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Seit 300 Tagen in Haft - Prominente mahnen Freiheit für Yücel an

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Seit 300 Tagen ist der Journalist Yücel an diesem Wochenende in türkischer Haft. Grund genug für 200 Prominente wie Sting, Wenders und Jelinek, seine Freilassung zu fordern.

In einem gemeinsamen Appell fordern mehr als 200 Künstler und Prominente aus Deutschland, der Türkei und anderen Ländern einen fairen Prozess und die Freilassung des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel aus der Haft in der Türkei. Den Aufruf des Freundeskreises #FreeDeniz unterstützen unter anderem die Popstars Bono und Sting sowie die Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk, Elfriede Jelinek, Swetlana Alexijewitsch, Herta Müller und J.M. Coetzee.

"Ohne Anklageschrift inhaftiert"

In dem Aufruf, der am Samstag und Sonntag in deutschen und türkischen Zeitungen erscheint, wird darauf verwiesen, dass Yücel sich am 10. Dezember seit 300 Tagen in türkischer Gefangenschaft befindet. "Ohne Anklageschrift ist er in einem Hochsicherheitsgefängnis inhaftiert. Diese 300 Tage sind exakt 300 Tage zuviel", heißt es darin. Deniz Yücel habe als Journalist "nichts anderes getan, als seinen Beruf auszuüben und seine Meinung frei zu äußern". Zu den Unterzeichnern gehören laut der "Welt" auch die Regisseure Wim Wenders, Volker Schlöndorff und Fatih Akin, die Maler Gerhard Richter und Daniel Richter sowie zahlreiche Journalisten.

Der deutsch-türkische Journalist hatte sich Mitte Februar in Istanbul der Polizei gestellt. Zwei Wochen später wurde er wegen "Terrorpropaganda" und "Volksverhetzung" in Untersuchungshaft genommen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete ihn wiederholt als deutschen "Spion" und "Agenten" der PKK. Seine Festnahme belastet die deutsch-türkischen Beziehungen, die Bundesregierung dringt bisher vergeblich auf seine Freilassung.

Steudtner durchleben "jeden Tag die Zellkontrolle"

Der freigelassene Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner berichtete in dieser Woche, wie "der Gefängnis-Rhythmus" auch jetzt sechs Wochen nach seiner Freilassung noch immer in ihm drin sei. "Ich durchlebe noch jeden Tag morgens und abends die Zellkontrolle." Die vergangenen Wochen seit seiner Rückkehr seien ein "sehr langsames und sehr behutsames Ankommen" gewesen.

Im Sommer hatte Steudtner in der Türkei als Referent an einem Workshop für Menschenrechtsorganisationen teilgenommen. Am 5. Juli wurde er in Istanbul verhaftet und saß bis zum 25. Oktober gemeinsam mit weiteren Menschenrechtsverteidigern wegen des Verdachts der Terrorunterstützung in türkischer Untersuchungshaft. Der Prozess gegen ihn wird in seiner Abwesenheit fortgesetzt. Für die Zukunft müsse er schauen, wie sich seine jetzige Bekanntheit auf seine Arbeit und die seiner Mitstreiter auswirkt, so Steudtner. "Eigentlich bin ich ein Mensch, der lieber in der zweiten Reihe steht."

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