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Tarifrunde der Metallindustrie - Arbeitgeber: IG Metall-Forderungen "überzogen"

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Das Streitwort für die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie ist gesetzt: 28-Stunden-Woche. Während die IG Metall auf die Menschen Rücksicht nehmen will, fordern die Arbeitgeber: Deutschland müsse wettbewerbsfähig bleiben.

Die IG Metall gefährde mit ihren Forderungen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Metall- und Elektroindustrie, die sich derzeit in einem Transformationsprozess befände, so Stefan Wolf, Vizepräsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall.

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Die IG Metall fordert in der aktuellen Tarifrunde das Recht auf eine 28-Stunden-Woche. "Völlig überzogen", urteilen die Arbeitgeber. Die IG Metall gefährde mit dieser Forderung Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit, kritisiert Stefan Wolf vom Arbeitgeberverband im ZDF morgenmagazin.

"Die IG Metall hat den Trend der Zeit nicht erkannt, wir befinden uns (…) in der Metall- und Elektroindustrie in einem Transformationsprozess – insbesondere in der Automobil- und Zulieferindustrie." Das koste viel Geld. Wolf mahnt, Deutschland müsse wettbewerbsfähig bleiben. Und "das gefährdet die IG Metall immens mit diesen völlig überzogenen Forderungen".

IG-Metall: "Wir wollen die Arbeitszeit, die zum Leben passt"

Die IG Metall wolle eine Arbeitszeitpolitik, die Menschen im Erwerbsleben halte und Fachkräfte sichere, hatte am Vorabend IG-Metall-Chef Jörg Hofmann im ZDF heute-journal erklärt. "Wir wollen die Arbeitszeit, die zum Leben passt." Mit der 28-Stunden-Woche sollen die Beschäftigten mehr Zeit für Kinder, die Familie oder die Pflege bekommen.
Betriebe seien heute flexibel, was die Kunden angehe und die Auslastung in der Produktion. "Aber es gibt kaum Flexibilität, die auf Menschen Rücksicht nimmt, die Tag für Tag ihre Leistung erbringen. Flexibilität darf keine Einbahnstraße bleiben."

Die Konjunktur in der Metallindustrie, dem größten deutschen Industriezweig, bleibt nach Einschätzung der Gewerkschaft in Schwung. Angesichts des ungebrochenen Wachstums der Branche und einer schwungvollen Konjunktur sei die Größenordnung der Lohnforderung mehr als angemessen, hatte Hofmann zuvor klargestellt. "Es gibt keinen Grund zu Zurückhaltung", ergänzte er angesichts der Sechs-Prozent-Forderung, die neben der 28-Stunden-Woche zu den Kernforderungen in der Tarifrunde zählt. Die 3,9 Millionen Beschäftigten erwarteten, dass sie angemessen am Erfolg beteiligt würden.

Die Gewerkschaft wolle zudem einen "Paradigmenwechsel" in der Arbeitszeit erreichen, erklärte der Gewerkschaftschef. Maßgeblich für Flexibilität bei den Arbeitszeiten sei bisher vornehmlich das Interesse der Arbeitgeber. Jetzt verlangten die Beschäftigten mehr Selbstbestimmung.

Wolf: Forderung "ungerecht"

Die Arbeitgebervertreter sehen eine solche Zeitenwende nicht gekommen. Stefan Wolf sagt im ZDF morgenmagazin, eine 28-Stunden-Woche und Lohnausgleich in bestimmten Fällen hieße, es würden weniger Stunden gearbeitet aber mehr bezahlt. Der Arbeitgeber solle das tragen. "Das ist sicherlich auch ungerecht anderen Arbeitnehmern gegenüber, die keine Zuschläge bekommen", meint Wolf. Das passe einfach nicht in die Zeit.

Außerdem herrsche ein immenser Fachkräftemangel. Da noch einmal die Arbeitszeit zu verkürzen, gehe in die völlig falsche Richtung. "Die Arbeit muss ja gemacht werden. Und wenn plötzlich jemand 7 Stunden weniger arbeitet die Woche, dann müssen andere Kollegen einspringen." Oder man müsse andere Leute finden, was "unheimlich schwierig" sei derzeit am Arbeitsmarkt.

Teillohnausgleich für Schichtarbeiter und Eltern

Nach den Forderungen der Gewerkschaft soll in der Metallindustrie grundsätzlich jeder Beschäftigte das Recht erhalten, seine Wochenarbeitszeit für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren von 35 auf 28 Stunden zu reduzieren. Nicht wenige sollen dafür nach den Vorstellungen der IG Metall zusätzlich und unbefristet einen Teillohnausgleich bekommen: Alle Schichtarbeiter, Eltern junger Kinder sowie Beschäftigte, die zu Hause Angehörige pflegen. Nach vorläufigen Schätzungen der Arbeitgeber könnten nahezu zwei von drei Beschäftigten auf kürzere Arbeitszeiten mit (Teil-)Lohnausgleich hoffen. Die IG Metall geht eher von 40 Prozent aus.

Der dickste Brocken sind die mehr als eine Million Schichtarbeiter, die nach den Vorstellungen der Gewerkschaft für die ersten fünf Freischichten im Jahr einen Lohnausgleich auf dem Niveau der untersten Lohngruppe erhalten sollen. Das sind über den Daumen gerechnet 750 Euro jährlich für jeden. Die restlichen Freischichten im Jahr blieben ohne Ausgleich und würden wahrscheinlich auch nur von wenigen in Anspruch genommen. "Fünf bezahlte Freischichten für alle Schichtarbeiter" könnte zur Kampfformel werden, wenn ab Januar erste Warnstreiks anstehen und die Belegschaften mobilisiert werden sollen.

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