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Feiertagsarbeit: Reifenwechsel statt Bescherung

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Arbeiten, wenn andere feiern - Feiertagsarbeit: Reifenwechsel statt Bescherung

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Nicht alle verbringen Heiligabend mit den Liebsten oder können Silvester die Korken knallen lassen. Für Gelbe Engel, Flugbegleiter oder Priester sind das "normale" Arbeitstage.

Flugbegleiterin Kerstin Wagner
Über den Wolken sind die Menschen an Weihnachten kommunikativer. Nach dem Weihnachtsfest steigt bei vielen aber schon wieder der berufliche Stress.
Quelle: Privat

Heiligabend über den Wolken - die Flugbegleiterin

Wenn andere unter dem Christbaum feiern, ist Kerstin Wagner in der Luft. Für die Eurowings-Kabinenchefin ist Heiligabend ein Tag der Extreme: Die einen wollen so schnell wie möglich vom letzten Geschäftstermin nach Hause zur Familie, die anderen dem Weihnachtstrubel auf kürzestem Weg entfliehen. Sie alle treffen an Bord aufeinander. "Ich mag diese bunte Mischung und fliege deshalb sehr gerne an diesen Tagen", betont die Flugbegleiterin.

Nachdenklich stimmt sie, dass gerade an Weihnachten besonders viele unbegleitete Kinder im Flugzeug sitzen, auf dem Weg von Mama zu Papa oder umgekehrt. Und noch etwas ist anders, an diesen ganz besonderen Flugtagen: "Die Gäste sind kommunikativer als sonst im Jahr. Da wird sich auch mal wieder mit dem Sitznachbar unterhalten, statt nur stur auf den Laptopbildschirm zu starren."

Die Gäste sind kommunikativer als sonst im Jahr. Da wird sich auch mal wieder mit dem Sitznachbar unterhalten, statt nur stur auf den Laptopbildschirm zu starren.
Kerstin Wagner, Flugbegleiterin

Neben dem besonderen Miteinander haben sich auch bei der Crew ganz eigene Rituale eingebürgert. Der Bordofen wird schon mal kurzerhand zur Weihnachtsbäckerei umfunktioniert, fertigen Plätzchenrollen sei Dank. "Diese ganz besondere Stimmung und Herzenswärme gibt es so nur einmal im Jahr", sagt Kerstin Wagner. "Leider ist sie auch schnell wieder vorbei, wenn am zweiten Weihnachtsfeiertag schon wieder diejenigen in der Überzahl sind, die der berufliche Stress wieder eingeholt hat oder die ernüchtert sind von den Weihnachtstagen, die anders verlaufen sind, als erhofft." Ihr Trost: Das nächste Weihnachten kommt bestimmt.

Weihnachten: Nicht immer das Fest der Liebe - die Polizisten

Polizisten Laura Maier und Volker Schultheiß
Für die Polizei sind die Feiertage selten friedlich.
Quelle: M. Kniess

Für Laura Maier und Volker Schultheiß wird Heiligabend ganz sicher nicht sonderlich ruhig und besinnlich werden. Die beiden Polizisten sorgen zusammen mit ihren Kollegen auch an den Weihnachtsfeiertagen für Ordnung und Sicherheit in Erlangen. "Verkehrsunfälle und sonstige Kleinigkeiten lassen sich natürlich nicht vermeiden, Weihnachten hin oder her", betont Polizeihauptkommissar Volker Schultheiß.

Zusätzliche Einsätze beschert den Polizisten noch etwas anderes: Seitdem Diskotheken auch an Heiligabend geöffnet haben, ist es mit der besinnlichen Ruhe vorbei. "Wo viele Menschen und Alkohol zusammentreffen, bleiben Streitereien und Probleme nicht aus. Gerade die jüngere Generation feiert zwar tagsüber mit der Familie, am Abend aber geht es dann trotzdem auf die Piste", so Volker Schultheiß.

Doch dies ist bei weitem nicht alles. Weihnachten - das Fest der Liebe? Weit gefehlt, unterstreicht Polizeiobermeisterin Laura Maier: "Die Feiertage sind nicht immer so ruhig und friedlich, wie man vielleicht annimmt. Wenn die ganze Familie einmal im Jahr zusammensitzt, sind die Erwartungen natürlich gerade an diesen Tagen besonders hoch. Oft sind dann leider anstelle von Harmonie Streitigkeiten vorprogrammiert, bei denen wir schlichten müssen."

Wo viele Menschen und Alkohol zusammentreffen, bleiben Streitereien und Probleme nicht aus.
Volker Schultheiß, Polizist


Andere wiederum sitzen gerade an den Feiertagen allein zuhause. "Weil gerade in dieser stillen Zeit Menschen, denen es aus unterschiedlichen Gründen nicht gut geht, mehr Gelegenheit zum Nachdenken haben, werden wir leider immer wieder auch zu Einsätzen aufgrund von Suizidabsichten gerufen", ergänzt Volker Schultheiß nachdenklich.

Neun Gottesdienste an drei Tagen - der Pfarrer

Priester Detlef Pötzl
Pfarrer Pötzl trifft seine Familie am ersten Weihnachtsfeiertag. Vorher ist er wegen Messen ausgebucht.
Quelle: Privat

Wenn Detlef Pötzl auf die Weihnachtsfeiertage blickt, bedeuten sie für ihn vor allem eines: viel Arbeit. Allein an Heiligabend hält der katholische Geistliche vier Gottesdienste. An den beiden Weihnachtsfeiertagen folgen weitere fünf.

Dennoch stehen für den Leitenden Pfarrer des Seelsorgebereichs Frankenwald nicht Stress und Hektik im Vordergrund: "Die Weihnachtstage sind für mich keine Belastung, sondern jedes Jahr ein Höhepunkt im Kirchenjahr und ein wunderbares Gemeinschaftserlebnis. Es ist schön mitzuerleben, wie sich jeder in der Gemeinde engagiert und einbringt, vom Krippenspiel für die Kinder bis zur musikalischen Umrahmung."

Die Weihnachtstage sind für mich keine Belastung, sondern jedes Jahr ein Höhepunkt im Kirchenjahr und ein wunderbares Gemeinschaftserlebnis.
Detlef Pötzl, Katholischer Pfarrer

Da nimmt es der katholische Geistliche des Erzbistums Bamberg gern in Kauf, die eigene Bescherung und das eigene weihnachtliche Festmahl hintenanzustellen. "Alles nur eine Sache der Planung", so Detlef Pötzl. Den Besuch bei seinem Bruder mit Familie und bei seinen Eltern hat er einfach von vornherein auf den ersten Weihnachtsfeiertag gelegt. Ohnehin ist ihm eines wichtig: "Das alles ist nichts Besonderes. Schließlich arbeiten an Heiligabend auch Krankenpfleger, Busfahrer oder Feuerwehrleute."

Reifen wechseln und Seelen trösten - der Straßenwart

Gelber Engel Stefan Weiß
Manchmal leisten Straßenwärter auch seelische Hilfe, so wie Stefan Weiß.
Quelle: M. Kniess

Für Stefan Weiß gilt: Je später der Abend, desto entspannter die Schicht. "An Heiligabend ist es nachmittags meist sehr hektisch, wenn die Familienbesuchsfahrten anstehen und gerade dann das Auto nicht anspringt", betont der Straßenwachtfahrer, der für den ADAC auf den Straßen rund um Nürnberg Pannengeplagten zur Seite steht.

An Heiligabend ist es nachmittags meist sehr hektisch, wenn die Familienbesuchsfahrten anstehen und gerade dann das Auto nicht anspringt.
Stefan Weiß, Straßenwart

Zum Abend hin beruhigt sich die Lage jedoch meist. "Die Menschen, die zur Bescherungszeit anrufen, sind meist am Weihnachtsfest nicht sonderlich interessiert. Sei es aus Glaubensgründen oder weil sie einfach niemanden haben, mit dem sie feiern können", so Stefan Weiß.

Eine Geschichte geht ihm dabei nicht mehr aus dem Kopf: "Eines Heiligabends hat mich ein älterer Herr gerufen, dessen Auto in einer Garage stand und einen platten Reifen hatte. Bei genauerem Hinsehen ist mir aufgefallen, dass das Auto gar nicht angemeldet war. Er begann schließlich zu erzählen, dass es sich dabei um das Fahrzeug seiner verstorbenen Frau handele, und er an Heiligabend einfach schrecklich einsam sei und deshalb den ADAC gerufen habe."

Es sind solch emotionale Momente, die den Dienst an Heiligabend so besonders machen: "Wenn man anderen Menschen tatsächlich das Weihnachtsfest ein Stück weit retten kann, erfüllt einen ein solcher Abend durchaus auch mit Stolz."

Mit Knalltrauma ins neue Jahr - die Assistenzärztin

Ärztin Katharina Schinz
Knalltrauma und Tinnitus gehören zu den häufigsten Diagnosen um Silvester.
Quelle: M. Kniess

Katharina Schinz wird vor allem in der Silvesternacht gefragt sein. Während ihre Freunde zum Feiern gehen, tritt die junge Assistenzärztin um 21 Uhr am Universitätsklinikum Erlangen ihren Nachtdienst an. Auf eine ruhige Nacht kann sie dabei nicht hoffen. "Bei uns in der Hals-Nasen-Ohren-Klinik haben wir Silvester insbesondere in der Notaufnahme immer alle Hände voll zu tun", betont Katharina Schinz.

"Patienten, meist jüngeren Alters, die sich durch Feuerwerkskörper ein Knalltrauma zugezogen haben, geben sich zu später Stunde fast die Klinke in die Hand. Und dann, am Neujahrsmorgen, kommen all jene, die nach ein paar Stunden merken, dass sie auf einem Ohr nicht mehr so gut hören oder einen Tinnitus haben."

Patienten, meist jüngeren Alters, die sich durch Feuerwerkskörper ein Knalltrauma zugezogen haben, geben sich zu später Stunde fast die Klinke in die Hand.
Katharina Schinz, Assistenzärztin

Den Jahreswechsel versuchen Ärzte und Pflegekräfte dennoch auch für sich selbst ein wenig angenehm zu gestalten, wenn es die Zeit zulässt. Sie stoßen zusammen an - mit alkoholfreiem Sekt versteht sich - oder essen gemeinsam. Der unbeliebte Dienst zum Jahreswechsel hat für Katharina Schinz dennoch auch etwas Gutes: "So habe ich wenigstens die Weihnachtstage frei und kann diese zusammen mit meiner Familie und meinem Mann genießen."

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