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Mecklenburg-Vorpommern - Angst vor Afrikanischer Schweinepest

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Bei Schweinezüchtern und Politikern in Mecklenburg-Vorpommern geht die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest um. Den Wildschweinen als Hauptüberträger geht es an den Kragen.

Wildschwein
Wildschweine gelten als Hauptüberträger des Erregers der Afrikanischen Schweinepest. Quelle: dpa

Sie sind mit ihren Hunden gekommen: 40 Jäger und Treiber sind im Landesforst von Kuhlrade in Mecklenburg-Vorpommern angetreten. Drückjagden gibt es hier immer wieder, doch zurzeit haben die Jäger vor allem ein Tier im Visier, wie Forstamtsleiter Bernhard von Finckenstein betont: "Vor dem Hintergrund der sich nähernden Afrikanischen Schweinepest müssen wir jetzt unbedingt den hohen Schwarzwildbestand reduzieren, denn es werden die Wildschweine sein, die die Pest in unseren Wäldern und auf den Äckern weiterverbreiten."

Millionenprogramm gegen die Afrikanische Schweinepest

Nicht nur in den Landesforsten - überall sollen jetzt verstärkt Wildschweine gejagt werden. Das ist Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) viel Geld wert: 25 Euro soll jeder Jäger bekommen, der eines der Tiere schießt. Zudem hat das Land ein Notfallprogramm erarbeitet, das greift, sobald ein krankes oder verendetes totes Wildschwein gefunden wird. Und die Gefahr eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest wächst.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus will keine Panik verbreiten, zumal die Afrikanische Schweinepest für den Menschen ungefährlich ist. Dennoch will er ein mögliches Übergreifen der Pest auf die Haustierbestände unbedingt verhindern. "Wenn die Schweinepest ausbrechen würde, (…) gibt es sofort Restriktionen, das heißt Schweinefleisch dürfte aus Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr ausgeführt werden. Es werden dann sogenannte Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete um die betroffenen Betriebe gelegt. Das heißt, die Tiere in diesen Gebieten, wenn es zum Ausbruch käme, müssten getötet werden." Eine Maßnahme, die einen immensen Schaden bedeuten könnte, wie Backhaus weiter erläutert: "Im schlimmsten Fall würde das pro Jahr einen wirtschaftlichen Verlust von über einer Milliarde Euro ausmachen."

Große Sorge unter den Schweinezüchtern

Schweinewirt Stefan Wille genannt Niebur
Schweinewirt Stefan Wille genannt Niebur Quelle: ZDF

"Wir haben Angst. Wenn die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland kommt, kriegen wir (…) erdrutschartige Probleme", so die Befürchtung von Stefan Wille genannt Niebur. Der Landwirt hält um die 10.000 Zucht- und Mastschweine in seinen Ställen in Nordwestmecklenburg. Seine hygienischen Vorkehrungen waren schon immer hoch, doch jetzt passt er noch stärker auf, dass kein Fremder oder mögliches infiziertes Material in seine Betriebe gelangt. Auch wir dürfen nicht in den Stall.

Selbst wenn es den rund 200 Schweinewirten in Mecklenburg-Vorpommern gelingen sollte, ihre eigenen Tiere im Stall gesund zu halten, befürchtet Wille genannt Niebur Probleme. Es reiche schon, wenn ein am Schweinepestvirus verendetes Wildschwein in der Nähe seiner Ställe gefunden würde. "Wenn ich mit meinem Stall im Sperrgebiet bin, gibt es 30 Tage Stillstand, dann passiert gar nichts mehr. Aber normalerweise verkaufe ich alle 14 Tage Schweine."

Es würde schnell eng werden in den Ställen, sagt er. Wohin dann mit den Tieren? Und wer kauft dann überhaupt noch Schweinefleisch aus Deutschland, wenn die Pest erstmal da ist? "Wenn wir in den Wildschweinen die Pest haben, werden wir sie höchstwahrscheinlich über Jahre nicht mehr los. Es wird einen Kahlschlag geben, die Schweinewirtschaft wird extrem leiden", beschreibt Wille genannt Niebur die Sorge der Landwirte.

Afrikanische Schweinepest

Größte Gefahr für die Verbreitung: der Mensch

Experten nehmen an, dass das Virus von Afrika durch den Menschen nach Georgien gelangen konnte. Über Tiertransporte, kontaminierte Lkw, Nahrungsmittel oder Kleidung kann sich das langlebige Virus auch über weite Strecken schnell verbreiten. Zuletzt passierte das 2017, als es einen Sprung von mehr als 200 Kilometern Richtung Westen nach Tschechien machte. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft warnt an Autobahnraststätten mit Plakaten in sechs Sprachen vor der Verbreitung des Virus.

Denn Experten gehen davon aus, dass Fernfahrer oder Reisende aus Osteuropa unbeabsichtigt mit dem Erreger infizierte Waren, zum Beispiel Wurstbrote, nach Deutschland bringen könnten. Kommt ein Wildschwein damit in Kontakt, könnte es sich mit dem Erreger infizieren und andere Tiere anstecken. Die Gefahr einer schnellen Verbreitung der Pest ist umso größer, da die Wälder nach mehreren milden Wintern voller Wildschweine sind.

Gefahr durch Jagd weiter reduzieren

Wildschweinjagd mit Forstamtsleiter Bernhard von Finckenstein
Wildschweinjagd mit Forstamtsleiter Bernhard von Finckenstein Quelle: ZDF

Die Jäger um Forstamtsleiter Bernhard von Finckenstein haben an diesem Tag ihren Teil zum Seuchenschutz beigetragen: 14 erlegte Wildschweine liegen nach beendeter Jagd vor ihnen. Der Forstamtsleiter ist zufrieden, doch er wird noch viele Jagden in seinem Revier durchführen müssen, um den Schwarzwildbestand und damit die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest zu reduzieren.

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