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Antisemitismus in Deutschland - Jüdischer Weltkongress sieht "beunruhigenden Höhepunkt"

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Laut einer Studie des Jüdischen Weltkongresses vertreten mehr als ein Viertel der Deutschen antisemitische Ansichten. Ein "beunruhiger Höhepunkt", sagt WJC-Präsident Lauder.

Kerzen und Blumen an einer Synagoge in Trier.
Kerzen und Blumen an einer Synagoge in Trier.
Quelle: DPA

In den Ergebnissen einer vom Jüdischen Weltkongress (WJC) in Auftrag gegebenen Umfrage beschreibt der WJC, dass etwa ein "Viertel der Deutschen" antisemitische Ansichten vertrete. "Antisemitismus hat in Deutschland einen beunruhigenden Höhepunkt erreicht", schätzt WJC-Präsident Ronald Lauder die Ergebnisse ein.

Für die repräsentative Erhebung wurden vor zweieinhalb Monaten, also vor dem Anschlag in Halle vom 9. Oktober, 1.300 Menschen befragt - davon 300 Angehörige der "deutschen Führungselite". Zur Elite zählen die Studienautoren Hochschulabsolventen mit einem Jahreseinkommen von mindestens 100.000 Euro.

Viertel der Eliten sieht zu viel jüdische Macht in der Wirtschaft

Die Umfrage zeigt zudem, dass 41 Prozent der Befragten der Meinung sind, Juden redeten zu viel über den Massenmord des Nazi-Regimes an den europäischen Juden. Des Weiteren behaupten 28 Prozent der als Elite bezeichneten Umfrageteilnehmer, Juden hätten zu viel Macht in der Wirtschaft, 26 Prozent attestieren Juden "zu viel Macht in der Weltpolitik". Gleichzeitig würde diese Befragte Gruppe jedoch auch zu zwei Dritteln eine Petition gegen Antisemitismus unterzeichnen und an einer Kundgebung zur Bekämpfung von Antisemitismus teilzunehmen.

Weiter ergab die Befragung dass fast die Hälfte von ihnen (48 Prozent) behauptet, Juden verhielten sich loyaler zu Israel als zu Deutschland. Zwölf Prozent aller Befragten gaben an, Juden trügen die Verantwortung für die meisten Kriege auf der Welt. 22 Prozent sagen, Juden würden wegen ihres Verhaltens gehasst.

Wachsender Antisemitismus wird der Studie zufolge von einer überwältigenden Mehrheit in der Bevölkerung wahrgenommen und mit dem Erfolg rechtsextremer Parteien in Verbindung gebracht. 65 Prozent der Deutschen und 76 Prozent der sogenannten Elite sehen einen Zusammenhang.

Alle Hintergründe zur Studie

Grüne und FDP zeigen sich entsetzt

Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und er muss gesamtgesellschaftlich bekämpft werden.
Konstantin von Notz, Grünen-Fraktionsvize

Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz wertete die Ergebnisse der Umfrage als "erschütternd", allerdings auch nicht als überraschend. So weise seine Partei seit Jahren darauf hin, "dass Antisemitismus nie verschwunden war und leider bis tief in die Mitte der Gesellschaft reicht", erklärte Notz in Berlin. "Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und er muss gesamtgesellschaftlich bekämpft werden", forderte der Grünen-Politiker weiter.

Auch der FDP-Politiker Stefan Ruppert nannte es "alarmierend, dass der Studie zufolge antisemitisches Gedankengut in wachsenden Teilen unserer Gesellschaft Zustimmung findet". Er verwies auf Vorschläge seiner Fraktion für ein Sofortprogramm, "das sämtlichen Formen des Judenhasses entschlossen entgegentritt". Die Bundesregierung müsse jetzt "entschlossen handeln, um die Ausbreitung eines antisemitischen Klimas in der Gesellschaft wirksam zu bekämpfen".

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