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Arbeitnehmer in Deutschland - Eng getaktet und unter Druck

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Der Jobmotor brummt, die Auftragslage in vielen Betrieben könnte nicht besser sein. Doch was sagt das aus über die Zufriedenheit der Beschäftigten? Das Statistische Bundesamt wartet mit neuen Zahlen auf: Überstunden, ein hohes Arbeitstempo und immer mehr befristete Verträge belasten viele Arbeitnehmer.

Die Bundesregierung gab auf Anfrage der Grünen bekannt: Insgesamt 45 Prozent der Neueinstellungen im vergangenen Jahr waren befristet. Trotz guter Arbeitsmarktzahlen und Fachkräftemangel in einigen Regionen gibt es viele Arbeitsplätze nur auf Zeit.

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Auf den ersten Blick läuft es am deutschen Arbeitsmarkt wie geschmiert: Die Zahl der  Erwerbstätigen erreichte im Juli mit 44,2 Millionen Menschen einen neuen Höchststand, die Arbeitslosenquote wiederum ist die zweitniedrigste in Europa - hinter Tschechien. Jubelstimmung also bei den Beschäftigten? Viele Überstunden, ein hohes Arbeitstempo und immer mehr befristete Verträge belasten die Arbeitnehmer nach wie vor erheblich - das zeigt ein neuer Bericht des Statistischen Bundesamts.

Wenig Änderung in den vergangenen Jahren

"Wenn ich Sie fragen würde, ob Sie Ihre Arbeit gerne machen, würden Sie sicherlich nicht nur an Ihr Geld denken", sagt Georg Thiel, Vizepräsident des Statistischen Bundesamts bei der Präsentation. Der Bericht zur "Qualität der Arbeit" nimmt deshalb auch Faktoren wie Arbeitszeit, Qualifikationen sowie Zusammenarbeit und Motivation in den Blick.

Dabei fällt zunächst auf: Bei vielen dieser Punkte hat sich in den vergangenen Jahren kaum etwas geändert. Stichwort Arbeitszeit: 41,3 Stunden arbeitete ein Vollzeitbeschäftigter im vergangenen Jahr in Deutschland pro Woche - ähnlich viel wie noch vor 25 Jahren, schreiben die Statistiker.

Das gilt auch für die überlange Arbeitszeit. Rund elf Prozent der Beschäftigten arbeiteten dem Bericht zufolge 2016 mehr als 48 Stunden in der Woche. "Der Wert schwankt immer wieder, bleibt im langjährigen Vergleich aber konstant", sagt Soziologin Lisa Günther vom Bundesamt.

Länger Arbeitszeit, mehr Stress

Doch für Oliver Suchy vom Deutschen Gewerkschaftsbund ist das kein Grund zur Freude. "Überlange Arbeitszeiten sind nur die Spitze des Eisbergs", sagt er. "Das Problem ist vor allem, dass mehr als die Hälfte aller Beschäftigten teilweise deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche arbeitet und damit länger als vertraglich vereinbart." 961 Millionen Überstunden seien so im vergangenen Jahr insgesamt zusammengekommen. Und klar sei: "Wer länger arbeitet, hat auch mehr Stress."

Das zeigen auch die Zahlen des Statistischen Bundesamts. Termindruck und eine hohe Arbeitszeitdichte belasten demnach rund 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland. Mehr als der Hälfte aller Führungskräfte machte insbesondere die dichte Termintaktung zu schaffen. Das Problem ist dem Bundesamt zufolge unabhängig von Stellung und Branche: Angestellte in der Anlagen- und Maschinenbedienung sowie im Handwerk leiden ähnlich stark unter einer zu hohen Termindichte.

Arbeitgeber erklären Letzteres vor allem mit der guten Auftragslage bei Industrie und Handwerk. Fachkräftemangel und eine starke Nachfrage führen demnach automatisch zu einer höheren Arbeitsintensität. Rechnet man Teil- und Vollzeitarbeitskräfte zusammen, ergibt sich zudem eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von rund 35 Stunden - zwei Stunden weniger als der europäische Schnitt.

Befristungen: Knapp unter EU-Schnitt

Und auch beim Anteil der befristet Beschäftigten lag Deutschland im vergangenen Jahr knapp unter dem EU-Durchschnitt. 8,5 Prozent der Erwerbstätigen hätten einen befristeten Arbeitsvertrag gehabt, schreibt das Statistische Bundesamt (EU: 11,3 Prozent).

In den vergangenen zehn Jahren sei ihre Zahl von 2,4 auf 2,8 Millionen geklettert. "Allerdings hat auch die Gesamtzahl der Erwerbstätigen zugenommen, so dass in diesem Zeitraum die Befristungsquote relativ konstant blieb", schreiben die Autoren. Treiber des Anstiegs der absoluten Zahl seien auch befristet angestellte Wissenschaftler an Universitäten, sagt Bundesamt-Vizepräsident Thiel.

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