dass Saudi-Arabien seine militärische Intervention im Jemen beendet", sagt Schulze. Seine Kollegin Manea findet: "Saudi-Arabien und der Iran führen in verschiedenen Teilen der Region einen Stellvertreterkrieg. Sie sind Erzrivalen und betrachten sich gegenseitig als eine echte Bedrohung für ihre nationale Sicherheit."

Laut Manea sind die wirtschaftlichen Risiken des Konflikts überschaubar. Zwar könnte eine Störung der saudischen Ölproduktion die Weltwirtschaft erschüttern, da "Saudi-Arabien mehr Rohöl exportiert als jedes andere Land". Allerdings verfügten die USA über genügend Ölreserven, um die Weltwirtschaft zu beruhigen. Auch habe Saudi-Arabien angekündigt, bis Montag zum normalen Niveau der Ölproduktion zurückzukehren. Schulze hingegen warnt, eine weitere Eskalation könne zu einer Ölkrise führen, "die der Ölkrise nach dem Oktober-Krieg 1973 ähnelt".

Ende des Jemen-Krieges nicht in Sicht

Was jetzt zu tun ist? "In einer idealen Welt würde eine Deeskalation direkte Verhandlungen zwischen den USA, dem Iran und Saudi-Arabien bedeuten. Dies ist jedoch nicht einfach zu erreichen", sagt Manea. "Die iranische Führung ist gespalten, und die Hardliner führen ihre außenpolitische Agenda an. Saudi-Arabien steckt fest, weil das Land nicht in der Lage ist, den jemenitischen Krieg zu seinen Gunsten zu entscheiden. Und die Außenpolitik der USA wird unberechenbar von Präsident Trump geleitet."

Ihr Kollege Schulze sieht das ähnlich. "Eine entschlossene Reaktion kann nur im Konzert mit den USA erfolgen. Deren Nahostpolitik ist ein Scherbenhaufen. Es könnte sein, dass die USA nun versuchen werden, Iran durch militärischen Druck zur Rechenschaft zu zwingen", sagt Schulze. "Nur ein Ende des Jemen-Krieges wird die Lage beruhigen." Und der ist laut Schulze nur mit einer "gerechten Teilung des Landes" zu erreichen. Doch derzeit deutet nichts darauf hin, dass sich die Erzrivalen auf eine Teilung verständigen könnten.

Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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