ZDFheute

Mutmaßlicher Täter wird untersucht

Sie sind hier:

Nach Anschlag in Christchurch - Mutmaßlicher Täter wird untersucht

Datum:

Drei Wochen nach dem Anschlag in Christchurch hat der mutmaßliche Attentäter einen Anhörungstermin vor Gericht. Doch ob es zu einem Prozess kommt, ist noch unklar.

Archiv: Die Al-Nur-Moschee im neuseeländischen Christchurch am 30.03.2019
Die Al-Nur-Moschee im neuseeländischen Christchurch
Quelle: Reuters

Der mutmaßliche Attentäter von Christchurch soll psychiatrisch untersucht werden. Das ordnete ein Gericht in der neuseeländischen Stadt bei einer Anhörung an - drei Wochen nach dem Anschlag auf zwei Moscheen mit 50 Todesopfern.

Mit der Untersuchung soll geklärt werden, ob dem 28 Jahre alten Rechtsextremisten aus Australien der Prozess gemacht werden kann. In Neuseeland ist dies in solchen Fällen ein gängiges Verfahren. Brenton Tarrant droht wegen 50-fachen Mordes lebenslang Gefängnis.

Verdächtiger per Video zugeschaltet

Zu der Anhörung erschien der mutmaßliche Täter nicht - wie eigentlich üblich - persönlich im Gerichtssaal, sondern wurde per Video-Übertragung zugeschaltet. Tarrant sitzt in Auckland - etwa 1.000 Kilometer entfernt von Christchurch - im einzigen Hochsicherheitsgefängnis des Landes in Untersuchungshaft. Er trug während der Schalte graue Anstaltskleidung und Handschellen. Die etwa 30 Minuten dauernde Anhörung verfolgte er schweigend. Er zeigte auch keine Emotionen.

Obwohl es zunächst geheißen hatte, Tarrant würde sich selbst verteidigen, vertraten ihn die beiden Anwälte Shane Tait und Jonathan Hudson. Auf die Unterstützung eines ersten Pflichtverteidigers hatte er kurz nach seiner Festnahme verzichtet. Im Gerichtssaal saßen auch zahlreiche Angehörige von Todesopfern. Rund um das Gebäude war die Polizei stark präsent. Zwischenfälle gab es keine.

Richter Cameron Mander ordnete eine psychiatrische Untersuchung an. In Neuseeland ist dies in solchen Fällen ein gängiges Verfahren. "Das ist ein völlig normaler Schritt. Man sollte da nichts hineinlesen", sagte er. Der Richter trat damit Befürchtungen entgegen, dass Tarrant wegen Zweifeln an seinem Geisteszustand um einen Prozess herumkommen könnte. Einen Termin für einen Prozess gibt es noch nicht.

Anklage wegen 50-fachen Mordes

Drei Wochen nach dem Anschlag wurden auch die Anklagepunkte verlesen. Der Vorwurf lautet auf 50-fachen Mord und versuchten Mord in 39 Fällen. Immer noch müssen 16 Verletzte wegen ihrer Schusswunden in Krankenhäusern behandelt werden. Eine Person ist nach Klinik-Angaben immer noch in kritischem Zustand. Der nächste Gerichtstermin mit Tarrant wurde auf den 14. Juni festgesetzt.

Der Täter hatte große Teile der Tat mit einer Helmkamera über Facebook live ins Internet übertragen. Auszüge aus dem etwa 17-minütigen Video kursieren immer noch. Zuvor hatte er ein Pamphlet mit rechtsradikalen und rassistischen Parolen ins Internet gestellt und auch per Mail verschickt. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Anschläge einen terroristischen Hintergrund hatten.

Inzwischen hat Neuseeland seine Waffengesetze verschärft. Der Besitz von halbautomatischen Waffen - also automatisch nachladenden Waffen, wie sie der Schütze verwendet hatte - ist dort nun verboten. Im Nachbarland Australien beschloss das Parlament am Donnerstag, dass Internet-Unternehmen, die Videos von Terrorangriffen verbreiten, mit hohen Geldstrafen und deren Manager sogar mit Haft bestraft werden können.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.