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Quartalsbilanz - Apple mit neuem Rekord - doch wie lange noch?

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Der teuerste Konzern der Welt hat wieder Rekordzahlen für das abgelaufene erste Quartal des Geschäftsjahres vorgelegt. Beobachter fragen sich aber, ob die Blütezeit von Apple vorbei ist.

Archiv: Das Logo von Apple am 05.09.2014 in New York
Quelle: ap

Wenn Apple ein neues Produkt einführt, ist das wie ein archaisches Ritual in digitaler Moderne: Jünger stehen sich vor den Apple-Shops die Beine in den Bauch, in kalten Nächten harren sie dort über 24 Stunden aus, um ein mystisch umworbenes Produkt wie ein Telefon als allererste zu ergattern. Dieses Ritual fand zuletzt vor ziemlich genau drei Monaten statt, als Apple sein iPhone X in die Läden brachte.

Rekorde im abgelaufenen Quartal - Aussicht enttäuscht

Drei Monate später ein wenig Ernüchterung: Zwar sind die Umsätze im ersten Quartal des Geschäftsjahres auf einen neuen Rekord von 88,3 Milliarden Dollar um 13 Prozent geklettert. Und auch der Gewinn hat um 12 Prozent auf rund 20 Milliarden Dollar angezogen. Doch der Ausblick für das zweite Quartal, das im März endet, liegt unter den Erwartungen vieler Branchenbeobachter. Denn da sollen die Einnahmen nur noch zwischen 60 und 62 Milliarden Dollar liegen. Das nährt die Befürchtung, dass das neue iPhone nicht so reißenden Absatz findet, wie man sich das erhofft hatte. Schon seit einigen Wochen munkeln Beobachter, dass ausgerechnet der Umsatztreiber des Konzerns schwächelt, die Produktion des neuesten Modells heruntergefahren wird. Das könnte Apple in besonderer Weise treffen - denn das iPhone trägt bei Apple rund die Hälfte der Umsätze und Gewinne bei.

"Irgendwann ist der Markt gesättigt", sagt Hendrik Leber vom Vermögensverwalter Acatis. "Da können sie keine Preise von über 1.000 Euro oder Dollar mehr für ein Handy abrufen, das sie woanders mit derselben technischen Ausstattung für die Hälfte des Preises bekommen." In den vergangenen drei Monaten aber scheint die Welt von Apple noch in Ordnung gewesen zu sein. Denn trotz insgesamt rückläufiger iPhone-Verkäufe ist der Durchschnittspreis eines verkauften Smartphones gestiegen. Apple bietet mittlerweile eine ganze Armada an Modellen seines Verkaufsschlagers an - das iPhone X ist dabei nur das neueste und teuerste.

Apple fehlen Innovationen

So stark wie einst ist die mystische Innovationskraft, die Apple an die Weltspitze gebracht und zum teuersten Konzern der Wirtschaftsgeschichte gemacht hat, nicht mehr. Das kann man sehen - oder hören - anhand der jüngsten Produktveröffentlichung: dem "HomePod". Der ist, man darf es in der Sprache der Entzauberung sagen - nicht viel mehr als ein Lautsprecher. Dieser Lautsprecher hört zwar mehr oder weniger gut auf Sprachbefehle. Er kopiert damit aber nur bereits existierende Produkte wie die "Echo Dots" von Amazon oder auch Google Home. Nur: Bei den Pionieren auf diesem Gebiet erfüllen die interaktiven Lautsprecher einen spezifischen Zweck. Amazon hat sich damit einen neuen Vertriebskanal geschaffen, die Datenkrake Google wertet Daten seiner Nutzer aus. Viel mehr als Musik aus der Apple-Cloud abspielen ist beim HomePod nicht möglich. Dafür kostet der Lausprecher aber dreimal so viel wie das Google-Modell. "Apple fehlen langsam die Innovationen", meint Hendrik Leber.

Aus diesem Grund warten viele Apple-Fans auf "the next big thing", das nächste große Ding aus dem Konzern - einen ähnlich großen Wurf also wie damals der iPod oder später dann natürlich das iPhone. Zehn Jahre nach Erfindung des iPhones warten Apple Jünger bislang vergeblich.

Apple mit innovativem Steuerkonzept

Einen großen Schritt immerhin aus Sicht von Apple hat der Konzern in Bezug auf seine Steuern getan. Denn nach der beschlossenen US-Steuerreform hat sich der Konzern bereit erklärt, 252 Milliarden Dollar aus dem Ausland wieder zurück in die USA zu holen - und dort zu versteuern. Apple wird somit die Rekordsumme von 38 Milliarden Dollar an den US-Fiskus überweisen. Der Konzern brüstet sich damit, neue Arbeitsplätze schaffen zu wollen. Konzernchef Thomas Cook sprach von einem "tiefen Gefühl der Verantwortung, unserem Land und den Menschen, die unseren Erfolg ermöglichen, etwas zurückzugeben".

Diese Wortwahl passt gut in die Liturgie eines Gottesdienstes während einer Predigt, sie steht einem knallhart kalkulierenden Konzern wie Apple weniger gut. Denn in Wahrheit hätte Apple sein Auslandsgeld durch die Steuerreform so oder so versteuern müssen, so gesehen ist es also kein freiwilliger, sondern ein notgedrungener Schritt von Apple. Zudem fällt die Steuerlast mit der Steuerreform deutlich geringer aus, als sie es vorher gewesen wäre.

Dafür haben nun aber Apple-Chef Tim Cook und der US-Präsident Donald Trump eine Art Frieden geschlossen. Der eine darf sich auf die Fahnen schreiben, wieder in Amerika zu investieren, der andere darf sich damit brüsten, Konzerne wie Apple an der Leine zu führen. Dass beides zum schönen Schein gehört, ist auch Teil eines Rituals.

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