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Area 51 im Alien-Hype - Memes und ihre Folgen

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Millionen Spaßvögel wollten am Freitag die US-Militäranlage Area 51 stürmen. Nach Warnungen der Behörden wird es nur ein Musikfestival. Könnte das auch in Deutschland passieren?

Area 51: "Extraterrestrial highway" Crystal Springs, Nevada
Area 51: "Extraterrestrial highway" Crystal Springs, Nevada
Quelle: AP

Selbst die Genesis dieser kruden Idee klingt verrückt: Der College-Student Matty Roberts hörte im Juni 2019 den Auftritt eines Verschwörungstheoretikers in dem polarisierenden, aber extrem erfolgreichen Online-Podcast The Joe Rogan Experience. Anders als die meisten Joe-Rogan-Fans reagierte er jedoch nicht mit Schulterzucken auf die verschrobenen Aussagen des Gastes. Er erstellte ein Facebook-Event und kündigte darin für den 20. September die Erstürmung des geheimen US-Militär-Testgeländes in der Area 51 an, um das sich seit Jahrzehnten verschiedenste Mythen ranken. Erklärtes Ziel: Aliens finden.

Diese Einladung versah Roberts mit zahlreichen Verweisen auf Memes und Witzen, basierend auf sehr spezifischer Internetkultur, und für Außenstehende meist kaum zu durchschauen. Es war ein klar erkennbarer Scherz. Nur, dass innerhalb von wenigen Wochen mehr als zwei Millionen Menschen ihre Teilnahme an dieser öffentlichen Veranstaltung bekundeten.

Für Wochen wurden ganze Internetgemeinden vom Alien-Wahnsinn befallen. Einige hofften, in der Area 51 endlich die gelöschten Hillary-Clinton-Mails finden zu können. Andere malten sich aus, wie untereinander verfeindete Online-Communities Area 51 zum Ort einer letzten Entscheidungsschlacht zwischen den Nerds der Welt machen würden. Der Rapper Lil Nas X verwies in einem Musikvideo auf den Spaß-Event. Eine vollkommene popkulturelle Kernschmelze mit unendlicher alberner Kreativität.

Behörden warnten Anwohner

Was als Satire gedacht war, wurde für Sicherheitsbehörden schnell zum Sorgenfall. Was tun, wenn tatsächlich Tausende Menschen in dieser abgelegenen Gegend auftauchen? Wie soll das Militär reagieren, wenn sie tatsächlich versuchen, Sperrgebiet zu betreten? Im Januar wurde eine Person von Sicherheitskräften erschossen, nachdem sie mit einem Auto in das Area-51-Sperrgebiet in der Stadt Mercury in Nevada eingedrungen war.

Entsprechend humorlos auch die Reaktion der US-amerikanischen Luftwaffe: Area 51 "ist ein aktives Trainingsgelände und wir raten jedem davon ab, dieses Gebiet zu betreten. Die US-Luftwaffe ist jederzeit bereit, Amerika und ihren Besitz zu beschützen". Auch wies die lokale Verwaltung des Nye County in Nevada Anwohner an, vorsorglich Lebensmittel, Benzin und Medikamente einzukaufen, da die Anreise einer unbekannten Zahl an Personen die Infrastruktur überlasten könnte.

Sturm auf Area 51
Anwohner im Lincoln County, Nevada, beraten Anfang September, wie mit dem Satire-Event umzugehen ist
Quelle: AP

Facebook löschte kurzzeitig die Veranstaltung Anfang August unter Verweis auf gebrochene Verhaltensregeln. Inzwischen ist die Seite wieder online. Ein für das Wochenende der Aktion geplantes Musikfestival wurde kurzfristig nach Las Vegas verlegt, da einige der Organisatoren, unter anderem Matty Roberts selbst, chaotische Zustände befürchteten. Lokale Anwohner, die bereits größere Summen in die Beherbergung der Alien-Fans investiert hatten, wollen, dass das "Alienstock" genannte Happening am Wochenende dennoch stattfindet. "Ich wollte nicht riskieren, dass es zu einem Fyre Festival 2.0 wird", sagte Roberts dem Las Vegas Reviev Journal unter Verweis auf ein berüchtigtes Musikfest, das 2017 in einem Chaos endete.

Zwei Youtuber in Area 51 verhaftet

Obwohl das Ereignis nun kleiner als geplant ausfallen sollte, wurden bereits erste Personen im Gebiet der Area 51 verhaftet. Darunter sind zwei 20- und 21-jährige Youtuber aus den Niederlanden, die vergangene Woche rund fünf Kilometer innerhalb des Sperrgebietes mit einer Kameradrohne gestoppt wurden. Ihnen drohen eine Strafzahlung von bis zu 500 US-Dollar und sechs Monate Haft.

Theoretisch könnten ähnliche Massenveranstaltungen auch in Deutschland Chaos verbreiten. Mitte März eskalierte etwa eine Versammlung der Fangruppen zweier deutscher Youtuber in der Frankfurter Innenstadt zu einem Polizeieinsatz. Aus der Menge von mehr als 600 Personen flogen Steine auf Beamte. Häufig sind es aber auch positivere Anlässe wie spontanes gemeinsames Tanzen an öffentlichen Orten, die Sicherheitskräfte auf den Plan rufen. Für die Teilnehmer kann es dabei teuer werden: Die Polizei München hat schon 2011 167 Teilnehmer einer U-Bahn-Party die Kosten für den Polizeieinsatz begleichen lassen. Ähnliche Fälle gibt es auch in anderen Städten.

Kein Grund zur Sorge, sagt die Berliner Polizei

Die Polizei Berlin sieht dennoch keinen erhöhten Handlungsbedarf. "Für uns ist das ganz normale Polizeiarbeit", sagte ein Polizeisprecher. Grundsätzlich bestehe kein Unterschied zwischen einem Flashmob und anderen Versammlungen. Zentral ist der Zweck der Aktion: "Spaß wird anders behandelt als politische Kundgebungen. Spaß fällt nicht unter den Schutz der Versammlungsfreiheit."

Wenn man dennoch eine Aktion im öffentlichen Raum plane, müsse man beim zuständigen Ordnungsamt eine sogenannte Sondernutzung beantragen. Konkrete Handreichungen für die korrekte Planung spektakulärer Events oder dem Umgang mit solchen, die aus dem Ruder laufen, möchte die Polizei in Berlin aber nicht geben: "Jeder Erwachsene sollte in der Lage dazu sein, die Folgen seines Handelns zu überblicken. Da braucht es nur etwas gesunden Menschenverstand."

Sollten unbeteiligte Dritte befürchten, zum Opfer eines Flashmobs oder einer sonstigen Internetaktion zu werden, könnten sie sich selbstverständlich auch an die Polizei wenden. Auf eigene Faust proaktiv tätig werde man nicht, so der Sprecher. Eine eigene Statistik darüber, wie häufig die Aktionen diverser Internet-Fangruppen in Polizeieinsätzen enden, führt die Berliner Polizei nicht.

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