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Anschlag in Christchurch - Die Gefahr der weißen Nationalisten

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Die Welt reagiert geschockt auf die Anschläge in Christchurch - größtenteils. Auf einschlägigen Websites feiern weiße Nationalisten den Tod von 50 Menschen. Experten sind besorgt.

rechtsextreme proteste in charlottesville 2017
Aufmarsch weißer Nationalisten in Charlottesville 2017.
Quelle: dpa

Sie sind antisemitisch oder islamfeindlich, wollen im Kapitalismus oder im Sozialismus leben: Die Vorstellungen der weißen Nationalisten sind alles andere als einheitlich, auch eine feste Führungsstruktur gibt es nicht. Was sie rund um die Welt verbindet, sind die Ablehnung von Einwanderung, die Vorstellung eines "europäischen" Ideals und das Verbreiten oft brutaler Drohungen im Internet. Der Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch mit 50 Todesopfern wirft ein Schlaglicht auf die Bewegung der weißen Nationalisten.

Der Attentäter hatte in seinem 74-seitigen Manifest davon gesprochen, er wolle die "Einwanderung vernichten" und Rache nehmen für Anschläge in Europa. "Diese Menschen haben Angst vor dem demografischen Wandel. Sie benutzen den Begriff 'Völkermord an Weißen'", sagt Brian Levin vom Zentrum für Extremismusforschung an der California State University in San Bernardino.

Gut vernetzt über Websites

Experten sind sich einig, dass die weißen Nationalisten zwar eine zersplitterte Bewegung sind, die über das Internet jedoch von Europa über Russland bis hin nach Kanada und in die USA vernetzt ist. Rechtsradikale Websites helfen dabei, über Kontinente hinweg Kontakt zu halten.

Nach dem Anschlag von Christchurch wimmelte es auf einschlägigen Websites rasch von Reaktionen. Laut Levin stellen weißer Nationalismus und Rechtsextremismus in den Vereinigten Staaten derzeit "die größte extremistische Bedrohung" dar. Seit Jahren gibt es in den USA mehr Anschläge von weißen Nationalisten als von Dschihadisten.

Angst vor Bedeutungsverlust

Sophie Bjork-James, Professorin an der Vanderbilt-Universität in Nashville, sieht bei den weißen Nationalisten vor allem eines, das sie eint: die Furcht davor, dass weiße Christen zur Minderheit in den Gesellschaften werden könnten, die sie seit Jahrhunderten dominieren. Aus dieser Vorstellung heraus entstand etwa die identitäre Bewegung mit Wurzeln in Frankreich.

Sicherheitsexperten sehen im weißen Nationalismus eine ebenso große Bedrohung wie im militanten Islamismus - denn, so ihre Befürchtung: Gewalttaten, wie die des 28-jährigen Brenton T. in Christchurch könnten dazu beitragen, dass die rechtsextremen Netzwerke neue Anhänger gewinnen. Laut Bjork-James sind solche Einzeltäter Teil einer weltweiten Strategie: Die Bewegung verstehe sich bewusst als "Widerstand ohne Anführer", dessen Mitglieder stattdessen versuchten, sich untereinander zu Taten anzustacheln.

Erfolg der Populisten befeuert Bewegung

Zulauf erhalten die weißen Nationalisten der Expertin zufolge auch dank des Aufstiegs einer Reihe von Politikern, die extrem konservative Standpunkte vertreten und gegen Einwanderung kämpfen. Dazu gehören etwa Marine Le Pen in Frankreich, Viktor Orban in Ungarn, Wladimir Putin in Russland und Donald Trump in den USA.

Trump hatte in seinem Wahlprogramm für strengere Einwanderungsregeln geworben und so eine überwiegend weiße Wählerschaft erreicht. Der US-Präsident fiel seit seiner Wahl wiederholt dadurch auf, dass er rechtsextreme Gewalt nicht klar verurteilte - etwa nach dem Marsch weißer Nationalisten im Ort Charlottesville, bei dem ein Rechtsextremer eine Gegendemonstrantin tötete. Laut Bjork-James sehen die weißen Nationalisten den US-Präsidenten als "unglaubliche Gelegenheit, ihren Einfluss auszuweiten".

Trump als Vorbild

Der Attentäter von Christchurch bezeichnete Trump in seinem Manifest als Symbol einer "erneuerten weißen Identität". Trump löste am Freitag neue Kontroversen aus, als er den Anschlag zwar verurteilte, aber gleichzeitig erklärte, er sehe den weißen Nationalisten nicht als eine wachsende Gefahr an: "Das tue ich wirklich nicht. Ich glaube, das ist eine kleine Gruppe von Leuten", sagte der US-Präsident vor Journalisten im Oval Office.

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