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Entwicklerkonferenz in San Jose - Apple legt bei Software nach

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Der Konkurrenzdruck ist hoch, Apple muss nachlegen - und tut das bei der Software seiner Geräte. Ungemach droht derweil aus Washington.

Apple-Chef Tim Cook und Chef-Designer Jonathan Ive (r.) schauen sie sich den neuen Mac Pro während der jährlichen weltweiten Entwicklerkonferenz am 03.06.2019 in San Jose
Hardware-Schmankerl für Profi-Anwender: Apple-Chef Cook und Chef-Designer Ive mit dem neuen Mac Pro
Quelle: AP

Mit zahlreichen neuen Funktionen will Apple seine Geräte attraktiver für Nutzer machen. So soll der Multimediadienst iTunes aufgeteilt werden in drei Anwendungen für Music, Podcasts und TV. "Die Zukunft von iTunes ist nicht eine App, sondern drei", sagte Apples Softwarechef Craig Federighi auf der jährlichen Entwicklerkonferenz des Konzerns im kalifornischen San José. Das würde "vieles vereinfachen". Das Ende von iTunes war vorhersehbar - die Software war zuletzt nur noch auf Mac-Computern installiert gewesen, mobile Geräte waren bereits mit den neuen Apps ausgestattet.

Weiter soll die Computer-Uhr Apple Watch unabhängiger vom iPhone werden und damit auch interessanter für Nutzer von Android-Smartphones - was die Erfolgschancen anderer Anbieter verschlechtern könnte. Bisher brauchte man ein iPhone zum Beispiel, um Apps auf die Apple Watch zu laden. Künftig bekommt die Computer-Uhr einen eigenen App Store und auf ihr laufende Anwendungen brauchen keinen Gegenpart auf dem iPhone mehr. Die Apple-Uhr ist bereits die mit Abstand populärste Smartwatch, wurde aber zugleich durch die Verbreitung des iPhones zurückgehalten: Android-Smartphones haben einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent.

USB-Anschluss fürs Pad

Die iPad-Tablets bekommen erstmals ein eigenes Betriebssystem, das sie stärker wie einen vollwertigen PC-Ersatz nutzen lässt. Es soll unter anderem die Arbeit mit mehreren Apps gleichzeitig sowie die Textverarbeitung vereinfachen. Erstmals kann man auch USB-Sticks und Kameras an die Apple-Tablets anschließen. Entwickler fanden in Vorab-Versionen von iPadOS zudem die erstmalige Unterstützung einer Computermaus.

Auf dem iPhone, dem wichtigsten Apple-Produkt, sollen Nutzer künftig Videos mit Farbfiltern bearbeiten können. Auch bei der Karten-App will man zur Konkurrenz anschließen: Zunächst in den USA bekommen Nutzer die Möglichkeit, sich dreidimensionale Straßen-Ansichten anzusehen. Es ist so etwas wie Googles Street View in 3D. Außerdem will es Apple Entwicklern insgesamt einfacher machen, iPhone-Apps in Programme für den Mac umzuwandeln. Das könnte die Programm-Auswahl auf Apple-Computern stark verbessern.

Neuer Profi-Rechner

Apple's Kevin Lynch spricht auf der weltweiten Entwicklerkonferenz  in San Jose (USA)
Soll nicht mehr so am iPhone hängen: Apples Watch
Quelle: AP

Auch Hardware gab es: Mit einem neuen Hochleistungscomputer der Mac-Pro-Reihe will Apple nach Jahren verlorenen Boden im Geschäft mit Profi-Nutzern gutmachen. Er soll ausreichend Kapazität zum Beispiel für professionelle Videoaufbereitung oder Musik-Komposition bieten. Unter anderem kann man damit mit mehreren Videos in extrem hoher 8K-Auflösung gleichzeitig arbeiten. Zusammen mit dem Mac Pro stellte Apple auch einen neuen Monitor mit sehr präziser Farbwiedergabe und hoher Auflösung vor. 12.000 Dollar werden Interessenten für den Rechner samt Monitor und Standfuß wohl hinblättern müssen.

Apple hatte den Mac Pro zuletzt 2013 aktualisiert - und sich damals mit einem innovativen Design in eine technische Sackgasse manövriert. Der Konzern war davon ausgegangen, dass in leistungsstarken Computern mehrere Grafikkarten zusammenarbeiten werden und entwarf ein kompaktes zylindrisches Gehäuse, in dem sie von durchströmender Luft gekühlt wurden. Doch in der Industrie setzte sich der Trend durch, den Arbeitsaufwand einer einzelnen hochgerüsteten Grafikkarte zu überlassen. Diese Modelle bekommt der Zylinder-Mac nicht gekühlt. Der neue Mac Pro erinnert nun äußerlich an den Vorgänger des Zylinder-Modells, der wegen der markanten Löcher im Metall-Gehäuse den Spitznamen "Käsereibe" bekam.

Fokus auf Datenschutz

Einen Fokus setzte Apple auf der Entwicklerkonferenz auf den Datenschutz. So bekommen Nutzer die Möglichkeit, ihren Aufenthaltsort auch nur einmal mit einer App zu teilen - bisher kann man nur der permanenten Nutzung von Ortsdaten bei aktiver Anwendung zustimmen. Wenn eine App versucht, zu schummeln und trotzdem den Aufenthaltsort abzurufen, bekommt der Nutzer eine Warnmeldung.

Besseren Datenschutz verspricht der Konzern auch durch die Möglichkeit, sich bei anderen Apps und Diensten mit den Login-Daten ihrer Apple-Accounts anzumelden. Entwickler müssen die Funktion einbauen, wenn sie grundsätzlich die Anmeldung über Konten bei anderen Anbietern erlauben. Solche Login-Angebote gibt es unter anderem von Google und Facebook, aber auch von den deutschen Anbietern Verimi und NetID. Bei vernetzter Haustechnik im Smarthome soll die Apple-Plattform HomeKit mit Hilfe der Installation in Internet-Routern künftig Geräte besser voneinander abschirmen, damit einzelne Anbieter Nutzer nicht ausspähen können. Dafür ausgestattete Router kommen zunächst unter anderem von Linksys.

Ungemach aus Washington

Etwas getrübt haben dürfte den Präsentationsreigen eine Ankündigung aus Washington, die Macht der großen amerikanischen Tech-Konzerne stärker unter die Lupe zu nehmen. Der US-Kongress kündigte eine Untersuchung dazu an. Sie soll unter anderem herausfinden, ob die Unternehmen ihre Monopolstellungen ausnutzen oder wettbewerbsfeindliche Maßnahmen ergriffen haben.

In den USA macht sich parteiübergreifend ein Gefühl breit, dass bei Technologieriesen wie Apple oder Google zu viel Macht und Einfluss bei zu wenig Regulierung gebündelt sein könnte. Damit steigt der politische Druck auf die Unternehmen, die auch in Europa massiv ins Auge der Wettbewerbshüter und Steuerbehörden geraten sind. Die Unternehmen müssen sich darauf gefasst machen, größere Mengen von Dokumenten aushändigen zu müssen und Vertreter zu Anhörungen nach Washington schicken zu müssen.

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