Sie sind hier:

Antibiotikaresistenz - Wenn das Antibiotikum nicht mehr hilft

Datum:

Die Weltgesundheitsorganisation warnt: Antibiotikaresistenzen wird zu einem immer größeren Problem. In Deutschland können Ärzte und Patienten zu einer Besserung beitragen.

Eine Petrischale mit hämolysierenden Kolonien von Staphylococcus aureus, aufgenommen am 10.04.2017 im Universitätsklinikum Regensburg (Bayern)
Petrischalen mit Antibiotikatestplatten
Quelle: dpa

Sommergrippe mit Schnupfen und Fieber: Da hilft ein Antibiotikum, denken viele. Sie erwarten, dass der Arzt ihnen ein entsprechendes Rezept ausstellt, damit sie möglichst schnell wieder fit sind. Doch Antibiotika sind nicht immer die richtige und einzige Möglichkeit gesund zu werden. Zu häufig werden sie genommen – mit langfristig negative Folgen: Die Antibiotikaresistenz nimmt alarmierende Ausmaße an. Davor warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Das heißt: Es gibt mehr Bakterien, gegen die Antibiotika nichts mehr ausrichten können, die Medikamente schlagen bei Patienten nicht mehr an und Heilungschancen sinken. Nach Berechnungen einer Studie, an der auch das Robert-Koch-Institut beteiligt war, erkranken jährlich europaweit etwa 670.000 Menschen an Infektionen durch antibiotika-restistente Erreger. Die Hochrechnung geht davon aus, dass etwa 33.000 Menschen deswegen pro Jahr sterben.

Antibiotika als beste Lösung missverstanden

Eine Ursache für die die wachsenden Probleme bei der Behandlung von Patienten mit Infektionskrankheiten ist die unsachgemäße Anwendung von Antibiotika. Zu häufig werden sie verschrieben. "Man geht davon aus, dass circa ein Drittel der Antibiotika nicht verschrieben werden müssten", sagt Petra Gastmeier, Professorin am Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité in Berlin. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Einerseits gibt es Patienten, die von ihrem Hausarzt erwarten, dass sie beispielsweise bei Erkältungen mit Antibiotika behandelt werden. "Es ist nicht die große Menge, aber es gibt die Annahme bei manchen Patienten, dass nur mit Antibiotika eine schnelle Heilung möglich ist." Unbefriedigt verlassen sie die Arztpraxis, wenn etwas anderes verschrieben wird.

Weise und rationale Anwendung

Andererseits wirbt Gastmeier für eine "weise und rationale Anwendung" seitens der Ärzte. Sie und ihr Team haben festgestellt, dass Ärzte beispielsweise an Freitagen eher ein Antibiotikum verschreiben, als an anderen Wochentagen. "Freitags können sie den Patienten nicht bitten am nächsten Tag nochmal wieder zu kommen, sollte etwas anderes nicht helfen."

Außerdem sei eine Optimierung der Diagnostik nötig. "Wir brauchen neue diagnostische Teste, die in der Lage sind, in kurzer Zeit zu entscheiden, ob der Patient eine bakterielle oder eine Virusinfektion hat ", so Gastmeier. Denn bei einem Virus kann ein Antibiotikum nichts ausrichten.

Um der mangelnden Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten entgegenzuwirken, testet ein Projekt "Infozepte". "Das sind Handzettel, die dem Patienten mitgegeben werden und erläutern, warum ein Antibiotikum zurückgehalten wird und welche alternativen Therapiemöglichkeiten es gibt", erklärt Gastmeier. Sie sollen die Informationslücke schließen.

Außerdem soll der Antibiotikaverbrauch von Arztpraxen besser beobachtet werden. Dort werden 85 Prozent der Antibiotika verschrieben. Deswegen testet das Bundesministerium für Gesundheit die Machbarkeit eines Surveillance-Systems. Damit könnten Ärzte individuell Feedback bekommen und ein sachgemäßer Verbrauch gefördert werden, so das Robert-Koch-Institut. Bei Krankenhäusern ist solch eine Erfassung des Antibiotikaverbrauchs bereits etabliert.

Zusammenarbeit bei einem weltweiten Problem

Im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen fahren das Bundesministerium für Gesundheit, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, sowie Bildung und Forschung eine gemeinsame Strategie. Neben dem sachgerechteren Einsatz von Antibiotika ist ein zentrales Ziel die Stärkung der Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika.

Doch um dem Problem etwas entgegenzusetzen, müssen nicht nur Ministerien, Ärzte und Patienten handeln, sondern der Umgang mit Antibiotika weltweit verändert werden. "Wir müssen alle mitmachen", sagt Gastmeier. In vielen Ländern in Asien und Afrika sei die Gefahr durch Antibiotika-Resistenzen deutlich höher. Ein Grund: Die vergleichsweise lascheren Restriktionen. In Deutschland gibt es Antibiotika nur auf Rezept.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.