Sie sind hier:

Empörung nach zwei Vorfällen - Starbucks reagiert: Kurs gegen Rassismus

Datum:

Gegen die Kaffeekette Starbucks gibt es in den USA Rassismus-Vorwürfe. Der Konzern reagiert - über 8.000 US-Filialen schließen am Dienstag früher für ein Antirassismus-Training.

Archiv: Ein Starbucks-Café am 27.10.2015 in Los Angeles
Ein Starbucks-Café in Los Angeles
Quelle: reuters

Ein Video sorgt im Internet für Riesenwirbel. Darauf ist zu sehen, wie zwei schwarze Männer in einer Starbucks-Filiale in Philadelphia an einem Tisch sitzen und dann ohne ersichtlichen Grund von Polizisten in Handschellen abgeführt werden. Der Filial-Manager hatte die Beamten gerufen, weil sie nichts bestellt und sich geweigert hätten, den Laden zu verlassen. Später stellt sich heraus: Die beiden Männer wollten noch auf einen Bekannten warten.

Zugang zur Toilette nur für Weiße?

Nachdem dieser Fall für Aufsehen im Netz sorgt, kommt ein weiterer ans Licht: Auf einem selbstgedrehten Video aus einer Filiale in Kalifornien beschwert sich ein Schwarzer, Mitarbeiter hätten ihm nicht den Zugangscode für die Toilettentür geben wollen. Als er einen weißen Mann darauf anspricht, sagt der, er habe den Code kurz vorher ohne Probleme bekommen.

Die Kritik an Starbucks danach war enorm, die öffentlichen Proteste in einer Filiale in Philadelphia gerieten zum PR-Desaster. Starbucks-Chef Kevin Johnson steht also mächtig unter Druck, hat sich Starbucks doch selbst das Image einer Wohlfühlzone gegeben, in der junge Kreative kaffeeschlürfend sitzen und auf ihren Laptops schreiben. Um sich gegen die Rassismus-Vorwürfe zu wehren, hat Starbucks nun zu einer ungewöhnlichen Maßnahme gegriffen.

Schulung für 175.000 Mitarbeiter

Für heute kündigte Johnson an, 8.000 firmeneigene Filialen in den ganzen USA schon mittags zu schließen und die Mitarbeiter einem Antirassismus-Training zu unterziehen. Mehr als 175.000 Mitarbeiter werden an diesem Tag von ihren Managern über die neuen Richtlinien informiert. Um weiteren Vorfällen vorzubeugen, hat Starbucks außerdem eine Regel geändert. In Zukunft darf jeder die Toiletten in den Filialen benutzen, ohne vorher etwas kaufen zu müssen.

"Unsere Hoffnung ist, dass diese Lektionen und Diskussionen einen Unterschied machen werden, auch über die Grenzen unserer Filialen hinaus", schreibt Firmenchef Johnson in einem Statement zu der Aktion. Die Trainings am 29. Mai seien nicht die Lösung, aber ein erster Schritt. Auch die Mitarbeiter, die wir in einer New Yorker Filiale gefragt haben, sind zuversichtlich, was die Aktion angeht. Es sei auf jeden Fall gut, wenn alle auf demselben Stand seien, erzählt eine Mitarbeiterin, die nicht namentlich genannt werden möchte.

"Starbucks musste sich positionieren"

Die ehemalige Firmenberaterin und jetzige Professorin an der New Yorker Universität NYU, Anna Tavis, meint, dass Starbucks mit der Aktion definitiv einen Schritt in die richtige Richtung gemacht habe. "Viel wichtiger als solche Vorfälle selbst ist für große Unternehmen die Frage, wie sie damit umgehen", weiß die Professorin. "Die Art und Weise, wie Starbucks versucht, das Problem zu lösen, wird bestimmen, wie die Menschen das Unternehmen in Zukunft wahrnehmen."

Aber ist es denn für Starbucks von Vorteil, rassistische Vorfälle öffentlich zu thematisieren? Ja, meint Tavis. Starbucks-Chef Johnson habe gar nicht anders handeln können. "Sich nicht zu äußern, wäre nämlich auch ein großes politisches Statement gewesen, weil in diesem Land gerade viel auf dem Spiel steht, was den Rassismus angeht." Gerade jetzt, da mit Präsident Donald Trump feindselige Töne von ganz oben kommen, sei es für jeden wichtig, sich zu positionieren und zu zeigen, wo man stehe. Auch für Unternehmen wie Starbucks.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.