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Drinkcheck-Armband - Schnelltest gegen den K.o. im Club

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Es heißt "Xantus", sieht aus wie ein Festivalbändchen, hat es aber in sich. Denn mit dem Papierarmband existiert erstmals ein Getränke-Schnelltest für K.-o.-Tropfen.

Getränke in einer Diskothek
K.-o.-Tropfen sind geschmacks- und geruchlos: Mit einem Schnelltest lässt sich nun binnen Minuten prüfen, ob einem Getränk "Liquid Extasy" beigemischt wurde.
Quelle: colourbox

Ein Armband gegen den K.o. im Club: Ein Karlsruher Start-up sagt dem Missbrauch von K.-o.-Tropfen den Kampf an. Kim Eisenmann und Sven Häuser haben ein Papierarmband entwickelt, mit dem sich innerhalb von wenigen Minuten testen lässt, ob ein Getränk K.-o.-Tropfen enthält. Fragen und Antworten zu dem "Xantus"-Drinkcheck:

Wie funktioniert der Test?

Ob sich im eigenen Getränk GHB (Gammahydroxybuttersäure) - besser bekannt als Liquid Extasy oder K.-o.-Tropfen - befindet, ist mit dem Test einfach prüfen - und genauso schnell, wie die Tropfen eventuell im Drink gelandet sind: Mit dem Finger etwas Flüssigkeit auf eins von zwei Testfeldern des Xantus-Drinkcheck-Armbands geben - binnen zwei Minuten färbt es sich blau, wenn der Test positiv ausfällt.

Wie zuverlässig ist er?

Er funktioniert für jedes Getränk, egal ob heiß oder kalt. "Nur bei sehr roten Säften wie reinem Rote-Beete-Saft könnte es schwierig werden, das Ergebnis eindeutig zu erkennen, wegen der intensiven Färbung des Getränks", sagt Erfinderin Kim Eisenmann. "Aber den gibt’s ja eher selten in Clubs." Die Wirksamkeit des Tests wurde umfassend in einer Studie von einem wissenschaftlichen Institut getestet. "Xantus" ein Sensibelchen und erkennt sogar schon geringste Mengen von GHB, sprich 1,5 Gramm auf 100 Milliliter Getränk.

Der Test sei aber kein Freifahrtschein für leichtsinnige Partynächte, betont Eisenmann. "Wir bieten eine zusätzliche Sicherheit in Situationen, wo man das Gefühl hat, mit dem Getränk könnte was nicht stimmen. So ähnlich wie die Pille danach als extra Schutz." Und warum der Name "Xantus"? "Wir suchten nach einem starken, modernen Namen, landeten schließlich bei Wörtern mit 'X'. Es hätte auch 'Xylophon' werden können", scherzt sie.

Funktioniert "Xantus" nur bei GHB?

Ja, bisher schlägt der Xantus-Drinkcheck "nur" bei GHB an, aber die Erfinder entwickeln ihr Produkt bereits eifrig weiter und wollen es weltweit vermarkten. Ihr Ziel ist, dass das Armband perspektivisch zur Standardausrüstung jeder Hotelrezeption zum Schutz aller Feiernden gehört - auch präventiv. "Es ist gut erkennbar, und wer es am Handgelenk trägt, schreckt mögliche Täter dadurch vielleicht ab", hofft Eisenmann.

Kritiker bemängeln allerdings, dass es neben GHB viele andere Substanzen gibt, die ganz ähnlich wirken. Daher könnten potenzielle Täter künftig einfach zu anderen Mitteln greifen. "Unser Armband macht einen nicht unbesiegbar, und wer 100 Prozent sicher gehen will, dürfte in einem Club gar nichts mehr trinken", sagt Eisenmann. GHB-basierte K.-o.-Tropfen seien aber die bekanntesten, daher hätten sie sich bei der Entwicklung des Drinkchecks dafür entschieden. "Wer unser Armband trägt, setzt auch ein Zeichen. Xantus ist ein Anfang, aber wir forschen parallel bereits weiter", betont die Erfinderin.

Wie kamen die Erfinder auf die Idee?

Das Schicksal einer Bekannten rüttelte die 25-jährige Studentin wach. Betäubt durch K.-o.-Tropfen wurde diese nach einem Stadtfest Opfer eines Gewaltverbrechens. "Bis zu diesem Zeitpunkt war ich der festen Überzeugung, mir könnte so was nie passieren. Doch das war so nah, und die Tat machte mich so wütend, dass ich etwas unternehmen musste", erinnert sich Eisenmann. Sie setzte sich mit Freund und Geschäftspartner Sven Häuser zusammen und begann zu recherchieren. "Wir konnten es erst gar nicht glauben, dass es noch keinen Test auf dem Markt gab."

"Ein Junge hat einen Drink ausgegeben Wir haben getanzt, und dann wird es dunkel mit meinen Erinnerungen. Wie eine Art Filmriss." Am Morgen wacht Nina nur halb bekleidet im Park auf. Was ist passiert? Sehen Sie hier die 37°-Doku "K.-o.-getropft".

Beitragslänge:
28 min
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Was war so kompliziert an der Entwicklung des Tests?

"Wir sind bei weitem nicht die ersten, die sich der Herausforderung gestellt haben, doch im Gegensatz zu vielen anderen Teams haben wir es geschafft, in wenigen Monaten ein marktreifes Produkt zu entwickeln", erzählt Kim Eisenmann. Denn die Anderen scheiterten oft an der Penetranz der Zuckermoleküle, die mit der eingesetzten Chemie reagierten und dadurch das Ergebnis verfälschten.

Dass "Xantus" dieses Problem nicht hat, dabei hätten ihr Netzwerk und die richtigen Kooperationspartner eine entscheidende Rolle gespielt, so die Gründerin weiter. Die Chemie stimmte im wahrsten Sinne des Wortes von Anfang an und das Start-up musste das Wissenschaftliche "nur" noch in ein massentaugliches Produkt verwandeln - also Namen, Design, Produktion und Online-Shop auf die Füße stellen. "Dass der dm-Drogeriemarkt uns seit April auch in seinem Online-Shop gelistet hat und es das Produkt bald vielleicht in den Filialen geben wird, ist der Wahnsinn! Die erste Charge war online nach 72 Stunden ausverkauft", erzählt Kim Eisenmann.

Wer kauft die Armbänder?

Knapp zehn Euro kosten vier Armbänder mit je zwei Testfeldern im Online-Shop. Macht 1,25 Euro für ungleich mehr Sicherheit beim Feiern. Ein typisches Frauenprodukt? "Das könnte man denken, aber wir bekommen auch sehr viele Rückmeldungen von Männern, die die Armbänder entweder für ihre Freundinnen kaufen - oder auch für sich selbst", so Kim Eisenmann. "Ein Nutzer hat uns geschrieben, er wisse nur zu gut, wie Männer sein könnten und wollte sich im Urlaub schützen."

Wie viele Menschen werden Opfer von K.-o.-Tropfen?

Verlässliche Statistiken über Opferzahlen gibt es nicht. Das ist auch der Wirkungsweise von GHB geschuldet. Denn es ist nicht nur geschmacks- und geruchslos, sondern baut sich auch schneller im Körper ab, als mancher seinen vermeintlichen "Rausch" ausgeschlafen hat.

Im Blut ist es nur sechs Stunden nachweisbar, im Urin maximal zwölf Stunden. Entsprechend weist selbst das Bundeskriminalamt für 2017 nur 76 Fälle in Verbindung mit GHB aus. "Tatsächlich dürften die Zahlen um ein Vielfaches höher liegen", teilt Kim Eisenmann die Meinung der Opferhilfe Weißer Ring, die mit ihrer Kampagne "Lass dich nicht k.o. tropfen" bereits seit über einem Jahr aktiv auf die Gefahren von GHB aufmerksam macht.

Experten zum Thema K.-o.-Tropfen

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