Sie sind hier:

Anschlag auf BVB-Bus - Staatsanwaltschaft klagt wegen Mordversuchs

Datum:

Für die Ermittler scheint klar: Es war kein Extremist, sondern ein Einzeltäter, der den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund begangen haben soll. Er handelte offenbar aus Geldgier. Die Anklageschrift wirft ihm Mordversuch vor.

Zehn Tage nach dem Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat die Polizei gegen einen Verdächtigen Haftbefehl erlassen – es scheint sich um Aktienbetrug zu handeln. Das Motiv für das Attentat ist den Ermittlern zufolge Habgier.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Als vor viereinhalb Monaten Sprengsätze direkt am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund explodierten, deutete vieles auf einen islamistischen Anschlag hin. Doch inzwischen sind die Ermittler überzeugt: Ein 28-Jähriger soll den Anschlag wohl allein aus Geldgier verübt haben.

Die Staatsanwaltschaft hat am Dienstag Anklage gegen Sergej W. aus Baden-Württemberg erhoben. Er hoffte wohl, mit fallenden BVB-Aktien Geld zu scheffeln. Dem Deutschrussen würden versuchter Mord in 28 Fällen, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Platzierung der Bomben verhinderte wohl Schlimmeres

Am Abend des 11. April machte sich die Mannschaft vom Hotel im Dortmunder Süden auf den Weg ins Stadion. Dort wartete Viertelfinalist AS Monaco als Hinspielgegner. Weit kommt der Bus nicht. Drei Explosionen lassen Scheiben splittern. In einer Hecke am Hotelparkplatz hat der Täter drei Sprengsätze platziert und gezündet, als der Bus vorbeifährt. Die entscheidende Ladung hat wohl nicht die richtige Höhe. Splitter schlagen aber in den Unterarm des spanischen Innenverteidigers Marc Bartra in Diensten des BVB. Er muss operiert werden. Ein Motorradpolizist erleidet ein Knalltrauma.

Auch die Scheiben eines Privathauses werden getroffen. Die Bewohner haben aber Glück und halten sich gerade nicht im Wohnzimmer auf.

Sergej W. spekulierte mit rund 80.000 Euro auf fallende BVB-Aktien

Gefälschte Bekennerschreiben lenken den Verdacht auf militante Islamisten. Auch ein angebliches Antifa-Bekennerschreiben stellt sich wenig später als Fälschung heraus. Zwischenzeitlich wird spekuliert, dass Hooligans oder auch Mitglieder der rechten Szene dahinterstecken könnten. Die Bundesanwaltschaft ermittelt. Aber die Fahnder werden schnell auf eine andere Spur gelenkt. Ein Bankangestellter gibt der Polizei einen Tipp. Ein Kunde habe verdächtige Geschäfte getätigt. Die Spur ist heiß. Sie führt zu Sergej W., der sich im Mannschaftshotel des BVB eingemietet hatte. Vor dort aus soll er die Sprengsätze gezündet haben.

Der Elektrotechniker aus der Nähe von Tübingen soll nach früheren Angaben der Behörden an der Börse auf große Kursverluste der BVB-Aktie spekuliert haben. Dazu nahm er offenbar einen Kredit auf und kaufte entsprechende Papiere, sogenannte Derivate bzw. Put-Optionen (siehe Kasten). Dem damaligen nordrhein-westfälischen Innenminister Ralf Jäger (SPD) zufolge investierte der Mann 79.000 Euro. Weil die Tat damit keinen terroristischen Hintergrund hat, zieht sich die Bundesanwaltschaft wieder aus den Ermittlungen zurück.

Gericht entscheidet über Zulassung der Klage

Sergej W. bestreitet wohl bis heute eine Beteiligung. Sein Anwalt Reinhard Treimer sagte am Dienstag: "Neue Aussagen kann ich derzeit nicht machen." Für die Staatsanwaltschaft reichen die gesammelten Beweise aber aus. Die Fahnder hatten tagelang seine Spuren verfolgt, bis sie zuschlugen.

Das Landgericht Dortmund muss jetzt entscheiden, ob die Beweise der Ermittler reichen, um eine Hauptverhandlung zu eröffnen. Das Gericht bestätigte am Dienstag den Eingang der Anklageschrift. Einzelheiten werden erst veröffentlicht, wenn das Schriftstück dem Tatverdächtigen in der Untersuchungshaft zugestellt ist. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, es sei nicht damit zu rechnen, dass das Verfahren noch in diesem Jahr beginnen werde.

Für die Fußballwelt und den BVB war der Anschlag ein Schock. Bartra fiel wochenlang aus. Spieler berichteten noch lange nach dem 11. April, dass sie die Erlebnisse nicht verarbeitet hätten. Innerhalb des Vereins gab es Unstimmigkeiten, weil das Spiel gegen Monaco nur um einen Tag verschoben wurde. Der BVB spielte schwach. Hin- und Rückspiel gingen verloren.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.