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Booker Prize für Anna Burns - Roman aus #MeToo-Ära ausgezeichnet

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Die nordirische Autorin Anna Burns ist mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet worden. Ihren Roman "Milkman" preist die Jury als Werk, das nachhallen wird.

Anna Burns gewinnt Man-Booker-Preis
Herzogin Camilla (links) überreicht Anna Burns den Man-Booker-Preis. Quelle: ap

Der britische Man-Booker-Literaturpreis geht in diesem Jahr an die nordirische Autorin Anna Burns. Die 56-Jährige wurde am Dienstagabend in London für ihren Roman "Milkman" (Milchmann) ausgezeichnet. In dem Buch geht es um ein 18-jähriges Mädchen im Nordirland des Bürgerkriegs und ihre Erfahrungen mit sexueller Nötigung, konfessionellen Konflikten und sozialen Zwängen. Burns habe die Stimme der "lustigen, widerstandsfähigen, scharfsinnigen, offenen" Ich-Erzählerin ausgeprägt und überzeugend umgesetzt, erklärte die Jury. Die Themen in dem Werk seien in der #MeToo-Ära aktuell, erklärte der Vorsitzende der Jury, Kwame Anthony Appiah.

Protagonisten müssen zur Autorin kommen

Die gebürtige Belfasterin erklärte, für die Fertigstellung ihrer Bücher brauche sie viel Zeit. "Ich warte darauf, dass meine Charaktere zu mir kommen und mir ihre Geschichten erzählen. Ich kann nicht schreiben, bis sie das tun", sagte Burns. Nach der Veröffentlichung ihres ersten Romans "No Bones" 2001 habe sie oft finanzielle Probleme gehabt, was ihre Kreativität genauso wie bei anderen Künstlern gelähmt habe. Mit dem Preisgeld wolle sie nun erst einmal ihre Schulden abbezahlen und mit dem Rest ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Die Autorin war überrascht über die Auszeichnung. In einer kurzen Ansprache dankte sie ihrem Agenten, Verlegern und Freunden. "Oh mein Gott, ich höre besser auf", sagte sie, bevor sie atemlos von der Bühne stürmte.

Namenlose Helden

"Milkman" spielt in den 1970er Jahren. Die Erzählerin ist eine bücherverliebte junge Frau, die mit einem älteren Mann zurechtkommen muss, der wiederum seine Familienbeziehungen, sozialen Druck und politische Bindungen als Waffen sexueller Nötigung und Belästigung einsetzt. Außergewöhnlich an Burns Buch ist, dass keine der Figuren einen Namen trägt. Die Protagonistin wird nur als "middle sister" - "mittlere Schwester" vorgestellt. Sie wird von einem älteren, verheirateten Mann, der in einer paramilitärischen Einheit kämpft, bedrängt und in eine Beziehung gezwungen. Der "Milkman", wie der Mann genannt wird, nutzt die Strukturen des gewalttätigen Konflikts aus, um der jungen Frau seinen Willen aufzuzwingen.

Burns verarbeitete in dem Roman eigene Erfahrungen aus ihrer Kindheit und Jugend in Belfast. Sie habe über eine Gesellschaft geschrieben, die von dauerhafter Gewalt geprägt sei und unter enormem Druck lebe, sagte Burns in einem BBC-Interview nach der Preisvergabe. "Ich dachte, das wäre Normalität."

Wichtigster Literaturpreis in Großbritannien

Der Man Booker Prize ist der wichtigste britische Literaturpreis. Er ist mit 50.000 Pfund (rund 57.000 Euro) dotiert. Ausgezeichnet werden Autoren, die auf Englisch schreiben und deren Werke in Großbritannien erscheinen. Die Trophäe wurde von der Frau des britischen Thronfolgers Prinz Charles, Herzogin Camilla (71), überreicht.

Im vergangenen Jahr bekam der US-Amerikaner George Saunders den Man-Booker-Preis. Er erhielt die Auszeichnung für seinen Debütroman "Lincoln in the Bardo". Zu den bisherigen Gewinnern zählen auch Margaret Atwood und Salman Rushdie.

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