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Neue Studie - Sie zahlt mehr als er - manchmal

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Im Geldbeutel ist es schon lange spürbar, jetzt ist es erwiesen: Frauen zahlen bei Reinigung und Friseur mehr als Männer. Viele Produkte kosten laut einer Studie aber dasselbe.

Friseurin schneidet Haare.
Quelle: colourbox

So ist das fast immer: Waschen, Schneiden, Föhnen kostet für Herren 22 Euro, für Frauen mit kurzen bis mittellangen Haaren beim selben Friseur 44,50 Euro, mit langen Haaren 51 Euro. Zum Beispiel. Oder in der Reinigung: Ein Männerhemd kostet manchmal nur einen Euro, eine Damenbluse dagegen 2,90 Euro. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat das sogenannte Gender Pricing, also die Preise für Frauen und Männer bei Produkten und Dienstleistungen, erstmals in einer Studie bundesweit untersucht. "Wenn eine Person allein wegen ihres Geschlechts mehr zahlen muss, dann verstößt das im Grundsatz gegen das Diskriminierungsverbot", sagt die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Rosa Rasierklingen teurer als blaue

Dabei haben die Preistester in ihrer Studie genau hingesehen: Wo ist ein höherer Preis gerechtfertigt, weil zum Beispiel beim an sich gleichen Produkt andere oder wertvollere Materialien verwendet werden. Also die Handyhülle mal schlicht in schwarz und mal mit Strasssteinchen besetzt darf durchaus teurer sein. Schwieriger wird es bei den Rasierklingen, die völlig gleich sind, aber mal in rosa Verpackung und mal in blauer angeboten werden. Wie beim Discounter Aldi etwa, wo die Klingen in rosa 60 Cent teurer sind als die in blau. Diskriminierend ist es auch, so heißt es in der Studie, wenn ein "pauschaler Näherungswert für Vorlieben" gleich mit eingepreist wird. Wenn also eine Herrenuhr etwa pauschal ein Vielfaches teurer ist, was im Vergleich zur Damenuhr trotz des anderen Materials oder der Größe oftmals den Mehrwert weit übertrifft. Nur weil Männer gerne Uhren kaufen.

Allerdings: Bei Produkten sind die Unterschiede überschaubar. Für die Studie wurden im statistischen Warenkorb Produkte verglichen, die gezielt Frauen oder Männer ansprechen. Insgesamt sind das gar nicht so viele, 85 Prozent der Produkte bei Spielsachen, Bekleidung, Pflegeprodukte etwa haben keine vergleichbaren Produktvarianten. Ein Rock ist für eine Frau, ein Schlips für einen Mann. Da ist die Sache eindeutig. Bei den restlichen vergleichbaren Produkten haben 3,7 Prozent einen Preisunterschied. Anders ist es bei Dienstleistungen, Friseur und Reinigung zum Beispiel. Knapp 59 Prozent der untersuchten Angebote haben pauschal unterschiedliche Preise für Frauen und Männer. Dabei sind sie im Schnitt für Frauen um die Hälfte teurer.

Bund fordert neutrale Preislisten

Die Antidiskriminierungsstelle empfiehlt Reinigungs- und Frisierbetrieben, neutrale Preislisten zu erstellen, die sich an der Leistung, nicht am Geschlecht des Kunden orientieren. Österreich zum Beispiel habe ein Muster einer solchen Liste erarbeitet. "Ein gutes Beispiel", sagt Lüders. Sie schlägt zudem vor, dass das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz diese Listen regelmäßig überprüfen sollte.

Die Betriebe selbst halten davon weniger. Der höhere Preis für die Reinigung einer Damenbluse sei gerechtfertigt, sagt Daniel Dalkowski, Pressereferent der Deutschen Textilreinigungsverbandes. Da Blusen unterschiedlich geschnitten sind, können sie nicht auf Bügelpuppen gezogen werden, sondern müssen per Hand nachgebügelt werden. Bügelpuppen aber für Frauen zu produzieren, "lohnt sich nicht", sagt Dalkowski. Umsatz werde in der Reinigungsbranche durch die Masse an Männerhemden gemacht.

Die Politik sieht trotzdem Handlungsbedarf. Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) sagte, eine "systematische Benachteiligung" über den Preis sei nicht hinnehmbar. Sie sehe dabei die Unternehmen in der Verantwortung, dies zu ändern. Der frauenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Sönke Rix, beklagte, Frauen verdienten im Durchschnitt 21 Prozent weniger und "zahlen dann auch noch deutlich mehr für Dienstleistungen und Produkte". Das Antidiskriminierungsgesetz müsse daher mit einem Verbandsklagerecht ausgestattet werden.

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